Fed erhöht Zinsen massiv: Jerome Powell geht großes Risiko ein

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Autor: Eine Analyse von Andreas Kohli

Es ist 70 Jahre her, dass jemand erfolgreich das getan hat, was der Fed-Vorsitzende Jerome Powell tun muss. 1951 gelang es der amerikanischen Politik das letzte Mal, die Inflation von einem vergleichbar hohen Niveau zu senken, ohne das Land in eine Rezession zu stürzen. Darauf wies der Chefökonom der New Yorker Mellon Bank kurz vor der jüngsten Zinsentscheidung hin.

Die Inflation in den USA liegt derzeit bei über neun Prozent. Höhere Zinsen sind die stärkste Medizin dagegen. Doch die Ausgangslage ist heikel: Steigen die Zinsen, werden Kredite teurer. Folglich bremsen Unternehmen bei kreditfinanzierten Investitionen, Privatpersonen bei kreditfinanziertem Konsum. Beides bremst das Wirtschaftswachstum.

Doch das Geld aus der Corona-Zeit reicht nicht aus

Dass die Kauflust abnimmt, ist in der größten Volkswirtschaft der Welt kein Zukunftsszenario mehr, sondern Tatsache. Hohe Preise ärgern nicht nur an der Zapfsäule lange. Der Einzelhandelsriese Walmart musste Anfang dieser Woche eine Gewinnwarnung herausgeben, die zweite innerhalb von zwei Monaten.

Kunden kaufen nur das, was sie wirklich brauchen, und offensichtlich macht eine hohe Inflation sie selektiver. Die gehegte Hoffnung, dass die Amerikaner nach der durch Corona erzwungenen Sparzeit genug Geld in der Tasche haben, um sich alle Einkaufswünsche zu erfüllen, entpuppt sich als Illusion.

Befinden sich die USA bereits in einer Rezession?

Aus rein technischer Sicht könnten sich die USA bereits in einer Rezession befinden. Dies, wenn sich heute Donnerstag herausstellt, dass das Bruttoinlandsprodukt des Landes nicht nur im ersten, sondern auch im zweiten Quartal zurückgegangen ist.

Die Zinsen massiv erhöhen, ohne die Wirtschaft zu bremsen? Die Chancen, dass Powell dies tut, sind gering. Jetzt rächt er sich dafür, dass er wie andere Notenbanker die Inflation lange unterschätzt und als vorübergehendes Phänomen abgetan hat. Jetzt muss er es von den rekordverdächtigen neun Prozent runterbringen.

Die massive Zinserhöhung hat auch einen Silberstreif am Horizont

Aber Powell macht mit seinem Versuch, die Quadratur des Kreises zu dominieren, etwas anderes: Er bereitet die Weichen für weitere Zinserhöhungen für Europas Zentralbanken, die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank. Und die USA werden folgen, daran lassen die Äußerungen der Chefs der lokalen Notenbanken wenig Zweifel.

In diesem Zusammenhang hat Powells massive Zinserhöhung einen Silberstreif am Horizont: Jeder Schritt, der zu einem Rückgang der Inflationsraten in unserem Teil der Welt führt, ist willkommen. Nur so können die Rufe mancher Politiker nach marktwirtschaftlich fragwürdigen (weil wettbewerbsverzerrenden) Maßnahmen wie der von der Regierung propagierten Benzinpreisdeckelung verstummt werden.

Andreas Köli

SRF-Wirtschaftsredakteur

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Andreas Kohli ist seit 2009 bei SRF. Davor schrieb er für St. Galler Tagblatt, die Thurgauer Zeitung, die Wirtschaftszeitung Cash und der Tages-Anzeiger.

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