Datenbrille und Gedankenkontrolle: Was auf dem 5G-Campus geforscht wird

07.07.2022

Barbara Wimmer

Viele Experimente werden in der Smart Factory der Technischen Universität Graz durchgeführt. Hier hilft die neue Handy-Technologie.

Datenbrillen spielen mittlerweile eine wichtige Rolle bei Wartungsarbeiten. Facharbeiter in Industrieunternehmen nutzen sogenannte Augmented Reality (AR)-Brillen, um bei der Wartung von Geräten die Hände frei zu haben. In die Brille werden wichtige Informationen zum Pflegeprozess eingetragen. Allerdings sind die bisher verwendeten Gläser meist sehr schwer und sperrig.

Dass es auch anders geht, zeigt die Smart Factory der Technischen Universität (TU) Graz: Lichtbrillen sind für diese Anwendungen vorgesehen. Bei diesen Geräten werden die notwendigen Daten nicht in der Brille gespeichert, sondern in einem leistungsstarken Computer, der per 5G-Technologie mit der Brille kommuniziert.

Privates 5G-Campusnetz

Auch der 300 Quadratmeter große Smart-Factory-Raum der TU verfügt über ein eigenes 5G-Campusnetz. „Daten bleiben im privaten Netz und die Latenzzeiten sind gering“, sagt Werner Kraus von Magenta gegenüber der Ortsbesichtigung des Zukunftsgebiets. „Das sind optimale Rahmenbedingungen für die Zukunft der Produktion“, sagt Kraus.

„Das ist eine Pilotfabrik. Wir wollen Vorreiter sein und Anwendungen testen, die ein privates 5G-Netz benötigen“, sagt Franz Haas, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik. Die Pilotfabrik arbeitet unter anderem an einer Lösung, die es einer Maschine ermöglicht, Anomalien während des Betriebs selbstständig zu erkennen. Industriemaschinen sollen sie bereits erkennen, heißt es. Das lässt sich aber nicht automatisch stoppen, sagt ein Student, der das Projekt demonstriert.

Diese leichten Brillen werden auf dem Campus 5G getestet

© Magenta

Gedanken steuern Maschinen

Spannend klingt auch ein anderes Forschungsprojekt in der Smart Factory: Es wird getestet, wie sich Maschinen mit Gedanken steuern lassen oder wie eine Maschine schneller gestoppt werden kann, wenn sie mit einem Menschen zu kollidieren droht. . „Junge Menschen haben hier spannende Möglichkeiten zu forschen“, sagt Haas.

Die smarte Pilotfabrik enthält derzeit 4 bis 5 Großanlagen für Industrieunternehmen, 5 bis 8 Roboter, Software, die alles mit dem Netzwerk verbindet, und Datenbrillen. Die Industriemaschinen werden von Haas auf 4 Millionen Euro geschätzt, alle im Besitz der Technischen Universität Graz. „Pilotfabriken sind der ideale Ort für die studentische Ausbildung, aber auch für den Wissensaustausch für alle Interessierten“, sagt Haas. Forschungspartner sind Magenta, Ericsson und T-Systems. Magenta stellt das private 5G-Netz bereit. Netzwerkkomponenten kommen von Ericsson und T-Systems hilft bei der Entwicklung von Anwendungsfällen.

Intelligente Fabrik

Warum WiFi 5G Fabriken überlegen ist

„Niedrige Latenz ist wichtig für Maschinen, weil sie sonst aufhören zu arbeiten“, erklärt Joe Wilke von Ericsson. Daher ist 5G auch im Vergleich zu WLAN die beste Wahl. Neben geringeren Latenzzeiten sind mit 5G auch Zellradius und Signalqualität deutlich besser. „Die Sensorentwicklung wurde jetzt auch auf 5G ausgerichtet“, sagt Wilke. Da das 5G-Campusnetz auch ein privates Netz ist, gibt es keine Bandbreitenprobleme. Bei vielen Industrieunternehmen sieht Wilke bereits „großes Interesse“, Investitionsentscheidungen seien aber vielerorts noch nicht gefallen, so der Fachmann.

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