Gemäss SVP-Forderung: Der Energie-Sondergipfel ist umstritten

Dunkle Zeiten kommen in die Schweiz. Strom und Gas könnten bereits im Winter knapp werden. Zumal der russische Präsident Wladimir Putin (69) in Europa die Gas- und Ölhähne auf- und zudrehen kann, wie es ihm gefällt. So sehen die mehrstufigen Notfallpläne der Bundesregierung ausgerechnet für die kalte Jahreszeit Einschränkungen, Quoten und sogar Abschaltungen im Energiesektor vor.

Verantwortlich für die Misere ist für die UDC die Bundesrätin der SP, Simonetta Sommaruga (62). Sie würde ihren Job als Energieministerin nicht machen. Die SVP fordert deshalb einen sofortigen Energie-Sondergipfel: Der Bundesrat muss Parteien, Energieversorger und Wirtschaftsverbände einladen und einen klaren Massnahmenplan vorlegen, wie die Energieversorgung der Schweiz gewährleistet werden kann. Sonst soll Sommaruga die Akte liegen lassen und an Finanzminister Ueli Maurer (71) übergeben.

SP freut sich auf konstruktive Gespräche

Der Frontalangriff auf Sommaruga kommt bei den übrigen Parteien nicht gut an. Vor allem nicht in seiner eigenen Partei. Die SP spricht von “purem Populismus”. Die SVP habe einen grossen Anteil daran, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nur langsam vorankomme, so SP-Fraktionschef Roger Nordmann (49). “Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Ölkonzernen sind wir beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen heute nicht weiter.” Zudem ist Wirtschaftsminister Guy Parmelin (62) mindestens genauso für die Versorgungssicherheit zuständig.

Die Forderung der SVP nach einem schnellen Sonderenergiegipfel kommt hingegen bei den Kolleginnen und Kollegen gut an. Die SP hatte bereits ausserordentliche Gespräche von Wattenwyl mit den Bundesratsparteien zur Versorgungssicherheit in der Schweiz vorgeschlagen. Die Sozialdemokraten freuen sich dort auf konstruktive Gespräche, auch mit der SVP.

Mitte will vom Gipfel nichts wissen

Auch die Liberalen zeigen sich offen: „Der FDP ist klar, dass in dieser ausserordentlichen Situation eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundesrat, der Politik und den beteiligten Branchenakteuren notwendig ist, um eine Energieversorgungslücke zu vermeiden“, sagte Spielsprecher Arnaud Bonvin von Nau. ch zitiert Aber: Es brauche Lösungen “und keine Parteiprofile”.

Die Mitte-Partei hingegen ist wenig begeistert von einem Energie-Sondergipfel. „Und beim Gipfel kommen alle zusammen, weil das sehr wichtig ist“, spottete Nationalrat Lorenz Hess (61) auf Twitter. „Oder besser gesagt, wie immer bei solchen Nullrunden: Dann erklärt man, warum es an anderen gescheitert ist. Lächerlicher geht es nicht.“

Auch die Grünen sind skeptisch. „Ich glaube noch immer nicht an den Stromnotstand, aber es wäre gut, wenn sich alle Parteien endlich auf Kompromisse einigen könnten“, sagt die Fraktionsvorsitzende Aline Trede (38 Jahre). Dass die Forderung nach einem Energiegipfel ausgerechnet von der SVP kommt, sei nicht ernst zu nehmen: «Die SVP hat bisher wirklich alle Lösungsansätze torpediert.»

Konkrete Entscheidungen sind nicht zu erwarten

Die Grünliberalen sind zerrissen. Auch der Vorsitzende der GLP, Jürg Grossen (52), wirft der SVP “billige Kontroversen” vor. Bisher haben Sie alle Fortschritte torpediert. Die SVP ist also der völlig falsche Absender eines speziellen Energiegipfels. Aber: „Bei kurzfristigen Energiemaßnahmen gibt es noch viele Punkte, die ungeklärt oder nicht zufriedenstellend gelöst sind“, sagt Grossen. Wenn es also der Bundesrat sei, der zu einer Sondersitzung eingeladen habe, “wollen wir daran teilnehmen”.

Aber auch den Ältesten ist klar: Konkrete Entscheidungen sind von einem solchen Sondergipfel nicht zu erwarten. Allerdings könne der Bundesrat Verständnis und damit Unterstützung zwischen den Parteien erzeugen, «weil viele kurzfristige Massnahmen zweifellos unpopulär wären». Es ist wichtig, dass sie weit verbreitet sind. „Und es braucht Mut, Prioritäten zu setzen, wenn Quoten notwendig werden“, betont Grossen. “Davon habe ich noch nichts gehört. Solche Entscheidungen gehören nicht zu den Stärken von Simonetta Sommaruga und Guy Parmelin.”

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