Duschen nur zu bestimmten Zeiten. Eigentümer in Sachsen schränken Warmwasser ein
05.07.2022, 09:30 Uhr
Die Energiekosten steigen, Hausbesitzer müssen Vorauszahlungen an Lieferanten leisten und haben damit oft zu kämpfen. Deshalb geht eine Wohnungsbaugenossenschaft im sächsischen Dippoldiswalde einen drastischen Schritt. Stellen Sie Mietern zu bestimmten Tageszeiten kurzerhand das Warmwasser ab.
Eine Wohnungsbaugesellschaft im sächsischen Dippoldiswalde drosselt wegen stark gestiegener Energiepreise ihre Warmwasserversorgung. Während der Hauptnutzungszeiten morgens (4 bis 8 Uhr), mittags (11 bis 13 Uhr) und abends (17 bis 21 Uhr) bleibt es verfügbar, nachts kommt das Wasser derweil kalt aus der Leitung . Außerdem geht die Heizung erst im September an. Es ist davon auszugehen, dass die Genossenschaft des Bezirks Sächsische Schweiz und das Erzgebirge im Osten eines der ersten Unternehmen in Deutschland sein wird, das auf diese Weise auf extrem hohe Preise reagiert.
„Es geht nicht darum, Mieter zu verärgern, sondern darum, uns darauf einzustellen, was wir nächstes Jahr vielleicht nicht zahlen können“, sagte Vorstandsmitglied Falk Kühn-Meisegeier. Es gehe nur darum, sich ein wenig einzuschränken: „Wir wollen, dass die Mieter gut durch diese Krise kommen. Das Leben ist auch so schon teuer genug.“ Laut Kühn-Meisegeier hatte die Genossenschaft mit 600 Wohnungen bereits im April die Höhe der Betriebskostenvorauszahlungen verdoppelt. Die Genossenschaft musste den örtlichen Energieversorger im Voraus bezahlen. Statt bisher 100.000 Euro müssen Sie nun 400.000 Euro bezahlen.
Die Mieter haben auch Verständnis für die Reduzierung der Warmwasserversorgung. Allerdings bekommt die Genossenschaft derzeit einen „viralen Kampf“ in den sozialen Medien. „Wir haben keinen Umsatzmillionär. Die Leute müssen nur mit der Preisspirale fertig werden“, erklärte der Vorstand.
Der Sächsische Mieterbund sieht das Vorgehen allerdings mehr als kritisch. „So geht das nicht“, sagte Sprecher Florian Bau. Ein Hausbesitzer sollte sich nicht dazu entschließen, das Warmwasser einseitig abzustellen. „Eine Wohnung ist mangelfrei, wenn rund um die Uhr warmes Wasser zur Verfügung steht“, erklärt Bau. Andernfalls könnten die Bewohner die Miete mindern. In jedem Fall hätten sie einen Rechtsanspruch auf Warmwasser.
Der Mieterbund fordert Vereinbarungen statt Alleingänge
Der Mieterbund sieht die Schwierigkeiten der Vermieter durch steigende Preise für Gas und Strom. Sie müssen im Voraus bezahlen und Ihr Geld wird Ihnen erst über Ihre Stromrechnungen von 2022 zurückerstattet, aber die meisten werden erst im Herbst nächsten Jahres verschickt. In den vergangenen Monaten gab es mehrere Aufrufe aus der Wohnungswirtschaft an Mieter, die Abzüge jetzt freiwillig zu erhöhen. Gefordert sei nun ein “Zusammenleben von Mietern und Vermietern”. Der Mieterbund rät Ihnen außerdem, massiv hohe Nachzahlungen zu vermeiden, die auf einmal gezahlt werden müssten.
Die stundenweise Abschaltung des Warmwassers könne theoretisch aus einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen der Genossenschaft und den Nachbarn geregelt werden, sagte der Sprecher des Mieterbundes Bau. “Aber alle müssen mitmachen.” Er bezweifelte auch, dass es energetisch sinnvoll sei, die Warmwasserzufuhr mehrmals täglich zu erhöhen und zu verringern.
Der Präsident des GdW-Zentralverbandes der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, erklärte auf Anfrage: „Aktuell schwierige Zeiten erfordern auch schwierige Entscheidungen, die nicht immer getroffen werden.“ Je nach örtlichen Gegebenheiten und Kostensituation sind individuelle Lösungen gefragt. Er wies darauf hin, dass Mitglieder der Genossenschaft Dippoldiswalde die Einsparungen unterstützten, so der Vorstand.