Totschnig über Hamsterkauf: „Holz ist das neue Klopapier“

22.07.2022 11:55 (22.07.2022 14:43)

©APA; Canva Pro

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ruft die Verbraucher auf, keine Holzhamster zu kaufen.

“Ein Jahresverbrauch wird manchmal für drei Jahre gekauft. Natürlich gibt es eine künstliche Verknappung”, sagte der Politiker im Gespräch mit der APA. Im Zuge des allgemeinen Preisanstiegs ist zuletzt auch der Holzpreis deutlich gestiegen. Weitere Entlastungsmaßnahmen gegen die hohe Inflation hält Totschnig jedoch nicht für notwendig.

Knappe Holzbestände im Handel

Zu den jüngsten Preissteigerungen gehört neben Energie und Nahrungsmitteln auch Holz, das derzeit als Alternative zu Gas und Diesel stark nachgefragt wird. Zuletzt mehrten sich auch die Meldungen über geringe Holzbestände im Handel. „Holz ist das neue Klopapier. Wir sehen da eine Entwicklung, die wir noch als Klopapier-Effekt der Corona-Krise kennen“, sagt Totschnig. Wird nur der diesjährige Bedarf gedeckt, ist die Versorgung gesichert. Der Appell an die Bevölkerung lautet also: “Kaufen Sie normal ein. Horten Sie nicht, horten Sie nicht.”

Abwarten, wie sich die Situation entwickelt

Generell sieht der Minister Österreich im Kampf gegen die Inflation gut gerüstet. Auf die Frage, ob er die Einführung der viel diskutierten Stromrechnungsdeckung unterstütze, verwies Totschnig auf die bereits ausgearbeiteten Entlastungspakete: „Wir befinden uns in einer Phase, in der die Entlastungsmaßnahmen, die wir als Bundesregierung beschlossen haben, zu wirken beginnen umgesetzt werden.” in Kraft treten.” Jetzt müssen wir abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Unklar war zuletzt, ob auch kleine und mittelständische Betriebe und damit ein Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe von einer möglichen Deckelung der Stromrechnung erfasst werden könnten. Derzeit prüft das Finanzministerium alle Alternativen – auch die Landwirtschaft, so Totschnig. Mit dem Versorgungssicherheitspaket haben jedoch bereits Hilfen für die Landwirtschaft begonnen, die zuletzt mit steigenden Vorleistungspreisen zu kämpfen hatte.

“Bessere Preissituation, andere Kostensituation”

Andererseits seien auch die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte, von denen die Landwirte profitieren, in die Höhe geschossen, sagte Totschnig: „Wir haben eine bessere Preissituation, aber wir haben auch eine andere Kostensituation. Und am Ende des Jahres die Abrechnung.“ auf dem Hof ​​zählt. Da heißt es warten.“ Landwirte erhalten derzeit einen deutlich höheren Preis für Produkte wie Milch, Getreide und Fleisch als im Vorjahr.

Zudem sieht der ÖVP-Politiker keinen Anlass für eine Senkung der Mehrwertsteuer oder für eine Preisregulierung von Grundnahrungsmitteln, wie zuletzt von SPÖ und Gewerkschaft gefordert. Eine Umsatzsteuersenkung hält er insofern für problematisch, als in anderen Ländern zu beobachten sei, „dass der Effekt nach wenigen Wochen abklingt“. Aus ihrer Sicht steht der geringe Nutzen für den Verbraucher in keinem Verhältnis zu den damit verbundenen Einnahmeausfällen für den Staat. Wichtig ist, die Lebensmittelversorgung zu sichern, was auch möglich ist.

„In Sachen Nachhaltigkeit anderen Ländern weit voraus“

Der Ex-Bauernverbands-Chef befürchtet eine neue Eskalation des Klimawandels. Zustände, die in den südlichsten Ländern seit Jahren zu beobachten seien, könnten Österreich über kurz oder lang überholen, sagte Totschnig. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Landwirtschaft an eine andere Klimakonstellation anpasst. Vor allem muss an der Züchtung hitzebeständiger Pflanzen gearbeitet werden. Gleichzeitig hob er den Beitrag hervor, den lokale Landwirte zur Reduzierung von Emissionen leisten werden. Der Minister betonte, dass das Land in Sachen Nachhaltigkeit anderen Ländern weit voraus sei.

Ausgangspunkt geändert

Den rhetorischen und konfrontativen Kurs ihrer Vorgängerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) gegenüber Supermarktketten will Totschnig nicht fortsetzen. “Die Schaffung des Eigenkapitalbüros hat die Ausgangslage verändert.” Das im Frühjahr eingeweihte Büro des Landwirtschaftsministeriums befasst sich mit Beschwerden über unlautere Handelspraktiken in der Lebensmittelkette. „Ich bin für Dialog und Brückenschlag, aber auch für eine klare Diskussion, wenn etwas nicht funktioniert“, sagte der Landwirtschaftsminister. Totschnig will sich in den kommenden Wochen mit dem Lebensmittelhandel “enger austauschen”. “Es sind Treffen mit den Leitern der Supermarktketten geplant”. Der österreichische Lebensmittelhandel ist hoch konzentriert, Spar, Rewe und Hofer kamen zuletzt auf 84 Prozent Marktanteil.

“Die Verordnung wird Ende dieses Jahres bekannt gegeben”

Die bereits unter der ÖVP-FPÖ-Regierung geplante Herkunftskennzeichnung von Milch, Eiern und Fleisch in der öffentlichen und privaten Gemeinschaftsverpflegung sowie bei verpackten Lebensmitteln muss Realität werden Das Begutachtungsverfahren zur Verordnung zur Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung ist abgeschlossen, die Deklarationen werden nach Angaben des Ministeriums derzeit eingearbeitet. „Wir gehen davon aus, dass die Verordnung noch in diesem Jahr bekannt gegeben wird“, sagte der Landwirtschaftsminister. Auch das Bewertungsverfahren zur Herkunftskennzeichnungsverordnung verarbeiteter Lebensmittel ist abgeschlossen und die Stellungnahmen werden berücksichtigt. „Gleichzeitig finden Gespräche über eine EU-konforme Gestaltung im Sinne des Binnenmarktes statt. Die Fertigstellung ist weiterhin für Anfang nächsten Jahres geplant“, so der Landwirtschaftsminister.

Nach dem Vorwurf der SPÖ, das Landwirtschaftsministerium habe den ÖVP-Wahlkampf 2017 möglicherweise durch Zahlungen an die Medien des Bauernverbands finanziert, hatte Totschnig die Interne Revision des Landwirtschaftsministeriums aktiviert: „Landwirtschaft Ende Juni. „Die Ergebnisse der internen Revision sollen schnellstmöglich vorliegen“, kündigte Totschnig an.

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