Fluggastdatenerfassung: Keller-Sutter trifft auf breiten Widerstand

Name, Kontaktdaten, Buchungsort und Zahlungsinformationen: Wer ein Flugticket kauft, hinterlässt eine Datenspur. Allein in der Schweiz werden jährlich rund 60 Millionen Datensätze generiert. Im Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität werten mehr als 60 Länder weltweit diese Informationen systematisch aus.

In der Schweiz gibt es dafür aber noch keine gesetzliche Grundlage. Justizministerin Karin Keller-Sutter (58) will das nun mit dem sogenannten Fluggastgesetz ändern. Das wird international von der Schweiz erwartet. Innerhalb des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) würde dann eine Dienststelle mit 20 bis 30 Mitarbeitern geschaffen, die die Daten auswertet.

Für die Feiertage geht der Sammelwahn zu weit

Nur: Keller-Sutters Pläne stossen auf breiten Widerstand der Parteien. Dies zeigen die Kommentare zum Entwurf der öffentlichen Konsultation. Kurz vor Ende der Konsultationsfrist Ende Juli zeichnete sich ab, dass sowohl bei Linken als auch bei Rechten erhebliche Bedenken bestehen.

Die SVP der Law and Order Party begrüsst die Weitergabe von Daten verdächtiger oder per Haftbefehl gesuchter Personen. Eine generelle Speicherung aller Passagierdaten in Reserve geht jedoch zu weit. Die Speicherdauer von sechs Monaten und anonym sogar fünf Jahren ist aus datenschutzrechtlichen Gründen unnötig, zu teuer und zu lang.

Die SVP verweist auf die Richtlinien des Gerichtshofs der EU, die ihr sonst nicht gefallen. Demnach sind alle personenbezogenen Daten nach sechs Monaten zu löschen, wenn kein eindeutiger Verdacht besteht. Die Daten werden auch nicht automatisch übermittelt, sondern nur in konkreten Verdachtsfällen.

SP zweifelt an der Wirksamkeit

Dies entspricht laut SVP fast der bisherigen Praxis des Nachrichtendienstes (NDB). Deshalb hält er es für sinnvoller, die Befugnisse anzupassen, anstatt ein “neues, teures und übermäßig bürokratisches Gremium” zu schaffen, das die Arbeit des NDB übernimmt.

Ähnliche Kritik kommt von den Linksgrünen. Die SP verweist auch auf Verhältnismäßigkeit und Datenschutz. „Darüber hinaus halten wir das Argument für nicht überzeugend, dass mit einer solchen systematischen Verarbeitung großer Mengen von Fluggastdaten Terrorismus und andere schwere Straftaten wirksam bekämpft werden können“, stellt die Partei fest. „Ob Terroristen und andere Schwerverbrecher tatsächlich Linienflüge nutzen und damit ihre wahre Identität preisgeben, ist fraglich.“

Die Grünen wiederum sprechen von einem „massiven und unverhältnismäßigen Eingriff“ in die Grundrechte von Fluggästen.

Der Verein für die digitale Gesellschaft spricht sogar von einer Aushöhlung der Grundrechte aller Menschen in der Schweiz. Sie wehrt sich ausdrücklich gegen die „zu erwartende neue Massenüberwachung und Vorratsdatenspeicherung“ und rechtfertigt sie nicht mit dem „bereitgestellten gesamtgesellschaftlichen Sicherheitsgewinn“.

Unterstützung bisher nur aus der Mitte

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Bisher hat Keller-Sutter nur die Partei Mitte gefunden. Mit der Möglichkeit, künftig dieselben Fluggastdaten verarbeiten zu können, stehe die Schweiz solidarisch mit dem Rest Europas, «weil sie keine Sicherheitslücken im Schengen-System zulassen will».

Wichtig ist, dass die Vorlage bereits auf dem neuen Datenschutzgesetz basiert, das 2023 in Kraft treten soll. Die Datenverarbeitung ist nur für gesetzliche Zwecke erlaubt und Besuche müssen doppelt überprüft werden. „Aus Sicht der Mitte ist der Datenschutz der Reisenden ausreichend gewährleistet.“

Die Bundesrätin der FDP kann weiterhin mit Hilfe aus den eigenen Reihen rechnen. Allerdings scheint Freisinn nicht allzu viel Herzblut in den Kader zu stecken. Die FDP ist mit ihrer Erklärung in Verzug und musste eine Fristverlängerung beantragen.

Aus Mangel an Ressourcen verzichteten die Grünliberalen sogar auf eine Stellungnahme. Auch Nationalrat und Datenschutzexperte Jörg Mäder (47) zeigt sich skeptisch: «Diese Vorratsdatenspeicherung geht für mich in die falsche Richtung», erklärt er.

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