Generation Z: Ist Teilzeitarbeit „unsozial“ oder „wichtig für die Gesundheit“?

Veröffentlicht am 29. Juli 2022, 20:09 Uhr

Generation Z: Ist Teilzeitarbeit „unsozial“ oder „wichtig für die Gesundheit“?

Der Teilzeittrend ist den Bürgern ein Dorn im Auge. Man kann keine teure Ausbildung absolvieren und dann freiwillig weniger arbeiten und die Vorteile nutzen. Ein nationaler SP-Berater nennt das Quatsch.

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Arbeitgeber erkennen, dass Freizeit für junge Menschen oft wichtiger ist als ihre Arbeit.

20min / Taddeo Cerletti

Für Stefan Degen, FDP-Landrat Basel-Kampanien, ist diese Lebensweise «unter Umständen gesellschaftsfeindlich». Es ist egoistisch, Leistungen vom Staat anzunehmen, weil man ein geringes Gehalt verdienen möchte.

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Auch die SVP hat wenig Verständnis für diese Arbeitsweise der Generation Z. SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr sagt: «Auf Kosten des Staates eine teure Ausbildung zu machen, aber der Gesellschaft dann nichts zurückzugeben, das ist falsch.»

20min/Celia Nogler

  • Die Generation Z will zunehmend Teilzeit arbeiten. Zeit für Freunde oder Hobbys bedeutet ihnen mehr als Geld und Karriere.

  • Bürgerliche Politiker sind darüber nicht erfreut. Er glaubt, dass nach einer teuren Ausbildung der Gesellschaft etwas zurückgegeben werden muss.

  • Die Bürger sagen auch, dass sie nicht weniger arbeiten wollen und auch von öffentlichen Zuschüssen profitieren können.

  • Die Links-Grünen setzen sich für die Generation Z ein und setzen sich voll und ganz für psychische Gesundheit ein.

Es ist noch nicht lange her, dass der gesellschaftliche Tenor lautete: Wer viel verdient, hat viel vom Leben. Jugendliche in der Schweiz sehen das jedoch zunehmend anders. Die Generation Z bevorzugt zunehmend Teilzeitarbeit. Zeit für Freunde oder Hobbies bedeutet für viele mehr als ein hohes Gehalt.

Stefan Degen, FDP-Landrat Basel-Kampanien, hält diese Lebensweise für «möglicherweise gesellschaftsfeindlich». Es ist egoistisch, Leistungen vom Staat anzunehmen, weil man ein geringes Gehalt verdienen möchte.

Menschen, die in der Tasche des Staates sind

Degen stellte im November 2021 im Kanton Basel-Kampanien ein Postulat vor. Anschliessend bat er die Regierung zu prüfen, ob bei der Gewährung von Prämienverbilligungen die Arbeitsbelastung berücksichtigt werden solle. Da die Generation Z zunehmend Teilzeitarbeit bevorzugt, denkt Degen nun über ein weiteres Angebot nach. “Es gibt Leute, die in der Tasche des Staates sind, auch wenn sie es nicht brauchen.”

Er ist der Meinung, dass Teilzeitkräfte, die sich bewusst dafür entscheiden, künftig nicht mehr nach dem tatsächlichen, sondern nach dem potenziellen Verdienst besteuert werden sollten. Dies gilt natürlich nicht für Personen, die ihre Eltern oder Kinder betreuen. „Das würde vielleicht einen Anreiz für Teilzeitkräfte schaffen, mehr für die Gesellschaft als für den eigenen Geldbeutel zu arbeiten“, sagt Degen.

Erstattung eines Teils der Ausbildungskosten

Auch die SVP hat wenig Verständnis für die Arbeitsmoral der Generation Z. SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr sagt: «Auf Kosten des Staates eine teure Ausbildung zu machen, der Gesellschaft dann aber nichts zurückzugeben, ist falsch». Eine faire und nationale Lösung in diesem Bereich zu finden, ist schwierig, aber einer Prüfung wert.

Finanzprofessor Christoph Schaltegger vom Schweizerischen Institut für Wirtschaftspolitik IWP der Universität Luzern hat eine mögliche Lösung. “Ein einfaches und unbürokratisches Modell wäre es, höhere Studiengebühren für Akademiker einzuführen oder Absolventen zu zwingen, zumindest einen Teil der Ausbildungskosten zu erstatten, wenn sie ihre Ausbildungskosten nicht decken.”

Burnouts kosten fast sieben Milliarden

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello versteht die Kritik nicht ganz. “Es ist völliger Unsinn, Teilzeitkräfte zu kritisieren und ihnen asoziales Verhalten vorzuwerfen.” Für Funiciello ist klar: Die Einstellung der Generation Z bringt nur Positives hervor. «Wir haben durch Burnouts jährliche Gesundheitskosten von fast sieben Milliarden Franken.» Funiciello ist davon überzeugt, dass die Gesellschaft im Allgemeinen davon profitiert, wenn junge Menschen mehr an ihre Gesundheit denken.

Der Politiker findet, dass der psychischen Gesundheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte und hat deshalb Ende 2021 eine Vorlage vorgelegt. Darin fordert er den Bundesrat auf, die Wochenarbeitszeit innert zehn Jahren auf 35 Stunden zu reduzieren, bei vollem Lohnausgleich für niedrige und mittlere Löhne.

Dass wir jetzt eine gesundheitsbewusstere Generation haben, sei eine gute Sache, sagt Funiciello. „Es wäre ziemlich unfair zu sagen, dass beispielsweise Teilzeitkräfte keine Familienleistungen erhalten“, sagt Funiciello.

Sorgen Sie für eine angemessene Versicherung für Teilzeitbeschäftigte

Balthasar Glättli unterstützt Funiciello. Teilzeitarbeit ist laut dem Grünen Nationalrat ein wichtiger Faktor, um Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen. „Das Ernährermodell mit 120 Prozent Beschäftigung und sein Gegenstück, das Hausfrauenmodell, haben ausgedient. Und das ist gut.”

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