Österreich Erdgasspeicher Haidach wird wieder befüllt

Ab: 26.07.2022 19:08

Österreich übernimmt die Befüllung seines Gasspeichers Haidach: Das Energieministerium hat Gazprom die Kontrolle entzogen, weil es nicht genutzt wird – und stimmt sich mit Deutschland ab.

Von Dagmar Bohrer-Glas, ARD Studio Wien

Ab 1. August wird der teilweise ungenutzte Erdgasspeicher in Haidach bei Salzburg in Österreich wieder befüllt. Das teilte das österreichische Energieministerium mit.

Der russische Erdgaskonzern Gazprom, der zuvor einige der unterirdischen Speicher belieferte, nutzt sie seit dem Frühjahr nicht mehr, ist aber in Österreich laut einer Novelle der Gaswirtschaft seit Anfang Juli verboten, die Reserve nicht zu nutzen Speicherkapazität. Damit kann der Erdgasspeicher Haidach der Gazprom entzogen werden.

Der technische Betreiber von Haidach, die RAG Austria AG, wurde nun vom Ministerium beauftragt, einen Teil der Speicherkapazität zu kommerzialisieren und damit für andere Energieunternehmen zu öffnen.

Solidaritätsabkommen mit Deutschland

Ob im großen Erdgasspeicher Haidach genug Gas für den kommenden Winter gespeichert werden kann, bleibt abzuwarten. Ziel der österreichischen Bundesregierung ist es, alle österreichischen Gasspeicher im Winter zu mindestens 80 % zu füllen.

In den letzten 15 Jahren wurden Industriebetriebe und Haushalte in Bayern hauptsächlich aus Haidach beliefert. Österreich hat kürzlich angekündigt, auch sein heimisches Gasnetz mit insgesamt rund drei Milliarden Kubikmeter Speicherkapazität an die Anlage anschließen zu wollen – Speicher seien eine zentrale Sicherheitspuffer für den Winter, betonte die österreichische Energieministerin Leonore Gewessler. In Bayern sorgte diese Ankündigung für Empörung.

Die österreichische Regierung habe bereits im Mai darüber gesprochen, den Erdgasspeicher Haidach an das österreichische Gasnetz anschließen zu wollen – und sich mit den deutschen Hauptkunden abzustimmen, betonte Gewessler. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck reiste Mitte Juli nach Wien und unterzeichnete eine Solidaritätsvereinbarung mit Gewessler. Der Erdgasspeicher Haidach ist Bestandteil dieser Vereinbarung.

Bayern befürchtet die Nachteile

Die Einigung zwischen Berlin und Wien beruhigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jedoch nicht. Er befürchtet schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft seines Bundeslandes, sollte es zu einer Gasknappheit kommen. Deshalb hat Söder die Bundesregierung aufgefordert, die bayerische Gasversorgung aus dem Speicher Haidacher zu klären: Die Bundesregierung muss die Vereinbarung mit Österreich transparent und klar machen, wann und wie viel Gas Bayern erreicht.

Söder drängt auf einen verbindlichen Vertrag mit dem Nachbarland und kündigte an, nach Haidach zu fahren, um sich “ein Bild zu machen”. In ihrer Solidaritätsvereinbarung haben Deutschland und Österreich vereinbart, den Gasspeicher Haidach in gemeinsamer Verantwortung zu befüllen.

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