Rund um den Schmatelkateich, südlich von Gerasdorf, steigen derzeit die Wellen. In einer Informationsveranstaltung zum geplanten Bau des Pavillons wurde die Firma CTP von den protestierenden Anwohnern empfangen, die ihrem Unbehagen freien Lauf ließen. Künftig sollen kleine und mittelständische Unternehmen Flächen in dem geplanten Gebäude anmieten können. Dadurch sollen auch mehr Arbeitsplätze in der Gemeinde geschaffen werden. Die Nachbarn glauben den Anzeigen jedoch nicht. Sie warten auf eine alternative Lösung.
Eine Zunahme des Verkehrs und die Zerstörung der Umwelt werden befürchtet
„Anfangs waren wir positiv. Aber später wurde uns klar: Das kann nicht stimmen“, sagt Anwohnerin Romana Böhm. Sie hat mehrere Kritikpunkte, unter anderem die mangelnde Kommunikation. Gerade im Hinblick auf die künftige Verkehrssituation befürchtet sie, „dass komplett gelogen wird“. Aktuelle Planungen sehen 74 Lkw-Docks vor, die offiziell als Ortsmarkierungen dienen, für viele Anwohner liegt jedoch die Vermutung nahe, dass hier ein Logistikunternehmen angesiedelt werden soll.
Experten: „Verwüsteter Boden für immer tot“
Neben dem erhöhten Verkehrsaufkommen kritisiert Böhm auch die geplante Versiegelung und damit verbundene Zerstörung der Naturwiese. Dieser muss als Boden für den Raum dienen. „Hier wird ein Mikrokosmos von dreißig Jahren zerstört. Und so etwas ist heutzutage unbeschreiblich“, sagte der Anwohner gegenüber noe.ORF.at.
Auch der Stadtrat will keine Logistiker
Laut Bürgermeister Alexander Vojta (SPÖ) versucht die Gemeinde, den Bewohnern entgegenzukommen. „Nach der letzten Informationsveranstaltung war ich allerdings sehr enttäuscht. Ein zivilisiertes Gespräch war nicht möglich“, so der Gemeindevorsteher. Die Anwohner will er jedoch persönlich treffen: Sie haben ihn zu einem Spaziergang auf der Wiese eingeladen. „Allerdings muss man bedenken, dass die Nachbarn, wenn sie diese Wiese überqueren, immer noch auf einem fremden Grundstück laufen“, sagt Vojta.
Der Bürgermeister betont auch, dass er versucht habe, bei der Umnutzung der Liegenschaft ein „sauberes“ Unternehmen zu finden – ein solches Unternehmen habe er in der niederländischen Firma CTP gefunden. „Das CTP hat in allen Bereichen einen guten Eindruck hinterlassen“, erklärt Votja. Er habe zwar keinen Einfluss darauf, welche Unternehmen letztendlich in die Halle einziehen, machte aber sehr deutlich, dass die Kommune keine Logistik oder sogenannte Last-Mile-Unternehmen wolle.
Unterstützung erhält der Bürgermeister diesbezüglich auch von Baustadtrat Andreas Zein (FPÖ). Außerdem berichtet er noe.ORF.at von einer turbulenten Informationsveranstaltung. “Es war ein sehr aggressives Umfeld. Bis Ende des Monats hat es keiner geschafft“, informiert der Politiker, der auch mit einem weiteren persönlichen Treffen mit den Nachbarn rechnet. Er betont auch, dass er eine mündliche Zusage der CTP habe, dass keine großen Unternehmen einsteigen werden.
Die Anzahl der erlaubten Fahrten könnte überschritten werden
Willhelm Grabmaier, der die benachbarte Amria GmbH vertritt, ist nach den aktuellen Planungen überzeugt, dass ein Logistikpark entstehen wird. Diese Hypothese wird auch durch ein Verkehrsgutachten gestützt, das das Unternehmen in Auftrag gegeben hat. Das bedeutet, dass es 3.000 bis 4.000 Autofahrten pro Tag geben könnte. Allerdings hat die Kreisverwaltung derzeit eine Obergrenze von 957 Fahrten pro Tag. Daher befürchten die Anwohner, dass nach dem Bau weitere Genehmigungen erforderlich sein könnten.
Im Gespräch betont Grabmaier, dass er die Nachbarn verstehe und wertschätze. „Aber das Grundstück wird durch den Bau auch aufgewertet“, betont er. Grundsätzlich sollte beim Bau der Halle die Infrastruktur verbessert werden. Um den Verkehr bewältigen zu können, wären etwa zwei Kreisverkehre und eine breitere Fahrbahn erforderlich.
Doch was sagt die CTP zur Ursache? Die Leute neigen dazu, sich dort zurückzuhalten. „Wir werden die Situation intern analysieren und dann über das weitere Vorgehen entscheiden“, sagte Country Manager Karl Brückner.
Bauprojekte befeuern Spekulationen
Ähnliche Projekte gibt es auch in Bruck an der Leitha, Baden und St. Pölten. Auch ersteres trägt zum Misstrauen der Anwohner am Schmatelkateich bei. Die Firma CTP baut bereits eine große Halle in Bruck. Auch hier wurde zuletzt spekuliert, dass statt der angekündigten kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Großunternehmen einziehen könnte.
Der Bau der Halle in Gerasdorf liegt derzeit in den Händen des Bezirksamtes Korneuburg, das eine Vorprüfung durchführt. Kommt der Bau aber zustande, wollen es die Nachbarn der Firma nicht einfach machen. „Sie können uns nicht verkaufen, dass dieses Monster nur 900 Fahrten macht. Wir werden alle Autos zählen“, schließt Romana Böhm.