“Lebensmüde!” Flip Flops im Lisengrat und verlorene Wanderer


Bericht

“Hier bin ich!” – Flip Flops auf dem Lisengrat und Wanderer, die sich verirren, um ein Foto zu machen

Bilder: Raphael Rohner

Die baulichen Massnahmen zielen darauf ab, die Sicherheit auf den gefährlichen Wanderwegen des Alpsteins zu verbessern. Ein Blick auf den Säntis zeigt jedoch, dass sich auch einige Wanderer sorglos verhalten. ein Bericht

Die Sonne scheint, es sind kaum Wolken am Himmel und eine leichte Brise aus Südost – ein perfekter Wandertag. In Urnäsch müssen sich Wanderer frühmorgens anstellen, um einen Sitzplatz im Postauto zu ergattern.

Als der Gossauer Zug auf dem Gleis weiterfährt und der Zug gerade aus der Gegenrichtung eingefahren ist, dauert es einem Wanderer zu lange: Er beschließt, unter den Bahnschranken hindurchzuschlüpfen, um zum Postauto zu rennen. Die Leute schütteln den Kopf. Hundert andere Wanderer schauen zu und fragen dann den Mann: “Was war der Zweck dieser Aktion?” Keine Antwort von dem Mann, nur verlegenes Schweigen.

Ein Wanderer hat es eilig, zum Postauto zu gelangen.

Bild: Raphael Rohner

Oben auf der Schwägalp trennen sich die Wege der Wanderer. Während einige hochstürmen und schnell verschwinden, bleiben einige Touristen stehen und fotografieren das Massiv. Ein Mann aus Indien zeigt auf den Säntis und fragt:

“Seealpsee, hier in der Nähe?”

Eine junge Frau erklärt einen möglichen Weg zum beliebten See. Der Tourist entscheidet sich schließlich für die Seilbahn.

Der Gipfel des Säntis ist ein Besuchermagnet.

Von der Berghütte aus beobachtet er die verwirrten Wanderer

Oben auf dem Säntis geniessen heute Morgen viele Menschen die Aussicht und bewundern das Panorama und die umliegende Bergwelt. Im Berggasthaus „Alter Säntis“ herrscht Hochbetrieb und an vielen Tischen sind die Ereignisse der letzten Tage Thema Nummer eins: die beiden tödlichen Wanderunfälle auf dem Aescher und die Höhlenrettung unweit des Zwinglipasses.

Kaum werden die beiden Themen am Tisch angesprochen, ruft jemand, der Lisengrat mit dem Fernglas beobachtet: „Wo zum Teufel will dieser Wanderer denn hin? Er ist völlig auf dem falschen Weg.“ Ein alter Mann mit Wanderstöcken schreitet unsicher vom Bergpfad ab. Er sucht den Pfad auf dem felsigen Grat. Zuschauer schnappen nach Luft:

“Du kannst es nicht einmal sehen, es ist verrückt!”

Ein Wanderer ist auf der Suche nach einer besseren Aussicht vom Weg abgekommen.

Bild: Raphael Rohner

Der Lisengrat ist ein beliebter Bergwanderweg, der den Säntis mit dem Rotsteinpass verbindet. An vielen Stellen sind die Wege freigelegt und beidseitig mit Stahlseilen als Geländer gesichert. Endlich findet der verlorene Wanderer den Weg zum Alten Säntis und fragt atemlos:

“Bin ich hier mit Tierwis?”

Der Mann wollte am Lisengrat noch schnell ein Foto machen. Ein anderer Wanderer in der Gegenrichtung hat wohl die gleiche Idee: Von der Säntis-Aussichtsplattform klettert er auf allen Vieren über die Felsen. Es geht ziellos und ohne Sicherung auf und ab. Der Pfad befindet sich etwa 50 Meter darunter. Andere Wanderer schreien den Mann an, er solle sich umdrehen. Nach einigen Fehltritten dreht er schliesslich um und steigt wieder auf den Säntis.

Ein Wanderer sucht den Bergweg unterhalb des Säntisgipfels.

Bild: Sandro Büchler

Tragen Sie Flip-Flops, um Ihre Füße warm zu halten

Auf dem Weg vom Säntis zum Lisengrat beobachten zwei junge Frauen mit ihren Ferngläsern, wie der verlorene Wanderer den Hügel wieder hinaufgeht. Sie schütteln den Kopf und sagen:

„Wenigstens ist er einsichtig. Hinter uns steigt eine Frau in Flip-Flops den Lisengrat hinauf.

Sie waren total erstaunt, als sie die Frau auf den steinigen Wegen gehen sahen. “Wie kannst du nur? Er ist einfach lebensmüde und dumm.” Bald darauf kommt die Frau in den Flip-Flops tatsächlich von Rotsteins Schritt gerannt. Den halben Lisengrat hat er schon geschafft. Nach und nach macht er einen Schritt nach dem anderen. Daneben gibt es einen Höhenunterschied von einigen hundert Metern.

In Flip Flops auf dem Lisengrat für warme Füsse: Wanderer.

Bild: Raphael Rohner

Auf die Frage nach ihren Schuhen sagt sie: „Ich möchte nicht, dass meine Füße heiß werden. Außerdem kann ich selbst entscheiden, welche Art von Schuhen ich trage.“ Ein paar Wanderer, die sich nähern, schimpfen mit der Frau und zeigen auf den Rega-Helikopter, der über den Alpstein fliegt; sie versucht nicht, sich zu rechtfertigen. Schließlich fährt er fort: „Ich habe es immer so gemacht.“

Fast täglich holt die Rega Personen von den Wanderwegen ab

Die Rega fliegt wenige Kilometer Luftlinie entfernt einen Einsatz: Der Helikopter überfliegt den Hundstein und fliegt immer wieder die Meglisalp an. Davon weiss die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden aber nichts: «Wenn die Rega direkt benachrichtigt wird, erreicht sie uns nicht immer», erklärt die Disponentin. Die Rega ist jedoch fast täglich im Alpstein und rettet Wanderer aus ihrer manchmal misslichen Lage.

Darauf angesprochen sagt die Rega: «Im Moment haben wir eine grosse Nachfrage. Eine Rega-Crew suchte nach vier Personen vom Hundstein. Sie waren vom Wanderweg abgekommen, kamen im sehr steilen Gelände nicht weiter und alarmierten die Rega-Einsatzzentrale. Die vier Personen stiegen nacheinander mit der Rettungswinde unter dem Rega-Helikopter aus und brachten sich so in Sicherheit.»

Die Rega rettet vier verschollene Wanderer vom Hundstein.

Bild: Raphael Rohner

Zahlen zur Häufigkeit dieser Einsätze macht die Rega nicht. Sie haben keine detaillierten Statistiken über Operationen. Auch die Mediensprecherin der Luftrettung, Corina Zellweger, will das Verhalten der Wanderer am Berg nicht kommentieren: „Wir beurteilen nicht, wie Menschen sich in Gefahr bringen. Die Rega ist für alle da, die sie brauchen.» Im vergangenen Jahr verunglückten landesweit 30.000 Menschen beim Wandern.

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