Heil zum Bürgergeld: FDP rettet Reste der Agenda 2010

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ist hier am 4. Juli in Berlin auf dem Weg der „konzertierten Aktion“ zur Inflationsbekämpfung. Bild: EPA

Die FDP täte gut daran, SPD und Grüne beim Bürgereinkommen genau zu beobachten. Wäre es nur, weil Bürger, die aus der Grundsicherung gekommen sind, bald weniger Geld haben könnten als das Bürgergeld.

Die Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zum „Bürgerunterhalt“ stehen aus Sicht der FDP unter Generalverdacht. SPD und Grüne hätten gerne ein bedingungsloses Grundeinkommen im Koalitionsvertrag verankert, ohne es zu sagen. Auf Druck der FDP mussten sie sich jedoch damit begnügen, das Bürgereinkommen in die Tradition der bestehenden Grundsicherung (früher: Hartz IV) zu stellen.

Ironischerweise rettete die FDP die Reste der rot-grünen „Agenda 2010“, musste aber akzeptieren, dass die verschlungene Prosa in die entgegengesetzte Richtung weist. Dazu gehören unter anderem das Moratorium für bereits beschlossene Sanktionen und die „No Confidence Period“. Allerdings ist die Neuberechnung der Regelsätze zum eigentlichen Diskussionspunkt der Koalition geworden.

Lindner: Nicht ohne Sanktionen

Noch bevor Heil am Mittwoch den daraus resultierenden Spagat ankündigte, sagte FDP-Finanzminister Christian Lindner: Sanktionen sollten beibehalten und Regelsätze nicht blind erhöht werden. Sie mit der Inflation in Verbindung zu bringen, scheint offensichtlich, aber es macht keinen Sinn.

Zur Grundsicherung gehören auch die Versorgung mit Wohnraum und die Heizkostenerstattung, derzeit einer der Haupttreiber der Inflation. Bund und Kommunen werden weiterhin hohe Kosten tragen müssen, weil sie in diesen Fällen Gasrechnungen bezahlen müssen. Viel wichtiger wäre es, Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen, die sich den Weg aus der Grundsicherung erarbeitet haben und bald weniger Bürgereinkommen befürchten müssen.

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