Stand: 29.07.2022 12:41 Uhr
Die von der Regierung beschlossene neue Gasumlage verteuert Energie zusätzlich. Vor allem für Familien können Mehrkosten von mehr als 1.000 Euro pro Jahr entstehen, wie Vergleichsportale errechnet haben.
Von Notker Blechner, tagesschau.de
Bei den Energiekosten droht vielen Deutschen spätestens im Herbst die nächste Preiserhöhung. Zusätzlich zu höheren Gasrechnungen, die wahrscheinlich von einigen kommunalen Diensten kommen werden, wird ab Oktober auch ein neuer Energietarif gelten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte an, sie solle zwischen 1,5 und 5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Mit mehreren hundert Euro pro Haushalt beziffert Habeck die Mehrkosten, die den Verbrauchern durch die Umlage entstehen.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte zuvor von einer Erhöhung des Gaspreises um zwei Cent pro Kilowattstunde gesprochen – und Mehrkosten von 200 oder 300 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie.
Eine Frage der Hausgröße
Das Vergleichsportal Check24 hat ausgerechnet, dass Familien stärker belastet werden könnten. Bei einem Aufpreis von zwei Cent müsste ein Vier-Personen-Haushalt, im Beispiel eine Familie mit zwei Kindern, bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (auf einer Fläche von 180 Quadratmetern) Mehrkosten von 476 Euro übernehmen . pro Jahr Mit einem Beitrag von fünf Cent soll die Familie weitere 1190 Euro aufbringen.
Selbst eine Familie mit einem Kind – bei einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern und einem Verbrauch von 18.000 Kilowattstunden – müsste bei einem Gastarif von fünf Cent mit jährlichen Mehrkosten von 1.071 Euro rechnen, hat Check24 errechnet. Im besten Fall käme er mit 321 Euro davon, wenn der Kurs nur 1,5 Cent betragen würde.
Bis zu 714 Euro Gebühren für Ehepaare
Bei einem Paarhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 12.000 kWh liegen die Mehrkosten für die Umlage laut Check24 zwischen 214 und 714 Euro. Bei einem Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh Gas pro Jahr ist mit Mehrkosten zwischen 89 und 298 Euro zu rechnen. Auch das Verbraucherportal Verivox hat Modellrechnungen erstellt und kommt auf die gleichen Zahlen wie Check24.
Wirtschaftsminister Habeck hat betont, dass es durch die Umlage Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger gibt, die an die Armutsgrenze gefallen sind: „Das ist kein guter Schritt, aber ein notwendiger Schritt.“ Sie wird durch soziale Ausgleichsmaßnahmen erträglich gemacht.
Die Höhe des Beitrags steht noch nicht fest
Die geplante Umlage für alle Gaskunden gilt voraussichtlich ab dem 1. Oktober. Die genaue Höhe der Gebühr soll laut Bundeswirtschaftsministerium Mitte oder Ende August im Internet veröffentlicht werden. Es kommt darauf an, welche Entschädigungsansprüche die Gasimporteure geltend machen.
Millionen Deutsche sind vom Gaszuschlag betroffen. Etwa die Hälfte der Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt. Die Umlage soll es den Anbietern ermöglichen, erhöhte Bezugspreise aufgrund zuletzt zunehmend eingeschränkter Lieferungen nach Russland an alle Gasverbraucher weiterzugeben. Über die Abgabe sollen Importeure voraussichtlich 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten weitergeben können. Importeure müssen noch bis Ende September ihre eigenen Kosten tragen.
Wann hilft der Bund?
Der Stadtwerke-Verband bittet die Politik um schnelle Klarheit, damit sie Kunden rechtssicher über die Höhe des Gaszuschlags informieren kann. „Sonst müssen die kommunalen Unternehmen für ihre Kunden vorübergehend die Gebühr zahlen, die die wenigsten auch nur kurzfristig tragen können“, sagte eine Sprecherin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Verband forderte eine Vorbereitungszeit von acht bis zehn Wochen.
Unterdessen beharren Verbraucherschützer darauf, dass zusätzliche Erleichterungen für einkommensschwache Haushalte schnell kommen werden. „Wenn der Zuschlag am 1. Oktober kommt, muss das Entlastungspaket der Bundesregierung für die Verbraucher da sein“, sagte Ramona Pop, Chefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.