Thomas Griessl, geboren 1958 in Graz, ist Gestaltlehrer, Künstler und Autor.
– © Milena-Verlag
Thomas Griessls zweiter Roman „Heart of Gold“ beschreibt das Wachstum der 1970er Jahre. Jedes der 30 Kapitel hat ein bestimmtes Lied als Thema. Neben Neil Young begleiten und kommentieren die Stones, Queen, Tom Waits, aber auch Gianna Nannini und The Knack („My Sharona“) den Weg des Protagonisten Klaus Dostal ins Erwachsensein.
Klaus Dostal wurde (als Autor) 1958 in einem Dorf in der Oststeiermark geboren. Aber egal, welche Region die Grenzen für junge Menschen gesetzt hat, wer zur selben Altersgruppe wie Klaus gehört, spürt, riecht und schmeckt es beim Lesen wieder: die eigene Jugend.
Thomas GrießlHerz aus GoldRoman. Milena Verlag, Wien 2022, 250 Seiten, 24 Euro
Da sind zum Beispiel die Versprechungen des „Donauland“-Katalogs und die heute unvorstellbare endlose Geduld, weil man drei Wochen auf die Lieferung warten musste – oder später noch länger auf den lang ersehnten Liebesbrief. Da ist die Zugfahrt durch Europa, und da gab es Baguette ohne Essen für eine Woche. Oder in den Nachtclub des Dorfes zu fahren, und Rauchen war keine Sünde, es war großartig.
Der Roman liest sich am besten mit Pausen. Nicht nur, weil die Kapitel zusammenhängende Kurzgeschichten sind, die mit den jeweiligen Buchstaben enden. Die Musik selbst, für die der Verlag eine Spotify-Playlist erstellt hat, ist ebenfalls per QR-Code verfügbar. Vielen Dank!
Sie brauchen auch Pausen, weil Sie unweigerlich in sehr persönliche Erinnerungen verfallen. Manchmal ging es dir genauso wie Klaus Dostal, manchmal warst du der „Andere“.
Lesepausen tun auch gut, denn die um Wahrhaftigkeit bemühte Sprache des Autors klebt manchmal zu sehr am Literarischen: „Zurück in die tiefe Stadt Steiermark, (…) wieder mit dieser Enge, die versucht, alles festzuhalten . eng und hart. Eine schädliche Vereinigung, eine Vereinigung mit schwerwiegenden Folgen, die zu einer unerträglichen Verbindung werden kann, zu einer unauflöslichen, schrecklichen Intimität.“
Die Leser beobachten, wie sich der Mensch in seiner steirischen Enge bemüht, Kunst zu verstehen (was ihm auch gelingt), sind aber dank des dokumentarischen Stils letztlich immun gegen den allzu großen Jugendschmerz. Übrigens schützt das Museum auch den Protagonisten selbst, denn solange Klaus in der dritten Person dargestellt wird, kann er sich auch nicht schämen.
Obwohl der Roman keine Ironie enthält, war es klug, dass Griessl beim Schreiben auf Ohrfeigen und brutale Komik verzichtete. Schließlich kennt man es, wenn die eigenen Gefühle im Nachhinein durch die Arroganz eines dummen Lachens entweiht werden.
Die Geschichte von Thomas Griessl hingegen ist so ernst, wie man damals dachte.