ARD-Sommerinterview mit Söder Mehr Entlastung, mehr Atomenergie

Stand: 10.07.2022 19:45

Im ARD-Sommerinterview kritisierte CSU-Chef Söder das Ampelmanagement der aktuellen Krise scharf. Er forderte erneut den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und mehr Entlastungen für die Bürger.

CSU-Präsident und bayerischer Ministerpräsident Markus Söder hat im Sommerinterview der ARD die Ampelpolitik der Regierung in der aktuellen Krise kritisiert. Die Bundesregierung trifft keine ausreichenden Vorkehrungen für eine mögliche Gasknappheit. „Italien hat dieser Tage gemeldet, dass die Gaslieferungen alle sicher sind, Verträge mit Katar. Wo ist das Ersatzgas in Deutschland? (…) Wir wissen nicht, ob die Terminals genehmigt werden, ob es genug Schiffe für Flüssigkeit gibt. Wir weiß nicht, ob die Energieversorgung in Süddeutschland sicher ist.“

Er sei sehr überrascht, dass lange Zeit nicht daran gedacht worden sei, dass Russland die Gaslieferungen stoppen könne, sagte Söder und warnte angesichts der Unsicherheit bei der Gasversorgung vor dem „echten Chaos, das uns im Winter erwartet“.

„Oberste Priorität hat die Bewältigung einer Krise“

Berlin Report – Sommerinterview mit Markus Söder, 10. Juli 2022

Er befürchtet, „dass vielen Durchschnittslöhnen der Rückgang droht“ und die Wirtschaft einen „richtigen Schlag“ erleide, von dem wir uns kaum erholen. Hilfe für die Menschen in der Ukraine sei wichtig, sagte Söder, „aber klar ist, dass wir uns zuerst um unser Volk, das Volk Deutschlands, kümmern müssen, und wir dürfen nicht zulassen, dass Deutschland am Ende in die Spirale gerät.“ Nachkommen und Millionen Menschen werde ich so machen.

Kritik an Hilfsmaßnahmen

Es brauche mehr Entlastungen für die Bürger, sagte Söder. Die Ampel habe sich bisher „sehr merkwürdig“ verhalten. Finanzminister Christian Lindner machte 300 Milliarden Schulden, als sie nicht gebraucht wurden. Er kritisiert die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung, unter anderem weil Rentner nicht berücksichtigt wurden.

Söder forderte weitreichende Steuersenkungen sowohl für Industriestrom als auch für Handwerk sowie Energiemaßnahmen für alle Bürger. Die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel soll gesenkt werden. Er stimmt mit Lindner darin überein, dass der kalten Progression entgegengewirkt werden muss. “Ich denke, eine Regierung, natürlich müssen Parteien auf ihre Programme schauen. Das ist klar, aber oberste Priorität hat die Bewältigung einer Krise.”

Söder für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke

Söder sprach sich erneut für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke aus. Die Wende nach Fukushima hat nicht so funktioniert, wie viele es sich vorgestellt haben. In der aktuellen Situation macht es keinen Sinn, Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen.

Laut Söder ist es „letztlich eine Partei“, die das verhindert. Er warf den Grünen vor, die Abschaltung der Atomenergie aus ideologischen Gründen verfolgt zu haben, und bezeichnete es als “unverständlich”, dass die FDP daran beteiligt sei.

Angesprochen auf den oft als unzureichend kritisierten Ausbau der Windenergie in Bayern zeigte sich Söder zuversichtlich, dass Bayern im Landsektor, also der Stromerzeugung aus Windkraft, auf der Halbinsel in letzter Zeit zu den führenden Ländern gehören werde Jahrzehnt.

Ende der kostenlosen Testversionen „grundsätzliche Fehlentscheidung“

Angesichts der Corona-Pandemie kritisierte Söder die Bundesregierung dafür, Länder weitgehend auszuschließen. Daher die Wahrnehmung, dass die Bundesregierung jetzt entscheiden muss und viele Entscheidungen nicht versteht.

Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach vor „Killervarianten“ warnen würde, wollte Justizminister Marco Buschmann die Wirksamkeit der Masken überprüfen. So lässt sich laut Söder die Schutzfunktion von Regenschirmen überprüfen. Das Ende der kostenlosen Testversionen sei eine “grundlegende Fehlentscheidung”. Das muss die Bundesregierung wieder ändern. Befürworter eines Dreiklangs aus Tests, Maske und Impfung.

Keine neue CSU-Chance auf Kanzlerkandidatur

Auf die Frage nach einem möglichen erneuten Versuch einer Kanzlerkandidatur wies Söder diesen zurück. Für die CDU kommen mehrere Kandidaten in Frage. „Ich weiß, Daniel Günther wird sicher darüber nachdenken, Hendrik Wüst und viele andere“, sagte Söder über die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Die CSU wäre derzeit keine Option. Er arbeite eng mit CDU-Chef Friedrich Merz zusammen, sagte Söder und lobte Merz als Oppositionsführer im Bundestag.

Seine Aufgabe sei es nun, in Bayern ordentlich zu arbeiten, sagte der bayerische Ministerpräsident. Ein Blick in die Geschichte zeigt auch, dass ein Bayer noch nie im Kanzleramt angekommen ist und in der Vergangenheit meist jeder nur eine Chance hatte.

Vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr galt Söder CDU und CSU lange als aussichtsreicher Kanzlerkandidat. Nach langwierigen internen Kämpfen musste sich der CSU-Präsident schließlich dem damaligen CDU-Chef und NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet geschlagen geben, der später seine Karriere an das Kanzleramt verlor.

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