1. Wofür ist Lithium?
Lithium ist neben Graphit das Kernelement von Lithium-Ionen-Akkus, die nicht nur in Akkus für Smartphones, Tablets oder Laptops, sondern auch in Rollern, Fahrrädern und natürlich Elektroautos zum Einsatz kommen. Letztere sind besonders wichtig: Je nach Größe enthält eine Batterie bis zu 20 Kilo Lithium; auf einem Smartphone sind es etwa 3 Gramm! Durch den Elektroauto-Boom ist auch die Nachfrage nach dem Rohstoff in den vergangenen Jahren gestiegen: Wurden 2008 weltweit noch 25.400 Tonnen Lithium abgebaut, überschritt die Jahresproduktion im vergangenen Jahr die 100.000-Tonnen-Jahresproduktion, Tendenz weiter steigend. (siehe Frage 4).
2. Wo wird Lithium gefunden und wo wird es abgebaut?
Die größten Lithium-Ressourcen, unabhängig davon, ob sie abgebaut werden können, befinden sich im Lithium-Dreieck, an den Grenzen von Chile, Argentinien und Bolivien. Die größten Vorkommen befinden sich nach Angaben der US-Wissenschaftsbehörde USGS in Bolivien (21 Millionen Tonnen), Argentinien (19 Millionen) und Chile (9,8 Millionen). Es folgen die USA (9,1 Millionen), Australien (7,3 Millionen) und China (5,1 Millionen). Schockierend: Nicht in Bolivien oder Argentinien, sondern in Australien wurde 2021 am meisten Lithium abgebaut: 55.000 Tonnen, mehr als die Hälfte der weltweit geförderten Menge. Hauptproduzenten sind Chile (26.000 t), China (14.000 t) und Argentinien (6.200 t). Kleinere Mengen des Rohstoffs werden auch in Brasilien, Portugal, Simbabwe und den USA abgebaut.
3. Ist der Abbau von Lithium umweltschädlich?
In Australien, dem größten Bergbauland, stammt Lithium aus Minen, in Chile und Argentinien aus Salzwüsten, den sogenannten Salaren. Lithiumhaltiges Salzwasser wird aus unterirdischen Seen an die Oberfläche transportiert und verdunstet in großen Becken. Die verbleibende Salzlösung wird weiterverarbeitet, bis das Lithium als weißes Karbonat für den Einsatz in Batterien geeignet ist, daher der Name „weißes Gold“. Besonders die Förderung in Südamerika steht in der Kritik: Die Bewohner der chilenischen Atacama-Wüste klagen zunehmend über den Mangel an Süßwasser. Obwohl für den Lithiumabbau selbst kein Trinkwasser benötigt wird, könnte Experten zufolge durch die Förderung großer Salzwassermengen Süßwasser nachfließen und der Grundwasserspiegel am Rand der Salinen ansteigen
4. Stehen wir vor einer Lithiumknappheit?
Experten schätzen, dass die weltweite Nachfrage allein im Mobilitätssektor bis 2030 auf 240.000 Tonnen Lithium pro Jahr steigen könnte. Wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden sollen, könnte die Nachfrage bis 2050 sogar auf satte 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe könnte das schon bald zum Problem werden, wie der „Tagesanzeiger“ kürzlich berichtete: Für die bis 2030 in Deutschland erwarteten knapp 15 Millionen Elektroautos würde es laut der Studie nicht genug Lithium geben . . . Im schlimmsten Fall würden weltweit bald bis zu 300.000 Tonnen pro Jahr fehlen.
5. Wird Lithium bald teurer?
Die Märkte haben längst auf die drohende Verknappung reagiert: Der Preis für Lithiumcarbonat hat sich in den vergangenen zwei Jahren verzehnfacht. Allein seit Dezember 2021 ist der Preis pro Tonne von CHF 27’000 auf heute CHF 68’000 gestiegen. Um die Abhängigkeit von China zu verringern, wo die größten Batterieverarbeiter und -hersteller angesiedelt sind, wollen große Bergbauunternehmen in den kommenden Jahren neue Produktionsstätten in anderen Ländern eröffnen. Und auch die Autobauer legen nach: VW investiert 2030 rund 20 Milliarden Franken und plant eine globale „Batterie-Offensive“ mit sechs Zellfabriken allein in Europa. Tesla-Chef Elon Musk will notfalls sogar ein Lithium-Unternehmen kaufen.
6. Kann Lithium aus Batterien recycelt werden?
Langfristig soll ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe wiederverwertet werden, dies würde den Bedarf an „neuem“ Lithium reduzieren. Das große Comeback von Gebrauchtbatterien wird aber noch mindestens bis 2030 dauern: Nach dem Einsatz im Auto, auf das die Hersteller inzwischen bis zu zehn Jahre Garantie geben, werden gebrauchte Batterien auch oft in Second-Life-Modellen wie Energiespeichern eingesetzt . Heute lohne sich das Recycling von Lithium nicht mehr, weil der Prozess aufwändiger und teurer sei als bei anderen Metallen, sagte Dieter Offenthaler, Geschäftsführer des Berner Recyclinggiganten Batrec, gegenüber Observer: „Bei den heutigen Mengen ist das Recycling von Lithium kaum noch wirtschaftlich.“ . .
7. Gibt es Alternativen zu Lithium?
Langfristig kann auf den Lithium-Rohstoff von Batterien komplett verzichtet werden. Als Alternative nennt der Autor Kai Borgeest in seinem Buch „Elektronik in der Fahrzeugtechnik“ Natrium-Ionen-Batterien, die ähnlich funktionieren wie Lithium-Ionen-Batterien, aber eine etwas geringere Energiedichte haben. Sie haben aber auch Vorteile: Die hohe Verfügbarkeit von Natrium ermöglicht niedrigere Preise, die Batterien sind unempfindlich gegen Tiefentladung und haben eine längere Lebensdauer. Außerdem würde für die Herstellung der Kathode ein einfaches Kochsalz statt seltener Lithiumsalze ausreichen. Auch immer wieder als Batterietechnologie der Zukunft genannt: Festkörperbatterien. Diese sollen eine um bis zu 50 Prozent bessere Umweltbilanz aufweisen und nahezu keine kritischen Rohstoffe enthalten. In der Schweiz plant die Firma Swiss Clean Battery eine Gigafactory von Festkörperbatterien. Die Produktion bei Frauenfeld TG soll 2024 starten.