Adelheid P. arbeitete 40 Jahre als Buchbinderin und pflegte gleichzeitig ihre Mutter. Heute reicht die Rente des 81-Jährigen kaum noch für das Nötigste.
„Es wird immer schwieriger. Ich weiß nicht mehr, wo es hingeht“, klagt Adelheid P. „Alles wird teurer, manchmal bezahle ich doppelt so viel für Produkte wie früher.“ Der 81-jährige Donaustädter lebt von einer Mindestrente. Nach Abzug aller Fixkosten bleibt dem Rentner nur noch wenig Geld zum Leben. Aussicht auf Besserung besteht nicht, im Gegenteil: Monat für Monat erhalten sie neue Briefe mit Zuschlägen.
40 Jahre Arbeit: Die Rente reicht immer noch nicht
„Plötzlich musste ich 100 Euro Miete zahlen. Gleichzeitig wurde mein Mietzuschuss von 58 auf 16 Euro gekürzt. Gerade in Zeiten wie diesen sollte die Förderung erhöht werden“, sagt P., die in einem Haus mit 58 Quadratmetern wohnt Meter. Wohnung im Gemeindehaus. „Am meisten Angst habe ich vor der nächsten Heizkostenabrechnung. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie die wird“, sagt er. Die 81-Jährige lebt allein, Zeit für ihre Kinder oder ihren Mann hatte sie nie, wie sie sagt: „Ich habe 40 Jahre als Buchbinderin gearbeitet und an meiner Seite meine Mutter gepflegt.“ Um der Einsamkeit zu entfliehen, beschloss die alte Frau, zwei Katzen aus dem Tierheim aufzunehmen. „Das sind meine Schläger“, lacht er. “Ich gebe auch viel Geld dafür aus, aber ich bin nicht mehr ganz allein.”
„Kasse zahlt immer weniger Medikamente“
Weil Adelheid P. aufgrund körperlicher Einschränkungen ihre Wohnung nicht ohne fremde Hilfe verlassen kann, ist sie auf Haushaltshilfe angewiesen. “Sie kauft für mich ein. Natürlich nicht in teuren Läden. Aber manchmal habe ich immer noch Angst, das letzte Mal hat sie sechs Euro für einen Toast bezahlt.” P. bekommt Lebensmittel vom Roten Kreuz. Es gibt auch eine Versicherung, die Bestattungskosten und medizinische Kosten abdeckt. „Die Krankenkasse zahlt immer weniger“, klagt der Rentner. Wenn man alles zusammenzählt, bleibt fast nichts übrig.
Laut Doris Anzengruber, Leiterin der Sozialberatung der Caritas in Wien, stiegen die Beratungen von Jänner bis April im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent. Nach Abzug der Fixkosten stehen den Kunden durchschnittlich 7,50 Euro pro Tag zur Verfügung. „Viele Menschen erzählen mir, dass sie am Ende des Monats nicht wissen, was sie mit dem wenigen Geld, das ihnen bleibt, anfangen sollen: Miete und Strom zahlen, Schulsachen für die Kinder kaufen oder den Kühlschrank mit dem Nötigsten einlagern. „Wir sprechen noch nicht über Sonderausgaben wie Klassenfahrten oder notwendige Reparaturen. In diesen Gesprächen wird deutlich, dass das soziale Netz zerbrochen ist und die Zukunftsängste zunehmen“, sagt Anzengruber.
Der Kühlschrank der Rentnerin stammt aus dem Jahr 1969 und ist die 53-jährige Denise Auer
Kaputte Sessel, Kühlschrank von 1969
„Süßigkeiten kann ich schon lange nicht mehr kaufen“, sagt Adelheid P. „Und wenn mal was kaputt geht, weiß ich sowieso nicht, wie ich das bezahlen soll.“ Ihr Kühlschrank stammt aus dem Jahr 1969, und auch den Liegestühlen sieht man ihr Alter an: „Einer ist kaputt, ich weiß nicht, wie lange die anderen halten“, sagt P. „Aber für neue reicht das Geld nicht. Ich brauche sie, also mit Armlehnen, damit ich mich beim Aufstehen besser abstützen kann.“
Adelheid P. geht nicht mehr in die Tasche, um nach Klamotten zu suchen: Was im Schrank ist, soll reichen. Für “Luxus” ist kein Geld da. Ihr größter Wunsch? „Ich wünschte, ich könnte irgendwann ins Kino gehen. Aber das wird wohl noch ein Traum bleiben“, sagt sie leise und fügt hinzu: „Aber eigentlich ist mein größter Wunsch etwas anderes: Dass Krieg nicht geht.“ Ich bin im Krieg aufgewachsen und so so etwas darf nie wieder passieren. Das ist sogar noch wichtiger.“
Nav-Compte yb Hora25.05.2022, 05:30 | Zeit: 25.05.2022, 05:30