Stand: 15.07.2022 09:47 Uhr
Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft stehen vor ungewöhnlichen Problemen: Viele Bauvorhaben werden derzeit storniert. Das Ausmaß ist vergleichbar mit dem des Kronenschocks vom Frühjahr 2020.
Laut Studien des Ifo-Instituts in München werden derzeit ungewöhnlich viele Projekte in der deutschen Bauwirtschaft storniert. Im Hochbau waren im Juli 11,5 % der Unternehmen von Stornierungen betroffen, nach 13,4 % im Mai. Im Tiefbau waren im Juni neun Prozent der Unternehmen mit diesen Problemen konfrontiert, etwas mehr als die 8,8 Prozent im Mai.
„Das Ausmaß ist vergleichbar mit dem Kronen-Crash im Frühjahr 2020. Diesmal sehen wir besonders häufig Stornos im Wohnungsbau. Allerdings sind die Auftragsbücher im Schnitt noch voll“, sagt der IFO-Forscher Felix Leiss.
Material fehlt noch
Es gibt immer noch große Probleme aufgrund von Materialengpässen. Im Juni waren 47 % der Bauunternehmen von diesem Problem betroffen, verglichen mit knapp 57 % im Mai. Im Tiefbau sank der Anteil von 45 auf 40 Prozent.
“Diese Engpässe lösen sich nur langsam. Teilweise kommt es aufgrund von Verknappungen zu raschen Preissteigerungen. Auch die hohen Energiepreise treiben die Preise vieler Baustoffe in die Höhe”, ergänzt Leiss. Im Durchschnitt rechnen Unternehmen damit, dass Engpässe fast neun Monate anhalten.
„Unternehmen müssen die höheren Material- und Brennstoffpreise an die Kunden weitergeben, daher steigen die Baupreise weiter rasant. Allerdings müssen Bauherren auch höhere Zinsen in Kauf nehmen“, sagt Leiss. Auch im Wohnungsbau herrscht Unsicherheit über zukünftige Fördermöglichkeiten. „Das bedeutet, dass manche Projekte neu gedacht werden müssen“, erklärt der Experte.