Entscheidungstag für den Flughafen Klagenfurt

In der 19-seitigen Akte des zuständigen ÖVP-Landesrats Martin Gruber werden schwere Vorwürfe gegen den Betreiber Lilihill erhoben.

An diesem Montagnachmittag entscheidet die Regierung des Landes Kärnten in einer Sitzung über die Zukunft des Flughafens Klagenfurt. ÖVP-Investmentvorstand Martin Gruber hat beantragt, die vertraglich vereinbarte Kaufoption zurückzuziehen und die vor vier Jahren an die Lilihill-Gruppe abgegebenen 74,9 Prozent zurückzukaufen. Bemerkenswert an dem Gesetz ist, dass es keine Informationen zum weiteren Vorgehen enthält.

Vor zwei Wochen wurde das Thema in der Regierung stundenlang diskutiert, die Sitzung schließlich vertagt und die Fortsetzung auf den 30. Carinthia Investment Management Board Martin Payer soll auch für Fragen von Regierungsmitgliedern zur Verfügung stehen.

19 Seiten für die Zukunft

Die Datei besteht aus 19 Seiten. Unter dem Thema „Kärntner Beteiligungsverwaltung, Lilihill Aviation City Beteiligung GmbH; Abtretungsangebot (Kaufoption) zur Abtretung der Geschäftsanteile der Kärntner Flughafen Betriebsgesellschaft mbH; Zustimmung gemäß § 26 Z. 3 K BVG“ ist eine umfangreiche Dokumentation zu den Vorgängen zu finden der letzten Jahre. Das fängt bei den Verkaufsverhandlungen an, dann was am Flughafen seit der Privatisierung passiert ist und was nicht passiert ist.

Gegen den Betreiber Lilihill, der dem Immobilieninvestor Franz Peter Orasch gehört, werden schwere Klagen erhoben. Dort heißt es wörtlich: „Dringende und teilweise gesetzlich vorgeschriebene Investitionen wurden im Strategieplan mit 10.915.300 € bis 2021 festgelegt und Lilihill hielt eine Summe von rund 6.862.500 € für notwendig und zugesagt, um den Standort des Flughafens im Rahmen zukünftiger Investitionen des Beteiligungsmanagements zu sichern berichtet, dass seit der Teilprivatisierung kein einziger Antrag auf Anwendung dieser Maßnahmen bei der Generalversammlung eingereicht wurde und nur Sicherheitsinvestitionen“.

Der Veranstaltung fehlt der „Plan B“.

Gruber sprach vor dem Treffen davon, einen “Plan B” für den Flughafen entwickelt zu haben. Dieser Plan B ist jedenfalls nicht in der Akte. Das Fehlen konkreter Maßnahmen nach einem möglichen Rückkauf war von Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) kritisiert worden. Er sprach sich dafür aus, die Ausübung der Kaufoption zu verschieben und bis zum laufenden Geschäftsjahr zu warten.

Der Vertrag mit Lilihill sieht vor, dass die Regierung den Flughafen zu einem Festpreis zurückkaufen kann, wenn die Zahl der Passagiere unter 100.000 sinkt. 2021 lag die Zahl der Fahrgäste bei knapp 30.000, 2019 waren es noch mehr als 200.000. Wird die Option in diesem Jahr ausgeübt, müssen laut Regierungsgesetz maximal 2,59 Millionen Euro gezahlt werden. Wird die Option erst im nächsten Jahr ausgeübt, läge die Summe bei 3,24 Millionen Euro.

Da Lilihill angekündigt hat, alle möglichen rechtlichen Schritte gegen den Rückkauf einzuleiten, droht ein einjähriger Rechtsstreit. In einem von der KBV in Auftrag gegebenen Gutachten heißt es zudem, dass die Ausübung der Kaufoption „vor 2021 auch mit einem gewissen Vollstreckungsrisiko (zum Beispiel Gerichtskosten) belastet wäre, weil die Sachlage nicht als völlig klarer Fall bezeichnet werden kann.“ . Ein Gutachten im Auftrag der Stadt Klagenfurt, die 5 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens hält, spricht von einem relativ hohen Prozessrisiko.

Niemand wagte vorherzusagen, wie das Treffen enden würde. Denn Gruber würde es wohl nicht hinnehmen, dass die ÖVP von der SPÖ-Mehrheit gestürzt wird: Fünf der sieben Regierungsmitglieder sind rot. Es ist auch schwer vorstellbar, dass die SPÖ am Montag plötzlich Grubers Bitte akzeptiert. Damit droht eine Koalitionskrise, manche sehen sogar eine Zusammenarbeit bevor, zumal Anfang März 2023 Landtagswahlen anstehen.

(APA)

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