2020 erklärte Walter Rosenkranz in einem Interview mit NÖN, dass er nach seiner Zeit als Ombudsmann gerne wieder als Rechtsanwalt tätig werden möchte. Nun kehrt der 59-jährige ehemalige FPÖ-Landesvorsitzende Niederösterreich überraschend zurück in die (hohe) Politik: Auf Vorschlag von Bundesparteiobmann Herbert Kickl kandidiert der Kremser am 9. Oktober von der FPÖ und damit für das Amt in der Hofburg widersetzt sich dem amtierenden Präsidenten Alexander Van der Bellen. Rosencrantz gab bereits bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur einen Einblick in die Themen, die er im Wahlkampf fokussieren will. Neben den erwarteten Schwerpunkten Krone und Inflation sind dies auch die Drogenbekämpfung und das Bildungssystem. NÖN fragte, was ihn als Bundespräsidenten anders machen würde als den Amtsinhaber, wie er den Wahlkampf mit seinem jetzigen Job vereinbaren will und was er zu Van der Bellens Unterstützung für Gouverneurin Johanna Mikl-Leitner sagt.
NÖN: Ihre Kandidatur kam für viele überraschend. 2020 haben Sie im NÖN-Interview noch gesagt, dass Sie nach Ihrer Zeit als Ombudsmann gerne wieder als Rechtsanwalt tätig werden möchten. Warum haben Sie sich entschieden, bei der Bundespräsidentenwahl für die FPÖ zu kandidieren?
Walter Rosenkranz: Damals war noch nicht absehbar, dass mich die FPÖ für eine so wichtige Aufgabe ernennen würde. Das hat meine Lebensentwürfe drastisch verändert. Meine Aussage entstand auch in dem Zusammenhang, dass die Ombudsleute befristet ernannt werden und diese Aufgabe nicht auf unbestimmte Zeit wahrnehmen.
Rosenkranz um Rosenkranz folgte 2017 der Kremser Stadtpolitik: Susanne zog anstelle ihres Mannes Walter Rosenkranz in den Stadtrat ein.
Foto: Johann Lechner
Ihre Frau hat ihren Posten in der Kremser Stadtpolitik längst geerbt. Sie sind derzeit noch Vorsitzender der Kreispartei FPÖ. Verlassen Sie es jetzt, um sich auf die Bundespolitik zu konzentrieren?
Rosencrantz: Auf jeden Fall werde ich als Vorsitzender der Kreispartei zurücktreten, was schon länger geplant ist. Mit David Fallböck, dem Stadtrat der Langenloiser FPÖ, haben wir bereits einen Vorsitzenden der sich nun bildenden Kreispartei bestellt, die diese Aufgabe dann komplett übernehmen soll.
Und was ist mit Ihrem aktuellen Job? Sie sagen, Sie wollen der Verteidiger des Volkes bleiben. Wie ist diese Aufgabe mit einem Wahlkampf vereinbar?
Rosencrantz: Der Bundespräsident wird im Wahlkampf nicht zurücktreten und der Bundeskanzler wird im Wahlkampf weiterarbeiten, und ich werde auch weiterhin als Ombudsmann tätig sein. Natürlich werde ich das strikt vom Wahlkampf trennen. Dank der elektronischen Akte kann ich von überall mit meinen Sachen arbeiten. Es wird Anklagetage geben. Ich werde sehr darauf achten, hier nichts zu verwechseln.
Das Motto Ihres Vortrags lautete „Let’s get our Austria back“. Was meinst du damit?
Rosencrantz: In den letzten Jahren mussten wir wegen der Regierung den schrittweisen Abbau vieler so wichtiger und selbstverständlicher Dinge hinnehmen. Es gibt ein Österreich vor der Pandemie. Dieses Österreich, das wir von früher kannten, als die wahren Staatsmänner noch regierten, will ich zurückgewinnen.
Was hat Ihrer Meinung nach die Schlagzeile Alexander Van der Bellen falsch gemacht?
Rosencrantz: Van der Bellen war nicht der unabhängige Präsident, für den er sich ausgab. Er forcierte seine rein politische Agenda und sagte nichts zu entscheidenden Themen, wo ein starker Bundespräsident gebraucht worden wäre. Wenn es um Themen wie Neutralität, Sanktionen oder Inflation ging, also um alles, was die Menschen bewegt, wurde in der Hofburg nicht einmal ein Blick geworfen. Insofern hat er fast alles falsch gemacht.
Gouverneurin Johanna Mikl-Leitner, mit der Sie in der Landes- und Bundespolitik zusammen waren, hat jetzt indirekt ihre Unterstützung für Van der Bellen angekündigt. Die Landes-FPÖ findet es “erschreckend”. Wie bewertest du es?
Rosencrantz: Auch ein Landeshauptmann hat demokratische Rechte und seine Wahlentscheidungen sind frei. Allerdings ist Mikl-Leitner selbst Vorsitzende einer der stärksten Landesparteien innerhalb der ÖVP, die bei der Bundespräsidentenwahl keine Kandidatur aufstellte, was mich für eine Landespartei doch etwas verwundert. Allerdings hat auch die Bundes-ÖVP die Parole ausgegeben, keine Wahlempfehlungen auszusprechen. Wenn Mikl-Leitner es dennoch tut, dann verstößt er streng genommen gegen die eigene Parteilinie.