Für 48 Stunden gesperrt: „Der Vorfall wird oft durch Flashbacks immer wieder durchlebt“

Veröffentlicht am 21. Juli 2022, 14:46 Uhr

Für 48 Stunden gesperrt: „Der Vorfall wird oft durch Flashbacks immer wieder durchlebt“

Ein 40-jähriger Höhlenmensch wurde in Wildhaus SG von einem Steinschlag getroffen. Die Rega konnte ihn erst nach 48 Stunden retten. Ein forensischer Psychiater beurteilt die mögliche psychische Belastung des Vorfalls.

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Ein 40-jähriger Höhlenforscher wurde verletzt und für 48 Stunden in einer Wildhaushöhle eingesperrt.

St. Kantonspolizei Gallen

Der forensische Psychiater und Oberarzt der Psychiatrischen Klinik Herisau, Thomas Knecht, erklärt, welche Folgen ein solches Erlebnis für den Betroffenen haben kann.

Tamedia

Die Rega konnte den Mann mit einem Sofa nur retten, nachdem ein Zugang weggesprengt werden musste.

St. Kantonspolizei Gallen

Ein 40-jähriger erfahrener Höhlenforscher wurde am Montagnachmittag bei der Erkundung einer Höhle westlich der Zwinglipasshütte unterhalb des Altmanns in Wildhaus SG von einem losen Gestein getroffen. Er verletzte sich für unbestimmte Zeit an der Hüfte und konnte nicht mehr alleine auftauchen, erst nach 48 Stunden konnte der Mann dank Sprengstoff gerettet werden.

Thomas Knecht, forensischer Psychiater und Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Herisau AR, ordnet in 20 Minuten die psychische Belastung ein, die ein solches Ereignis für einen Betroffenen haben kann. „Ein Mensch kann sich auf einen solchen Vorfall nicht vorbereiten. Mit einer Verletzung, die die Mobilität einschränkt, an den Schoß der Erde gefesselt zu sein, ist für die meisten Menschen eine überwältigende Erfahrung.“

Im Schock kann sich die Psyche distanzieren

Wie schnell und inwieweit ein Mensch mit einer solchen Situation fertig wird, hängt stark von seiner Robustheit ab. “Im Extremfall kann dieser Schock so belastend sein, dass eine Erinnerung an das Ereignis nicht mehr möglich ist, aber das ist die Ausnahme.” Zum Zeitpunkt des Schocks besteht oft ein gewisses Maß an Dissoziation, da der Betroffene während des Ereignisses geistig distanziert wird.

Erleben Sie den Vorfall noch einmal

„Gerade in diesen Fällen muss man den Vorfall aber oft immer wieder durch Flashbacks erleben“, so Thomas Knecht weiter. Diese Flashbacks werden durch Informationen aus der Umgebung ausgelöst, die die Person an das traumatische Ereignis erinnern. “Dann meiden die Leute eher alles, was sie an das Ereignis erinnert.”

Wenn Symptome wie Angst, Panik oder Depression nach einem solchen traumatischen Erlebnis nach vier Wochen nicht verschwunden sind, wird eine spezifische Behandlung empfohlen. „Von da an heißt es Posttraumatische Belastungsstörung. Eine Störung, die sich durch das chronische Wiedererleben der entsprechenden Angstszenarien definiert“, erklärt der forensische Psychiater.

Rettungsschwimmer sind ebenfalls einem Risiko für Belastungsstörungen ausgesetzt

Das Opfer stand in ständigem Kontakt mit Menschen und wurde die meiste Zeit medizinisch versorgt. „Der menschliche Kontakt ab der ersten Minute verbessert ihre Chancen, das Trauma schnell zu verarbeiten.“ Auch ein 58-jähriger Helfer wurde durch einen losen Stein in der Höhle auf unbestimmte Weise verletzt. „Ersthelfer sind ebenfalls einem Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgesetzt, wenn ein Ersthelfer eine Beziehung zu der Person hat, die einen Unfall hatte, steigt das Risiko.“

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