Nach Rücksprache mit Experten kündigte Ludwig an, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Im Gesundheitswesen rücken FFP2-Masken und eine Besucherbegrenzung näher.
Es ist das erste Mal, dass wir im Juli eine Welle beobachten. Und das werfe drei Bedenken auf, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Donnerstag. Es gibt eine tägliche Zunahme von Infektionen, die sich in Krankenhäusern widerspiegeln. “Zweitens sind auch Krankenhausangestellte infiziert und deshalb zu Hause.” Drittens nähert sich die Ferienzeit, also gibt es viele Menschen, darunter Krankenschwestern und Ärzte. Damit droht das Krankenhaussystem an seine Grenzen zu stoßen.
Der „Sonderweg“, den Wien in Bezug auf Corona eingeschlagen habe, komme gut an, betont Ludwig. Auch andere Städte in Europa würden dem Beispiel Wiens folgen. Auch in der Bundeshauptstadt ist die Wahrscheinlichkeit einer weiten Verbreitung von Covid-19 während der Reisezeit gegeben. Daher wird Wien seinen eingeschlagenen Weg mit härteren Maßnahmen fortsetzen. „Wir werden den konsequenten Wiener Weg weitergehen müssen: Wir haben weiterhin eine gültige Maskenpflicht“, kündigte der Bürgermeister an.
Pro Patient und Tag wurden drei Besucher getestet
Insbesondere das Testsystem könnte in Zukunft neu gestartet werden, sagt Ludwig. Auch der „vierte Punkt“, also eine weitere Impfung, wird eine zentrale Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielen. Daher sollen auch im Juli mehrere Impfzentren in Wien öffnen. Dazu gehören das Austria Center und ab 11. Juli das Impfzentrum TownTown, dann jeweils ein Impfzentrum im 2., 12., 15. und 18. Bezirk sowie je eines in Floridsdorf und Donaustadt. Im Zuge dessen werden „nach und nach“ neue Impftermine bekannt gegeben. Bürgerinnen und Bürger können sich über das Gesundheitstelefon 1450 oder den Online-Impfdienst anmelden.
Künftig werden die Maßnahmen in gefährdeten Umgebungen verschärft. Sowohl in Krankenhäusern als auch in Pflegeheimen und Senioren wird eine FFP2-Maskenpflicht eingeführt. Die Besucherzahl wird zunächst auf maximal drei getestete Personen pro Patient und Tag reduziert. Damit sollen Anhäufungen in Krankenhäusern und Gesundheitszentren vermieden werden.
Neue Maßnahmen werden Anfang August erwartet
Ludwig kündigte an, dass es künftig auch zu einer weiteren Ausweitung der Maßnahmen kommen könnte. Sie werden voraussichtlich Anfang August bekannt gegeben. Dem wolle er aber nicht vorgreifen, betont Ludwig. Der Wiener Bürgermeister fordert die Bundesregierung auf, Wien als Vorbild zu nehmen und die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 zu verschärfen. „Ich finde es wichtig, rechtzeitig zu handeln und nicht erst, wenn die Welle ihren Höhepunkt erreicht“, sagt Ludwig.
„Das Virus wird nicht so schnell verschwinden“, so der Wiener Bürgermeister weiter. Von dem Ansatz, das Virus als Teil des normalen Lebens zu sehen, hält er aber wenig. Aber die Menschen müssen sich an die neuen Bedingungen gewöhnen. Gleichzeitig will man in Wien nicht übertrieben aktiv sein, sondern in Maßen. Die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln in der Bundeshauptstadt ist ein Beispiel dafür, wie es funktioniert. Es wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Meinungsumfragen würden dies bestätigen.
Bei der Frage, ob die Maskenpflicht in Supermärkten zurückkehren könnte, hielt sich Ludwig bedeckt. Eine Rückkehr der Maßnahme will er weder dementieren noch prognostizieren.
(Riss)