wirtschaftliche Inflation
„Das Schlimmste steht noch bevor“ – die Studie warnt vor einem deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise
Stand: 5:25 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
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Aus Angst vor drastischeren Zinserhöhungen der US-Notenbank fliehen die Anleger. Der Dow Jones fiel um 3,6 Prozent und auch der Nasdaq 100 sah nicht gut aus. Dietmar Deffner spricht mit Kapitalmarktstratege Stefan Risse.
Laut einer Studie sind die Preise für Lebensmittelhersteller viel schneller gestiegen als die Einzelhandelspreise. Ein Ende der Preiserhöhungswelle in Supermärkten und bei Discountern ist daher nicht absehbar. Es wird sogar noch größer.
Für Lebensmittel müssen die Menschen in Deutschland in den kommenden Monaten wohl deutlich mehr bezahlen. „In Deutschland dürften die Einzelhandelspreise für Lebensmittel im Jahr 2022 um mehr als 10 Prozent steigen“, sagte Allianz Handelskreditexperte Aurélien Duthoit, der kürzlich die Ergebnisse einer Studie zusammenfasst. Umgerechnet entspricht dies durchschnittlich 250 Euro Mehraufwand pro Person und Jahr.
Trotz jüngster Preiserhöhungen spiegeln die Einzelhandelspreise für Lebensmittel bei weitem nicht den tatsächlichen Anstieg der Lebensmittelpreise in den letzten 18 Monaten wider. „Das Schlimmste steht den Haushalten noch bevor“, warnte Duthoit.
Laut der Studie haben Lebensmittel- und Getränkehersteller ihre Preise in Deutschland seit Anfang 2021 um durchschnittlich 16,6 Prozent erhöht. Stärker fielen die Zuschläge bei Produkten des täglichen Bedarfs aus, darunter Öle und Fette (plus 53 Prozent), Mehl (plus 28 Prozent) und Teigwaren (plus 19 Prozent), hauptsächlich getrieben durch die russische Invasion in der Ukraine.
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Im Gegensatz dazu sind der Studie zufolge die Einzelhandelspreise für Lebensmittel um relativ bescheidene 6 % gestiegen. Im Lebensmitteleinzelhandel entfallen 75 Prozent der Gesamtkosten auf den Einkauf. Hier gibt es also noch etwas nachzuholen. „Die Geschichte hat gezeigt, dass die Einzelhandelspreise im Allgemeinen den Erzeugerpreisen entsprechen, wenn auch mit einiger Verzögerung“, sagt Duthoit.
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„Die hohe Inflation und der Rückgang der Lebensmittelverkäufe in den Geschäften nach der Pandemie üben Druck auf die Rentabilität des Lebensmitteleinzelhandels aus“, sagte Duthoit. “In diesem Sinne dürften Preiserhöhungen zeitnah erhebliche Auswirkungen auf die Verbraucherpreise haben.”
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Tatsächlich sagten in einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts neun von zehn Lebensmittel- und Getränkehändlern, dass sie planen, die Preise zu erhöhen. Hauptgrund für den Preisanstieg sind laut Ifo die höheren Kosten für den Bezug von Energie, Rohstoffen, sonstigen Nebenprodukten und Rohstoffen.
Und der Agrarsektor hat den Verbrauchern in letzter Zeit alles andere als beruhigende Signale gegeben. Der Deutsche Bauernverband hatte erst in dieser Woche davor gewarnt, dass die angespannte Lage auf den Agrarmärkten infolge des Ukraine-Krieges voraussichtlich noch Monate andauern wird. Die kritische Versorgungslage werde voraussichtlich bis weit ins nächste Jahr und über die Ernte 2023 hinaus andauern, sagte Staatssekretär Udo Hemmerlin. Daher wird es auch weitere Preiserhöhungen für die Verbraucher geben.
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Ein Beispiel dafür: Milchprodukte. Laut dem zuständigen Branchenverband könnten sie bald deutlich teurer werden. „Bei Molkereiprodukten mit längeren Vertragslaufzeiten sind die Preiserhöhungen im Laden noch nicht wirklich angekommen, das wird erst in den kommenden Wochen und Monaten passieren“, sagte Björn Börgermann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Molkereiindustrie, kürzlich in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Die Raten könnten um 20 Prozent erhöht werden“, so Börgermann weiter. Letztlich ist es aber Verhandlungssache zwischen Molkereien und Handelsunternehmen.
Große Handelsketten versuchen derweil, steigende Preise zumindest einzudämmen. Edeka-Chef Markus Mosa hat in den vergangenen Wochen immer wieder große Markenhersteller aufgefordert, Preiserhöhungen nicht zu überschreiten. „Allerdings sollten steigende Verbraucherpreise nicht als Alibi für Industriekonzerne dienen, um mit überhöhten Preisforderungen ihre Rendite zu maximieren“, betonte Mosa. Daher wird Edeka in Verhandlungen mit den Herstellern vermeidbare Preiserhöhungen vermeiden. Unvermeidliche Preiserhöhungen müssen nicht nur den Verbrauchern aufgezwungen, sondern über die gesamte Wertschöpfungskette verteilt werden. Ähnlich äußerte sich Rewe-Chef Lionel Souque.