Energiemix, Gasversorgung, Bundeswehr: Bundestagsbeschlüsse

Der Bundestag tagte bis Freitagabend. Die Beschlüsse reichen von Ökostrom bis zum Kauf der Bundeswehr. Ein Überblick.

In ihrer vorletzten Plenarsitzung vor den Sommerferien hatten die Abgeordneten ein volles Programm. So voll, dass am Ende nicht genügend Parlamentarier anwesend waren. Am Freitag wird weiter abgestimmt, danach tagt auch der Bundestag, der einigen Projekten zustimmen muss. Das sind die wichtigsten Entscheidungen vom Donnerstag.

Energiepolitik

  • Stromerzeugung aus Kohle: Aufgrund der Gaskrise hat der Bundestag die Weichen gestellt, um vorübergehend mehr Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung zu nutzen. Gleichzeitig beschlossen die Abgeordneten am Donnerstagabend, staatliche Hilfen für angeschlagene Energiekonzerne wie Uniper zu lockern. Optional kann auch ein Verbraucherabrechnungssystem geschaffen werden, um Gaspreiserhöhungen für Energieversorger gleichmäßiger an die Kunden weiterzugeben. Die Bundesregierung will jedoch den Einsatz dieses Instruments verhindern.
  • Keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke: Der Bundestag hat einen Änderungsantrag der Unionsfraktion abgelehnt, der die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke anstrebte. CDU und CSU hatten vorgeschlagen, dass die Bundesregierung neben den Kohlekraftwerken auch die verbleibenden drei deutschen Atomkraftwerke weiter betreiben könne.
  • Ausbau von Ökostrom: Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien am Energiemix muss bis 2030 auf mindestens 80 Prozent gesteigert werden; derzeit sind es knapp 50 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, müssten zwei Prozent der gesamten Bundesfläche auf Windkraftanlagen entfallen, das ist mehr als das Doppelte. Auf Druck der FDP wurde das ursprünglich geplante Ziel der Bundesregierung aufgegeben, die Stromerzeugung bis 2035 nahezu treibhausgasneutral zu gestalten.
  • Heizung im Bundestag: Der Seniorenrat hat beschlossen, dass die Büros der Abgeordneten, ihrer Mitarbeiter und die Verwaltung des Bundestags im Winter nur noch auf 20 statt bisher 22 Grad beheizt werden. Während Klimaanlagen früher im Sommer je nach Außentemperatur eine angenehme Temperatur von 24 bis 26 Grad boten, werden es in Zukunft 26 bis 28 Grad sein.

Ein Windrad in der Abenddämmerung (Symbolbild): Der Bundestag hat ein großes Ökostrompaket beschlossen. (Quelle: imago-images-images)

Verteidigungs- und Außenpolitik

  • Ausrüstung der Bundeswehr: Die Bundeswehr soll einfacher Ausrüstung kaufen können. Der Bundestag beschließt eine Flexibilisierung der Vergaberegeln. Auf diese Weise sollen die zuständigen öffentlichen Auftraggeber schneller Aufträge erteilen können. Die Regelung des „Bundeswehr-Rekrutierungsbeschleunigungsgesetzes“ ist zunächst auf dreieinhalb Jahre befristet, kann aber über den 31. Dezember 2025 hinaus verlängert werden. Vorgesehen ist unter anderem, dass mehrere sogenannte Lose, also Teilaufträge, unter gewisse Bedingungen. Zudem soll die gemeinsame Beschaffung mehrerer EU-Staaten erleichtert werden; in diesen Fällen kann der Bieterkreis für einen Auftrag künftig auf EU-Unternehmen beschränkt werden.

Ein Armeequad (Archivfoto): Die Bundeswehr soll es leichter haben zu kaufen, beschloss der Bundestag. (Quelle: Manfred Segerer / imago-images-bilder)

  • Keine Fuchs-Panzer für die Ukraine: Die Forderung von CDU und CSU, kurzfristig 200 Schützenpanzer Fuchs in die Ukraine zu liefern, fand im Bundestag keine Mehrheit. Das Parlament hat am Freitagabend gegen einen entsprechenden Entschließungsantrag der Unionsfraktion gestimmt. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte bereits vor der Abstimmung vor „Plünderungen“ der Bundeswehr gewarnt.
  • Untersuchungsausschuss zu Afghanistan: Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss zum überstürzten Rückzug Afghanistans aus der Bundeswehr und ihren Verbündeten eingesetzt. Die Untersuchung wird sich auf die Ereignisse konzentrieren, die die dramatische Evakuierungskampagne im August letzten Jahres nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban ausgelöst haben. Der Ausschuss soll laut Beschluss klären, „wie die Lagebeurteilungen und die Entscheidungen der Vertreter der Bundesbehörden über den Abzug der Bundeswehr erfolgt sind“. Die zentrale Frage ist, ob deutsche Regierungsstellen und Behörden die Brisanz der Lage nicht rechtzeitig erkannt und die Warnungen ignoriert haben und ob die Maßnahmen zur Evakuierung von deutschen Botschaftsmitarbeitern und deutschen Staatsbürgern sowie zum Schutz des Personals vor Ort eingeleitet wurden zu spät.
  • Völkermord: Der Bundestag hat sich am Donnerstag verpflichtet, die Verbrechen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat an Jesiden im Jahr 2014 als Völkermord zu bezeichnen. Das Parlament bestätigte am Donnerstag in Berlin das entsprechende Votum des Petitionsausschusses. Die Petition hatte den Bundestag aufgefordert, die Taten als Völkermord anzuerkennen.

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Einfügung

Wirtschaftspolitik

  • Virtuelle Hauptversammlungen: Virtuelle Hauptversammlungen von Unternehmen werden auch nach der Corona-Pandemie möglich sein. Der Bundestag hat am Freitagabend einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. Die Interimslösung wird damit zur dauerhaften Option für Konzerne. Künftig sollen Kapitalgesellschaften wählen können, ob sie Aktionärsversammlungen in Präsenz, online oder in einem hybriden Format abhalten. Allerdings müssen die Aktionäre vorher zustimmen.

An diesem Freitag wird abgestimmt:

  • NATO-Erweiterung: Heute entscheidet der Bundestag über die deutsche Zustimmung zum NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands. Die Abgeordneten beschäftigen sich mit einem Gesetzentwurf, den die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP gemeinsam mit der oppositionellen Union eingebracht hat. Eine Ratifizierung durch den Deutschen Bundestag noch vor den Sommerferien gilt als sicher.

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