Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur: Es fordert mehr Einsatz von den Verbrauchern. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa Bilder)
Müller: Die Preisentwicklung liegt in der Hand von Unternehmen und Bürgern
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte am Freitag die Übernahme des angeschlagenen Gasimporteurs Uniper durch den Staat an und brachte zudem ein Steuersystem auf den Weg, das ab September oder Oktober greifen soll. Es soll einen Großteil der Mehrkosten kompensieren, die durch das eingeschränkte Gasangebot aus Russland und die damit verbundenen Preiserhöhungen entstanden sind. Alle Gaskunden müssen die Umlage zahlen. Der Aufschlag kommt zu marktbedingten Preiserhöhungen hinzu, die nach und nach zu den Verbrauchern durchsickern. Lesen Sie hier mehr.
Zur Preisentwicklung sagte Müller: „Wenn ich mir jetzt die Entwicklungen zu Beginn des Krieges anschaue, dann bin ich rein rechnerisch in einer Verdreifachung gegenüber vor dieser Zeit.“ Wie sich der Preis in Zukunft entwickeln wird, hängt auch von allen Bürgern und Unternehmen ab. „Je mehr es Deutschland gelingt, den privaten und industriellen Gasverbrauch zu senken, desto größer sind unsere Chancen, von diesem verrückten Preisniveau wegzukommen“, sagte Müller. „Das können wir nur, indem wir den Verbrauch entsprechend reduzieren – das liegt an uns.“
Die entscheidende Frage ist, wie man die nötige soziale Unterstützung beim Energiesparen bekommt. „Ich möchte den Leuten eine Tafel geben und sagen: Die Preise sind hart“, sagte Müller. „Auch wenn Ihnen die Solidarität mit der Branche nicht so wichtig ist, tun Sie alles, um die Kosten zu senken, die auf Sie zukommen.“ Die Kernaussage lautet: Jeder kann etwas tun. „Zumindest so, wie ich es als Mieter oder Hausbesitzer habe“, sagte er. “Alles, was Sie tun können, müssen Sie jetzt tun, denn es wird eine Wirkung haben.”
Müller warnt zudem vor einer längeren Gasknappheit
Nach Wartungsarbeiten liefert Russland seit Donnerstag wieder Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1, allerdings weit weniger als technisch möglich. Die Unsicherheit darüber, ob Russland weiterhin Gas liefern wird, wird nach Angaben des Behördenchefs auch in Zukunft bestehen bleiben. Nicht alles ist klar.
Müller betonte auch, dass es nicht nur um den Winter 2022/23 gehe, sondern auch um den darauffolgenden Winter. Es nütze nichts, “wenn wir Lager so stark reduzieren, dass wir diesen Winter nicht schließen müssen, aber im Winter 23/24 fast zwangsläufig in Engpässe geraten”.