Interview mit Gerhard Zatlokal (SPÖ) während 15 Jahren als Bezirksvorsteher

Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal (SPÖ) tritt Ende 2022 zurück. Im Gespräch mit der Bezirkszeitung blickt er auf 15 Jahre im Amt zurück.

WIEN/RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Gerhard Zatlokal (SPÖ) wählte die Ikea-Terrasse als Ort für das Interview in der Bezirkszeitung, da sie einen „schönen Blick auf den 15. Bezirk“ bietet. Im wahrsten Sinne des Wortes verliert der Bezirksleiter seinen Heimatbezirk nie aus den Augen. Er werde bis zum Schluss aktiv bleiben, sagt er.

Wer denkt, dass ein Bezirksleiter machen kann, was er will, der irrt bei Gerhard Zatlokal. Besonders die letzten zwei Jahre waren nicht einfach für ihn. „Die Umsetzung der Projekte wurde immer länger und schwieriger“, sagt Zatlokal. Auf die gewünschte Markttoilette am Schwendermarkt musste er mehrere Jahre warten.

Auch beim Verkehrskonzept von Ikea hat die Stadt nicht gehalten, was sie versprochen hat. Erst Monate nach Eröffnung des Einrichtungshauses begann die „planmäßige Umsetzung“ der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Zatlokal fühlte sich von der Stadt „enttäuscht“, musste sich vor der Bevölkerung rechtfertigen und landete deswegen in den Medien.

interne Abweichungen

Die Kommunikation hörte nicht nur bei der Stadt auf. Auch in der Nachbarschaft brodelt es seit einiger Zeit. Der nötige Rückhalt aus seiner Partei fehle, das spüre er seit 2020. Seitdem denke er auch an einen Abgang. Mehr Details will er der Öffentlichkeit aber nicht verraten. Abgesehen davon hat sein Abgang auch gesundheitliche Gründe. Aus diesem Grund übergibt er Ende des Jahres das „Zepter“ an seinen Kollegen Dietmar Baurecht (SPÖ).

An seiner Seite bleibt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Merja Biedermann (SPÖ). Zatlokal war vor allem wegen des Gürtelpools in aller Munde, den er 2020 gemeinsam mit dem Bezirksleiter des Bezirks 7, Markus Reiter (Grüne), ins Leben gerufen hatte, um „die beiden Bezirke näher zusammenzubringen“.Was ist aus dem Belt-Pool-Projekt geworden?GERHARD ZATLOCAL: Der Wortpool war Unsinn. Ich konnte es nicht mehr in den Mund nehmen. Auch wenn ich einen Platz dafür hätte. Die städtische Unterstützung war nicht mehr vorhanden und der Pool war Geschichte. Ich war damals ziemlich überrascht, dass die Idee in den internationalen Medien besser ankam.

Wo hättest du es als nächstes hingelegt?Im Auer-Welsbach-Park. Früher gab es einen Kinderpool im Freien, also dachte ich darüber nach, den Pool für mindestens einen Sommer dort einzubauen. Dafür hätten wir von der MA 42 keine Genehmigung bekommen. Ich bin mir dabei sicher.

Distrikt 15 war in vielerlei Hinsicht revolutionär, sagen Sie. Auf welche Weise?Wir waren der erste Bezirk mit einem Bildungsbezirk, der sich später auf Wien ausweitete, und einem Fairplay-Team, das das ganze Jahr über rund um die Uhr im Bezirk arbeitet. Zudem haben wir bereits 2012 als erster Kreis außerhalb des Gürtels die Parkplakette auf den ganzen Kreis ausgeweitet und sind seit 2015 der sogenannte „Klimabündnis-Kreis“, der die Auszeichnung des Wetterschutzes vergibt Das Fahrverbot vor Schulen wurde ebenfalls vor 20 Jahren umgesetzt und scheint nun in ganz Wien zu „boomen“ (Beispiel: Volksschule Marchstraße im 14. Bezirk).

Was hätten Sie gerne besser gemacht?Er hätte früher Vorkehrungen in Bezug auf besseres Wetter im Landkreis treffen sollen. Mehr Bäume und Grün statt Parkplätze wären besser gewesen. Im Nachhinein ist es schwieriger, solche Vereinbarungen zu treffen. Es hat lange gedauert, bis in den Köpfen der Menschen, auch innerhalb der Fraktion, fest verankert war, dass es notwendig ist, sich an die Zeit anzupassen. Natürlich sind wir immer noch hinter allem, mit Wasser, Bäumen, Grünflächen usw. Im Moment reicht das Geld nicht aus, um alles auf die Beine zu stellen. Leider haben wir nie gute Pressearbeit geleistet. Viele Dinge, die wir begonnen haben, haben wir nicht genug angekündigt. Vielleicht hätte uns das eine bessere Position verschafft.

Was würden Sie Dietmar Baurecht mit auf den Weg geben?Was ich ihm mitgeben werde, ist die Unabhängigkeit. Wenn du ein Ziel hast, verfolge es. Es sollte sich nicht verbiegen.

Bleiben Sie weiterhin politisch aktiv?Parteipolitik ist für mich vorbei. Auf Bezirks- oder Wiener Ebene werde ich sicher nichts machen. Bei mir ist das angehakt. Ich habe mir nie Sorgen um Stimmen gemacht, sondern um die Zukunft. Ich bin jetzt 63 Jahre alt und könnte sagen, dass „die Sintflut vorbei ist“. Das mache ich nicht. Ich werde auf jeden Fall verfolgen, was im Bezirk passiert. Die Zusammenarbeit mit Fachabteilungen war immer gut. Natürlich sind viele Dinge verloren gegangen, aber ich denke, der Stadtteil hat sich positiv entwickelt. Wir sind auf dem richtigen Weg und haben gemeinsam die Grundlagen geschaffen, auf denen wir aufbauen können.

Welche Projekte könnten 2022 noch umgesetzt werden?Mein Ziel bleibt es, mehr öffentliche Räume und offene Grünflächen im Quartier zu schaffen. Getreu dem Motto „Grüne müssen keine grüne Politik machen“. Bezüglich der Asphaltdecke Schmelz, die wir im Bezirk einsetzen möchten: Wir warten noch auf den Vertrag mit ASKÖ. Sobald wir diesen Bereich übernehmen, würde ich gerne eine Bürgerbeteiligung machen. Ich habe dieses Projekt im Fokus und hoffe, dass es bis Ende des Jahres umgesetzt werden kann.

Zum Thema

Gerhard Zatlokal tritt als Bezirksvorsteher in den Ruhestand

Dietmar Baurecht wird neuer Bezirksleiter in Rudolfsheim

Ikea-Grätzel und Schulsanierung 2022 in Rudolfsheim

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *