Ein Aargauer ist der älteste Kämpfer aller Zeiten

Am prunkvollen Aargauischen Schwingfest in Beinwil vor 6200 Zuschauern am vergangenen Sonntag staunten viele Schwinger in der Kabine mit Bauklötzen. Ein Vater oder sogar ein Großvater eines Kämpfers hat sich in der Umkleidekabine verirrt?

nein Das ist der Aargauer Roger Meier, 55 Jahre alt, der grösste Kämpfer, der je an einem Kronenfest teilgenommen hat. Die Geschichte des Mannes, der einst nationale und internationale Motocross-Rennen bestritten hat, wird plötzlich zu einem großen Thema in der Wrestling-Szene.

Drei Tage später kehrt Meier in seine Motorradwerkstatt nach Villigen zurück. Und es erklärt, warum ein Mann, der sich Fragen zur Frühpensionierung stellen sollte, immer noch mit muskulösen Vorzeigesportlern zu kämpfen hat, anstatt mit sanften Yoga-Übungen einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen.

Am Anfang stand ein Glücksspiel

„Nach meiner Motocross-Karriere war ich lange auf der Suche nach einer neuen Sportart. Aber nichts hat mich erwischt. Und um vor meiner Frau davonlaufen zu können, muss ich nichts Langweiliges machen“, sagt der zweifache Vater. Eines Tages fuhr ein Mitglied des Swingclubs Zurzibiet mit seinem Motorrad zu Meiers Werkstatt. Eine Konversation beginnen. Und der damals 52-jährige Meier gab den Ringern eine Kostprobe.

“Er hat mich sofort gepackt. Zuerst wollte ich nur Kraft- und Konditionstraining machen.” Mit einer Größe von 1,75 und einem Gewicht von 90 Kilo gehört er nicht zu den Giganten des Wrestlings. Er trainiert seit zwei Jahren. Als ein 20-jähriger Clubkollege im vergangenen Januar plötzlich sagte, er wette, Meier würde sich nicht trauen, an einem Schwingfest teilzunehmen, war er mit Abenteurer Meier auf dem falschen Fuß.

Mit eigenem Fanclub

Beim dortigen Klubschwinget legt er erstmals die Schlaufen an, eine Woche vor dem Kanton Aargau nimmt er am Munimatt-Schwinget teil und darf zwei Parcours ziehen.

Und dann kommt sein Auftritt im Kanton Aargau. Ein Fanclub sitzt mit ihrem Konterfei auf den Trikots auf der Tribüne. Doch Meier ist so nervös, dass «ich in den ersten beiden Gängen praktisch über die eigenen Füsse gestolpert bin».

Im vierten Gang muss er sich dem 16-jährigen Talent Turgut Yeschiltepe stellen. Meier, der der Großvater seines Gegners sein könnte, gewinnt glatt und qualifiziert sich sensationell für den Stich. Er wird vom Regionalfernsehen interviewt. „Und ich musste sogar Autogramme geben“, lacht Meier.

Meier greift zum Fondue-Set

Im Tempel des Don reicht der Mann, der auf Rang 23 landet und mindestens 23 Kämpfer hinter sich lässt, allerdings nicht für das Siegerteam. Aber immer noch für ein Fonduespiel mit Pfanne und Gabel. „Das hat mir im Idealfall gefehlt“, sagt Meier.

Alle, die prophezeiten, dass er sich nach so einer Party vor Schmerzen kaum bewegen könne, musste Meier enttäuschen. „Ich habe am Montag praktisch nichts gehört“, lächelt er. Und er schmiedet bereits Pläne für die Zukunft.

Das nächste Ziel heißt Brugg

„Technisch bin ich natürlich der Schlimmste. Daran muss ich jetzt noch arbeiten, denn ich werde im August auch am Nordwestschweizer Unterverbandsfest in Brugg teilnehmen”, sagt Meier. Und danach ist noch lange nicht Schluss. 2024 ist die Aargauer Kantonale in Bad Zurzach, der Heimat seines Schwingvereins, will er auf jeden Fall dabei sein, wenn es seine Gesundheit zulässt.

“Dann bin ich 57. Und ich kann an den Ruhestand denken.” Und die Wette? „Mein junger Wettpartner wollte mit dem Schwingen aufhören. Jetzt hoffe ich, dass er wieder ins Training einsteigen kann.“

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