Warteschlange am Flughafen Zürich Mitte Juni 2022 nach Ausfall der Fluglotsen von Skyguide.
SCHLÜSSELSTEIN
Mehr als 30 Flüge zum Flughafen Zürich wurden am Wochenende gestrichen, doch das erwartete Chaos blieb aus. Ein Experte warnt davor, dass Reisende während der Sommerferien auf Probleme vorbereitet sein müssen.
An den Flughäfen herrschte zum Ferienstart in der Schweiz kein Chaos, aber auch am Wochenende mussten die Passagiere Wartezeiten in Kauf nehmen, Flüge wurden erneut gestrichen: So fielen am Freitag 16 der 605 Fahrten zum Flughafen Zürich aus. Durch. Samstag war 13 von 590 und Sonntag ungefähr 12.
Das erste grosse Sommerferienwochenende in Zürich bedeutete «drei intensive Tage», sagte Sprecherin Jasmin Bodmer dem «Tages-Anzeiger», «aber der Flugbetrieb verlief weitgehend reibungslos.» Besonders schmerzlich war die Annullierung eines Fluges: Helvetic Airways strich am Samstag «aus betrieblichen Gründen» den einzigen Direktflug nach Manchester, wo die Schweizer Frauen ihr erstes EM-Spiel bestreiten.
Allerdings sollten Reisende die Saison nicht immer so glimpflich angehen. «Der Sommer wird schlimm», prognostiziert Jürg Stettler von der Universität Luzern in der NZZ. Der Touristik-Experte selbst zeigte sich überrascht von „dem Ausmaß der Probleme in der Luftfahrtindustrie“. „Chaos zeigt die Komplexität der Airline-Branche, aber auch die Verwundbarkeit und die Folgen, wenn viele Räder nicht mehr reibungslos ineinander greifen.“
Die Fluggesellschaften haben sich zu sehr darauf konzentriert, die Kosten zu senken, was den Sommer zu einem Problem macht. Ab Herbst herrsche „eine Übergangssituation“ und erst die Sommersaison 2023 solle besser werden. Aber: „Langfristig müssen Flugreisende länger planen und ihre Verhaltensmuster ändern“, sagt Stettler.
Die Probleme in der Luftfahrtindustrie sind heimisch, gelten aber auch für andere Branchen, findet Stettler: „Viele Unternehmen, die unter dem Gesichtspunkt der Kostenoptimierung günstige Saisonkräfte eingestellt haben und in diesem Sinne nicht nachhaltig genug waren, müssen umdenken.“ .