Konzert abgesagt, weil weiße Musiker Reggae spielen!

Von René Garzke

Wenn Haarschnitt und Musikstil zum Politikum werden… Das Konzert einer Band in Bern, Schweiz, wird abgesagt, weil einige der weissen Musiker Rasta-Frisuren tragen und Reggae spielen.

Die Gruppe “Lauwarm” trat letzte Woche im alternativen Restaurant “Brasserie Lorraine” auf. Während des Konzerts äußerten mehrere Besucher „Unbehagen über die Situation“, teilten die Organisatoren in den sozialen Medien mit.

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Zum einen hätte es die Gäste gestört, dass einige der weißen Musiker Dreadlocks trugen. Und andererseits, weil Reggae überhaupt gespielt wird, hat das Genre seinen Ursprung in Jamaika, speziell in der schwarzen indigenen Bevölkerung.

Wenn Weiße diese Sitten nun übernehmen, sprechen scharfe Kritiker von “kultureller Aneignung”. Erst haben die Weißen im Zuge der Kolonialisierung die schwarze Bevölkerung unterdrückt, nun „stehlen“ sie auch deren Kultur, heißt es in der Anklageschrift.

Aus Sicht der Kritik ändert sich nichts, wenn es wie bei der Reggae-Band darum geht, die jeweilige Kultur nicht zu verachten, sondern leben zu lassen.

Die Schweizer Organisatoren sagten jedoch: “Wir möchten uns bei allen entschuldigen, die sich wegen des Konzerts schlecht gefühlt haben.” Sie haben es versäumt, das Thema im Vorfeld anzusprechen und die Gäste zu „schützen“.

Das sagt die Band

Die Gruppe „Lauwarm“ kritisierte die Absage ihres Konzerts. Bandleader Dominik Plumettaz sagte nun gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Wir fühlten uns beleidigt, weil uns niemand aus dem Publikum angesprochen hat, als wir an diesem Abend spielten.»

Bei seinem Auftritt sei die Stimmung grossartig gewesen, sagte er dem Portal «20min.ch». Einige Besucher hätten sich jedoch direkt beim Veranstalter beschwert, erklärte der Bandchef gegenüber der NZZ weiter.

Zu den Vorwürfen sagte Plumettaz: Die Auftritte seiner Band seien weder provokant noch kulturelle Aneignung. „Wir lassen uns von anderen Kulturen und anderen Musikstilen inspirieren, entwickeln sie weiter und machen unsere Musik so.“

Aus dem gleichen Grund tragen einige Mitglieder der Band Dreadlocks oder traditionelle Kleidung aus afrikanischen Ländern wie Gambia oder Senegal. „Weil sich einige der Bandkollegen damit identifizieren können“, sagt Plumettaz. Die Gesellschaft befindet sich inmitten eines multikulturellen Wandels, in dem Kulturen verschmelzen.

Der Frontmann der Band versprach: „Wir stehen zu unserer Musik und werden dies auch in Zukunft tun.“

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Am Dienstagabend veröffentlichten auch die Betreiber des Restaurants ein neues Statement. Man sei überrascht gewesen, dass die Absage des Konzerts “solche Wellen geschlagen habe”, sagt er.

Dann gibt es vorsichtige Zweifel am eigenen Handeln: „Wir erheben nicht den Anspruch, mit der Beendigung des Konzerts das Richtige getan zu haben. Es fühlte sich für mich jedoch auch falsch an, es so weiterlaufen zu lassen. Man könnte es auch Überforderung nennen.“ In drei Wochen findet ein Debattenabend zum Thema statt.

Ende März löste ein ähnlicher Fall in Hannover einen heftigen Proteststurm aus: Klimaaktivisten von „Fridays for Future“ verhängten ein Hausverbot gegen die Musikerin Ronja Maltzahn (28). Auch für seine Dreadlocks.

Besonders dreist war damals ein Ultimatum der Klimagruppe an den Musiker: „Wenn du dich entscheidest, deine Dreadlocks bis Freitag abzuschneiden, heißen wir dich natürlich zur Demo willkommen und lassen dich spielen.“

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