Luigina Bringold (64) musste auf Facebook einen kleinen Shitstorm über sich ergehen lassen, weil sie sich über Vogelkot auf einem Spielplatz in Reinach BL aufregte und Fotos postete. „Sie sagten mir, ich solle es selbst putzen, aber das ist nicht meine Aufgabe!“, schimpft die Frau. Es ist ihr sowieso egal, was die Leute von ihr denken. „Aber dieses Vogelhäuschen ist unverständlich!“, bleibt er bei seiner Meinung.
In der Gemeinde Baselbiet sind sowohl eine Voliere mit Nistplätzen für 48 Mehlschwalbenpaare als auch die Hinterlassenschaften der Tiere zu einem Dorfklatsch geworden, der seit März für gute Laune sorgt. Warum: Der Natur- und Vogelschutzverein Reinach hat das Vogelhaus in Abstimmung mit der Gemeinde inmitten eines öffentlichen Kinderspielplatzes errichtet. Gleich daneben befindet sich eine Rutsche und ein kleiner Picknicktisch.
Bis die ersten Hausschwalben einziehen, könne es noch Jahre dauern, teilte der Vogelclub mit. Aber jetzt sind schon zwei Nester besetzt.
“Aber nicht über Kinderköpfe!”
“Wie gesagt, die Vögel gehen zur Rutsche und du willst, dass ich sie reinige?” Luigina Bringold wird wütend. “Vogelliebhaber sollten kommen und es tun.” Sie selbst hat absolut nichts gegen Schwalben, im Gegenteil, denn die Nachbarschaft ist seit den sechziger Jahren ein beliebtes Einzugsgebiet für Vögel. „Tiere haben ihren Platz, aber nicht über den Köpfen spielender Kinder“, sagt Bringold.
Mit dieser Meinung ist sie nicht die einzige in der Nachbarschaft. „Der Standort ist schlecht gewählt“, sagt Nachbarin Irene Rizzo (52). „Wir hatten selbst Schwalben und ich mag sie, aber sie machen nur eine Sauerei. Aber das ist hier auf dem Hof ein Problem, die Kids sollen sich hier austoben und wohlfühlen können.“ Auch der Betonklotz am Fuß der Voliere kommt ihm mit seinen scharfen Kanten ein wenig gefährlich vor. „Wenn doch hätte es ein bisschen aufgerundet”, beschwert sich Rizzo.
Keine Umsiedlung mehr
Christine Hulliger (66), die als ordentliches Mitglied dem Verein für Natur- und Vogelschutz in Reinach angehört, versteht diese Kritik nicht. „Ich komme alle paar Tage und schaue, was in den Nestern los ist“, erklärt er. „Und wenn ich da bin, räume ich natürlich den Mist auf.“ Sie ist sehr zufrieden mit beiden besetzten Nestern. „Es ist toll, wenn die Kinder die Schwalben sehen können. Und die mürrischen alten Männer in der Nachbarschaft, die sind überall.“
Auch die für Reinach zuständige Gemeinderätin Doris Vögeli (GLP) freut sich über den Nachwuchs des Hauses Martin. „Schwalben sind lokal, man kann sie nicht bewegen. Und dass die ersten Nester so schnell besetzt waren, zeigt, dass es offensichtlich an Nistplätzen mangelt.“ Das Vogelhaus wurde nach einem normalen Verfahren mit einem normalen Bauantrag gebaut, gegen den keiner der Bewohner Einwände erhoben hatte. Es wird nicht mehr abgerissen oder verlegt.
Hausschwalben brüten nur einen Monat lang
«Die Depotmitarbeiter putzen sowieso regelmässig, etwa einmal pro Woche», sagt Vögeli. „Neben Einstreu und allem, was sonst noch gereinigt werden muss, verursacht Vogelkot keine Mehrarbeit.“ Und: Vogelkot von Mehlschwalben ist nicht gesundheitsschädlich, versichert Vögeli Spielplatznutzern. „Und der Vogelschutz hat eine Putzkolonne aufgestellt, die fast täglich vorbeikommt.“
Vögeli weist darauf hin, dass Hausschwalben eine vom Aussterben bedrohte Art sind. „Ich fände es schlimmer, wenn sie eines Tages verlassen hätten, dass wir hier ein bisschen Vogelkot haben“, sagt der Politiker. Er argumentiert auch, dass die Brutzeit einen Monat dauert und die Tiere nur während dieser Zeit die Nester besetzen. «Man muss die Zusammenhänge ein bisschen sehen», sagt Vögeli.
Alissia (11) aus Basel und ihr kleiner Bruder spielen trotz dörflichem Geschwätz um die Voliere gerne auf dem kleinen Spielplatz an der Leymenstrasse, wenn sie die Grossmutter in Reinach besuchen. „Dass es mitten auf dem Hof steht, ist vielleicht nicht so optimal“, sagt die Studentin. Sie fragt jedoch: “Warum sollte man etwas gegen eine Voliere haben?”