Die katholische Kirche flieht scharenweise, nicht erst seit der Münchner Missbrauchsanzeige im Januar. Auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine fordern ihren Tribut. Und doch: Entgegen allen Erwartungen erwirtschaftete das Erzbistum München und Freising im Haushaltsjahr 2021 einen Überschuss. Statt der zunächst befürchteten zwölf Millionen Euro Elend stehen unter dem Strich nun 17 Millionen Euro auf der Habenseite.
Bei der Vorlage des Jahresberichts am Donnerstag war dies für Stephanie Herrmann, Leiterin des Erzbischöflichen Ordinariats, jedoch kein Grund zur Überheblichkeit: „Auch wenn die Einnahmen des vergangenen Jahres noch nicht wie erwartet eingebrochen sind, müssen und wollen wir uns damit auseinandersetzen Bedingungen der sich wandelnden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die deutlich spürbar sind.”
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Stephanie Herrmann, Amtsleiterin des Erzbistums München und Freising, spricht auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahresabschlusses 2021 und des Haushaltsplans 2022.
(Foto: Angelika Warmuth/dpa)
Die Überraschung auch für den erzbischöflichen Finanzvorstand Markus Reif: Trotz der hohen Austrittszahlen sind die Kirchensteuereinnahmen 2021 mit 647 Millionen Euro fast so hoch wie im Vorjahr. Warum das? “Man kann es sich nicht wirklich erklären”, sagt Reif. Höchstwahrscheinlich damit, dass viele hier „offensichtlich gutes Geld verdienten“. Die Kirchensteuer ist an die Höhe der Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt. Traditionell ist dieser Einnahmeposten die Hauptsäule des Diözesanhaushalts.
Insgesamt erhielt das Erzbistum im vergangenen Jahr 884 Millionen Euro (2020: 864 Millionen). Davon stammen 130 Millionen aus öffentlichen Zuschüssen, nur 63 Millionen werden vom Staat für den Betrieb kirchlicher Schulen bereitgestellt, 13 Millionen für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Auch in diesem Frühling wird es wohl kaum weiter sprudeln. „Natürlich sind wir bereit für Ersatz“, sagt Reif und verweist auf die Pläne der Ampelkoalition, noch in dieser Legislaturperiode neue Rahmenbedingungen für diesen Finanztransfer zu schaffen.
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Finanzdirektor von Erzbischof Markus Reif.
(Foto: Angelika Warmuth/dpa)
Der größte Teil der Ausgaben der Erzdiözese im Jahr 2021 entfällt auf Personal. Von insgesamt 871 Millionen Euro Aufwendungen entfielen 335 Millionen auf die Mitarbeiter (2020: knapp 342 Millionen). “Seelsorge und Bildung”, erklärt Reif, “sind personalintensive Bereiche.” Bislang habe es aber kein Personalabbauprogramm gegeben, um Geld zu sparen, so Chef Herrmann. Eine Kommission prüft jedoch, welche Stellen neu besetzt werden sollen.
Die Bilanzsumme lag Ende 2021 bei rund 3,75 Milliarden Euro, 30 Millionen mehr als im Vorjahr. Das Erbe der Erzdiözese, eine der reichsten des Landes, umfasst Anlagevermögen im Wert von 1,47 Milliarden Euro. Den Löwenanteil machen mit 1,1 Milliarden Euro Grundstücke aus, sowohl urbanisierte als auch unbebaute. Die Kirche verfügt auch über Finanzvermögen, das jedoch um gut 50 Millionen Euro auf 1,39 Milliarden abgebaut wurde.
Während das vergangene Jahr überraschend gut gelaufen ist, weist der Ausblick auf das aktuelle Budget 2022 unterschiedliche Vorzeichen auf: „Hier gibt es eindeutig eine negative Entwicklung“, sagt Reif. Es wird mit einem Verlust von 32 Millionen Euro gerechnet. Es wird mit etwa 25 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer und höheren Kosten durch die Inflation kalkuliert. Herrmann spricht auch von „massiven Kostensteigerungen in der Gebäudeinstandhaltung“. 2022 wird viel Geld in die Neugestaltung des Diözesanmuseums Domberg in Freising (9,1 Millionen), den Neubau der Franziskus-Grundschule in Haidhausen (7,6 Millionen) und den Neubau eines Mehrfamilienhauses an der Hiltenspergerstraße fließen München (6,3 Mio.). .
Das Erzbistum will die zunehmend angespannte Finanzlage durch einen „umfassenden Strategieprozess“ steuern und im Zweifel auch bestimmte kirchliche Angebote streichen. Welche das sind, sei noch nicht klar, sagt Herrmann. Der Verzicht auf Immobilien – rund 7.000 sind im Besitz des Erzbistums – steht im Raum. Welche das sind, wird noch untersucht. Dem Umbau von Sakralbauten steht man jedenfalls aufgeschlossen gegenüber.