Neun-Euro-Ticket: Pfingsten drohen überfüllte Züge und Zwangsräumungen

Neun-Euro-Sparkarte

Pfingsten drohen überfüllte Züge und Zwangsräumungen

Stand: 28.05.2022 | Lesezeit: 3 Minuten

“Zu wenig Züge und zu wenig Infrastruktur”

Mit dem Neun-Euro-Schein sollen die Bürger von den hohen Energiepreisen entlastet werden. Karl-Peter Naumann, Ehrenpräsident des Fahrgastverbandes Pro Bahn, sieht erhebliche Probleme bei der Umsetzung

Die Eisenbahngewerkschaft warnt vor einem „Stresstest“ am Pfingstwochenende. Das Neun-Euro-Ticket könnte zu vollen Bahnsteigen, schweren Zügen und Problemen beim Fahrradtransport führen. Verkehrsminister Volker Wissing sieht das anders.

Der Eisenbahn- und Verkehrsverband (EVG) warnt vor überfüllten Zügen und möglichen Evakuierungen von Zügen, Bahnsteigen oder ganzen Bahnhöfen zu Pfingsten: „Das Pfingstwochenende wird eine echte Belastungsprobe für die Bahnen“, sagte der Vizepräsident der EVG, Martín. Burkert, Rheinische Post. Insbesondere der Ausflugsverkehr könnte das System Bahn an seine Grenzen bringen. Ab Mittwoch gilt das Neun-Euro-Ticket in ganz Deutschland.

Für Bahnhöfe gibt es Notfallpläne: „Wenn zu viele Menschen auf einem Bahnsteig sind, wird die Bundespolizei das zulassen, damit die Züge sicher einfahren können“, sagte Burkert. „Droht ein ganzer Bahnhof von Überfüllung, wird er geschlossen. Und wenn die Züge zu voll sind, müssen sie evakuiert werden.“

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Der Gewerkschaftsvertreter sagte, erst in den vergangenen Tagen seien ICE-Züge in Nürnberg und Frankfurt zweimal gereinigt worden, weil sie zu schwer seien. Dies ist auch mit Nahverkehrszügen möglich. „Wenn das Gesamtgewicht einschließlich zu vieler Fahrgäste zu hoch ist, kann der Zug nicht fahren. Sicherheit geht immer vor.“

Burkert macht sich Sorgen um Rollstuhlfahrer und Radfahrer. „Hilfe für die ländliche Mobilität ist möglicherweise nicht in dem Umfang verfügbar, der erforderlich ist, um Rollstuhlfahrern zu helfen.“

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Zudem wird es für Menschen mit Behinderungen immer schwieriger einzusteigen und dann einen geeigneten Platz zu finden. „Ich kann nur an alle Mitreisenden appellieren, untereinander und vor allem mit den Schwächsten Rücksicht zu nehmen.“

Rückfahrt mit ungesichertem Fahrrad

Bei den Radfahrern befürchtet Burkert, dass ganze Gruppen stranden. „Wir haben nur begrenzte Kapazitäten für Fahrräder oder E-Bikes. Es kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass eine Gruppe mit der Bahn ans Ziel kommt, aber bei der Rückreise nicht auf die Räder und E-Bikes aufsteigen kann. Das wäre natürlich sehr schade“, sagte er.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wies Befürchtungen zurück, der Neun-Euro-Schein würde chaotische Zustände hervorrufen. „Bisher haben sich die Leute immer beschwert, dass zu wenige Menschen Busse und Bahnen nutzen. Ich freue mich, wenn es mehr werden“, sagte Wissing in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntag. „Ein bisschen Luft.“

Gleichzeitig übertrug der Bundesminister den Bundesländern die Verantwortung für eine gute Organisation. Er selbst war zunächst besorgt und argumentierte deshalb, dass das Ticket nur bis zum jeweiligen Verkehrsverbund gelten solle. “Die Länder wollten es für ganz Deutschland”, sagte Wissing. „Und sie sagten, sie können das Angebot entsprechend organisieren. Ich verlasse mich auf die Erfahrung der Länder.“

Das Neun-Euro-Ticket gilt den ganzen Monat über für beliebig viele Fahrten in Nah- und Regionalzügen, Bussen, Straßenbahnen und der U-Bahn. Fernzüge und Fernbusse können mit dem Ticket nicht genutzt werden, auch die Fahrradmitnahme ist nicht im Angebot enthalten.

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