Jürgen Pföhler selbst musste die Aussage verweigern und sein Anwalt hatte erklärt, dass die Ankündigung im Untersuchungsausschuss, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen, aufrechterhalten werde. Bundespräsident Martin Haller (SPD) entgegnete: „Herr Pföhler muss es selbst sagen. Ist das immer noch so? Vom Hochwasser in Rheinland-Pfalz. Sein Auftritt dauerte genau fünf Minuten.
Gegen ihn und den ehrenamtlichen Leiter der Technischen Einsatzzentrale (TEL) im Landkreis Ahrweiler hat die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Männer sollen die Bevölkerung zu spät alarmiert und mit den Evakuierungen begonnen haben. 134 Menschen starben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli im Ahrtal.
Fast ein Dutzend Zeugen zeichnen ein vollständiges Bild
Auch ohne Pföhlers Aussage gaben fast ein Dutzend Zeugen, Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) und Nachbarn bei der Ausschusssitzung am Freitag ein umfassendes Bild darüber ab, was der ehemalige Landrat am 14. Juli tat und was nicht.
Zweimal war er am 14. Juli in der Kreisverwaltung, jeweils nur für relativ kurze Zeit: am frühen Nachmittag und am Abend, als der Innenminister von Rheinland-Pfalz die Krisenstabsleitung im Keller der Kreisverwaltung besuchte 19:20 Uhr Dies schilderte Uwe Gebert, Hauptkommissar des LKA Mainz. Seine Aussage am Freitagnachmittag war auch ein Vergleich zwischen dem, was die Ermittlungsbehörden wissen, und dem, was die Untersuchungskommission in den vergangenen Monaten von fast 150 Zeugen erfahren hat.
Dringende Bitte um Katastrophenalarm
Gegen 14 Uhr informierte Erich Seoul, ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Pföhler über die Situation in der Kreisgemeinde Adenau. Es sind bereits viele Feuerwehrleute im Einsatz. Allein, als rechte Hand des Pfählers bezeichnet, ist seine Verbindung zu seiner Verwaltung während der Flut. Pföhlers Frau hatte der Polizei mitgeteilt, ihr Mann sei bis auf wenige Ausnahmen den ganzen Tag zu Hause gewesen.
Am Nachmittag erfuhr Pföhler aus Seoul, dass zwei Impfzentren im Landkreis von der Flut betroffen seien und Termine abgesagt würden. Gegen 17 Uhr wurde der Landrat über die dramatischen Hochwasserwarnungen des Landesumweltamtes (LfU) informiert, „rund fünf unglaubliche Meter“ sollen Prognosen zufolge erreicht werden. Am Nachmittag hörte Pföhler zudem die dringende Bitte eines Bürgermeisters, den Katastrophenalarm auszulösen.
Diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler wurde im Juli 2021 nach der Flutkatastrophe komplett zerstört. : Bild: dpa
“Ich wusste, dass die Hochwassergefahr sehr hoch ist”
Immer wieder gab Seoul, wie er vor einer Woche sagte, das Telefon an den ehrenamtlichen Brand- und Katastropheninspektor (BKI) Michael Zimmermann weiter, er leitete die TEL. Der Empfang des Handys im Keller, wo TEL an diesem Nachmittag Stellung bezogen hatte, war miserabel. Was genau zwischen Zimmermann und Pföhler besprochen wurde, ist nicht bekannt: Keiner der Angeklagten sprach mit der Polizei oder dem Komitee.
Nachdem Pföhler und Zimmermann bei ihrem Besuch um 19.20 Uhr dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) die Situation geschildert hatten, ging der Landrat offenbar in sein Büro und nahm eine vorbereitete Pressemitteilung entgegen. Gegen 20 Uhr erfuhr er, dass Hunderte von Einsatzkräften im Einsatz waren und teilweise keine Menschenrettung mehr möglich war. „Ich wusste, dass die Hochwassergefahr sehr hoch ist“, sagt Forscherin Gebert. Aber es hatte keine Folgen.