Die Tiroler „Gletscherhochzeit“ wurde endgültig abgesagt

Mit 353 zu 348 Stimmen haben die Bürgerinnen und Bürger von St. Leonhard lehnte den Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Ötztaler und Pitztaler Gletscher ab. Der Bürgermeister besteht auf einem gültigen Beschluss des Rates.

Der Zusammenschluss der Skipisten des Pitztaler und des Ötztaler Gletschers, genannt „Hochzeit der Gletscher“, wurde am Sonntag endgültig abgesagt. Nachdem die Bürger von St. Leonhard im Pitztal in einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit gegen das Projekt gestimmt, die Pitztaler Gletscherbahn zog sich aus dem Projekt zurück: „Wir sind zuversichtlich, dass wir das seit 2016 geplante und seitdem geschlossene Projekt Pitztal-Ötztal-Zusammenschluss nicht fortsetzen werden weiter verfolgt werden“.

Die „Gletscherhochzeit“ hat seit Jahren mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Ein Bündnis aus WWF, Alpenverein und Naturfreunden wehrte sich vehement gegen die Fusion. Eine Petition für eine Bürgerinitiative mit rund 168.000 Unterschriften wurde erst Ende April der Tiroler Landesregierung zugestellt.

Mit einem Investitionsvolumen von 130 Millionen Euro wurden drei neue Seilbahnen und 60 Hektar zusätzliche Gleise geplant. Allerdings war die ursprünglich für Januar 2020 geplante mündliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auf Wunsch der Projektträger bereits zweimal verschoben worden. Wäre das Verfahren fortgesetzt worden, hätten die Unterlagen erneuert werden müssen.

Auf die Frage “Soll das Skigebiet Pitztal-Ötztal gebaut werden?” 353 Wähler antworteten am Sonntag mit Nein, 348 waren dafür (Wahlbeteiligung: 59 Prozent). Der Bürgermeister von St. Leonhard Elmar Haid äußerte sich in der Online-Ausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ kämpferisch und verwies auf einen gültigen Stadtratsbeschluss für das Projekt. Allerdings hat die Pitztaler Gletscherbahn das Interesse an einer Fortsetzung des Projekts verloren.

Voraussetzung war die Einwilligung

„Die Zustimmung der Gemeinde war von Anfang an die Grundvoraussetzung, um einen Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscher oder dem Skigebiet Sölden in Betracht zu ziehen und zu planen“, so die Bahn. Das Ergebnis des Referendums wird natürlich zur Kenntnis genommen.

Für den Präsidenten der ÖVP von Tirol und Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, Anton Mattle, ist die Entscheidung der St. Auch Leonhard sei “auf jeden Fall akzeptabel”. Wenn es vor Ort auch nur ein sehr klares Bekenntnis zu diesem Projekt gibt, „sollte es nicht länger Bestand haben“, sagte Mattle.

Der WWF Österreich sprach von einem „großen Erfolg für den Naturschutz“. Statt neuer Skigebiete und Bauten braucht Österreich jetzt ausnahmslos Gletscherschutz. Das Ende der Eiszeit wurde auch von den Grünen begrüßt. „Die Menschen in St. Leonhard haben Mut bewiesen und eine vernünftige Entscheidung getroffen“, sagte Grünen-Bundesvorsitzende Gebi Mair.

(APA)

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