Bundesliga: Das sind die Chancen der Schweizer

Der eine ist neuer Kapitän, der andere soll seinen Klub verlassen: Silvan Widmer und Manuel Akanji (r.) Bild: Imago/watson

Die Fußball-Bundesliga startet am Freitag in die neue Saison. Es wird weniger Schweizer geben als lange. Watson verrät Ihnen, wie die Chancen der Schweizer Spieler stehen.

04.08.2022, 15:5504.08.2022, 17:02

Ein geradezu historischer Tiefpunkt: So wenig Schweizer wie in dieser Saison gab es schon lange nicht mehr in der Bundesliga. Aktuell haben nur elf einen Vertrag bei einem deutschen Erstligisten. Weniger waren es zuletzt in der Saison 2010/11.

Weit vergessen sind die Zeiten, als die Schweiz zwischen 2013 und 2017 viermal in Folge die meisten Ausländer in der Bundesliga hatte. Früher waren es 25. Und nun ist sogar fraglich, wie viele der elf Söldner der Bundesliga zum Einsatz kommen werden. Wir verraten euch, wie es den Schweizern in ihren Klubs geht.

der Leiter

Silvan Widmer spielt erst in seiner zweiten Saison in der Bundesliga und ist nach wie vor ein fester Bestandteil seines Teams. Der Rechtsverteidiger wurde gerade zum Kapitän von Mainz 05 ernannt. „Er hat viel erlebt“, begründet Trainer Bo Svensson seine Entscheidung gegenüber „kicker“. Auch Widmer “liefert immer und hat auch abseits des Platzes einen Kopf.”

Der 29-Jährige wechselte nach der letztjährigen EM von Basel nach Mainz und zeigte von Beginn an gute Leistungen. Widmer kam in 33 Spielen zum Einsatz, wurde kaum einmal eingewechselt und trug mit vier Toren und fünf Assists auch offensiv zum Erfolg seiner Mannschaft bei. Der 31-malige Nationalspieler wird auch in dieser Saison in der Startelf stehen, obwohl die Konkurrenz um seine Position nach der Verpflichtung von Danny da Costa aus Frankfurt zugenommen hat.

Die Etablierten

Die letzte Saison dieser beiden Länderspiele hätte unterschiedlicher nicht sein können. Djibril Sow gewann mit Eintracht Frankfurt die Europa League, kam in 43 von 47 Spielen zum Einsatz und ist Trainer der Mannschaft von Oliver Glasner. Der 25-jährige Mittelfeldspieler ist seit vier Jahren Stammspieler in der Bundesliga, auch in dieser Saison gilt: Wenn Sow fit ist, spielt er. Auch in der Champions League, wo Sow bereits 2018 Erfahrungen mit YB sammelte.

Sow hatte in der vergangenen Saison drei Tore und sechs Vorlagen.Bild: Keystone

Während Sow den größten Erfolg seiner Karriere feierte, erlebte Nico Elvedi bei Borussia Mönchengladbach eine schwierige Saison. Der 25-jährige Innenverteidiger erlitt eine Formkrise, die einige Spieler aus der Mannschaft holte. Alles in allem war das Jahr unter Manager Adi Hütter für Gladbach, das nur Zehnter wurde, ein Jahr zum Vergessen. Trotzdem war Elvedi gesetzt und verpasste nur sechs Spiele. Neutrainer Daniel Farke wird wie seine Vorgänger voraussichtlich auf Elvedi setzen, der in seiner achten Saison beim Bundesligisten unterwegs ist.

Letzte Saison hatte er es nicht leicht: Nico Elvedi Bild: Wendepunkt

Das Unbestreitbare

Dass immer weniger Schweizer in der Bundesliga verpflichtet werden, hat auch mit den Torhütern zu tun. Mit Roman Bürki und Marwin Hitz verlassen zwei weitere Torhüter die Bundesliga. Bleiben also nur noch Gregor Kobel und Yann Sommer. Diese beiden sind die unbestrittenen Stammtorhüter ihrer Vereine. Kobel, 24, kam vor der vergangenen Saison zu Borussia Dortmund und wird mit Edin Terzic auch die Nummer eins sein.

29 Bundesligaspiele, acht Zu-Null-Spiele: Gregor Kobel hatte eine tolle erste Saison beim BVB. Bild: Imago

Im Sommer ist die Lage etwas unsicherer. Der Vertrag des 33-Jährigen läuft nur noch bis Juni 2023. Um einen ablösefreien Transfer zu vermeiden, soll Mönchengladbach einem Transfer nicht abgeneigt sein. Nachdem der Top-Anwärter von OGC Nizza mit Kasper Schmeichel einen neuen Torhüter gefunden hat, scheint ein Wechsel unwahrscheinlich. Zudem stand kürzlich eine Vertragsverlängerung im Raum. Fest steht: Wenn Sommer bei Gladbach bleibt, ist er der Mann zwischen den Schützlingen.

Yann Sommer (links) mit seinem neuen Trainer Daniel Farke, Bild: Imago

Diese Schweizer haben die Bundesliga verlassen

Breel Embolo (Marktwert: 15 Mio. Euro) von Mönchengladbach nach Monaco Kevin Mbabu (9 Mio. Euro) von Wolfsburg nach Fulham Andi Zeqiri (2,3 Mio. Euro) aus Augsburg (Leihe) zurück nach Brighton und dann nach Basel Cedric Itten (2 Mio. Euro) aus Fürth (Leihe) ) kehrt zu den Glasgow Rangers und dann zu YBRoman Bürki (1,5 Mio. Euro) von Dortmund nach St. LouisMarwin Hitz (1 Million Euro) von Dortmund nach BaselSaulo Decarli (300.000 Euro) von Bochum nach BraunschweigDenis Zakaria (27 Millionen Euro) von Mönchengladbach zu Juventus (bereits im Winter) Admir Mehmedi (1 Million Euro) von Wolfsburg nach Antalyaspor (bereits in Winter)

Die Vertriebenen

Für diese vier Spieler könnte die Zeit in der Bundesliga allerdings bald zu Ende gehen. Vor allem Manuel Akanji soll seinen Klub verlassen. Der 27-jährige Innenverteidiger steht bei Dortmund auf der Streikliste. Mit Nico Schlotterbeck und Niklas Süle hat Borussia im Sommer die Position von Akanji verstärkt, sodass der Schweizer nur noch vierter Innenverteidiger auf der Liste von Trainer Edin Terzic ist.

Da Süle im ersten Ligaspiel gegen Leverkusen noch verletzt war, könnte Akanji wieder zum Einsatz kommen. Danach wird es schwierig. Da sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft und der BVB auf Transfereinnahmen angewiesen ist, will der Klub Akanji nach viereinhalb Jahren wieder verkaufen. Bisher gab es jedoch kein Angebot, das zum Klub und zu den Spielern passt.

Er hat es schwer in Wolfsburg: Renato Steffen Bild: IMAGO

Die Situation von Renato Steffen und Edimilson Fernandes scheint ähnlich. Steffen war in der Rückrunde der vergangenen Saison nur Ersatzspieler bei Wolfsburg. Jetzt hat der VfL Wolfsburg seine Offensive weiter verstärkt und die Aussicht auf Einsatzzeit ist für den 30-jährigen Außenstürmer eher gering.

Gleiches gilt für Fernandes, der nach seiner YB-Leihe nach Mainz zurückgekehrt ist. Trainer Bo Svensson rügte kurz nach Trainingsbeginn, weil die Spielweise des Mittelfeldspielers nicht zum System des Dänen passe. Vor kurzem sagte Svensson: “Ich mag Edi im Moment sehr.” Das sollte aber nichts daran ändern, dass die Mainzer auf Fernandes verzichten wollen, auch wegen seines gut dotierten Vertrages. Wenn Sie bleiben, sind die Chancen, regelmäßige Aufgaben zu erledigen, ziemlich gering.

Nach einem halben Jahr bei YB ist er nun zurück in Mainz: Edimilson Fernandes.Bild: Keystone

So auch bei Nishan Burkart. Der 22-jährige Stürmer hat seit 2019 einen Vertrag beim SC Freiburg. Im April 2021 kam er für einen Kurzeinsatz von 14 Minuten. In der Bundesliga ist das bisher so geblieben. Burkart wird voraussichtlich weiterhin vor allem von der zweiten Mannschaft eingesetzt werden.

Nishan Burkart (rechts) im Freundschaftsspiel gegen den SC Freiburg Bild: imago

Die Pinata

Es ist aus sehr unterschiedlichen Gründen schwieriger, diese beiden Spieler einzuschätzen. Cédric Brunner wechselte von Arminia Bielefeld zum Aufsteiger Schalke 04. In vier Jahren bei Bielefeld gewann der 28-jährige Rechtsverteidiger den Aufstieg und stand zwei Spielzeiten lang in der Bundesliga in der Startelf. Dazu soll es auf Schalke auch gehören. Aber auch der deutsche U20-Nationalspieler Mehmet Aydin hofft auf Spielzeit. In der ersten Runde des DFB-Pokals wurde Brunner in der 73. Minute durch Aydin ersetzt.

Beim 5:0-Sieg im DFB-Pokal erwischte er einen guten Start: Schalkes Neuzugang Cédric Brunner. Bild: imago

Ruben Vargas wird das erste Bundesligaspiel des FC Augsburg verpassen. Der Nationalspieler zog sich vor dem Spiel der Nations League gegen Portugal eine Muskelverletzung zu. Wann genau er zurückkehrt, ist noch unklar. Sobald er fit ist, wird er definitiv in Aktion treten. Auf wen der neue Trainer Enrico Maaßen setzt, bleibt aber abzuwarten. Arne Maier spielte in der Vorbereitung vor allem auf der Position von Vargas auf dem linken Flügel.

Er war der Letzte, der noch in der Weiterbildung war: Ruben Vargas.Bild: imago

Die Trainer

Die Entwicklung der Trainer ist schön. Mit Urs Fischer und Gerardo Seoane nehmen zwei Schweizer Trainer an der Bundesliga teil. Fischer genießt seit seinem Aufstieg bei Union Berlin ein hohes Ansehen. Dass sich der Zürcher Spielerklub zum zweiten Mal in Folge für einen europäischen Wettbewerb qualifizierte, steigerte seinen Bekanntheitsgrad bei den Eisernen zusätzlich.

Genießt ligaweit einen guten Ruf: Urs Fischer Bild: imago

Auch Seoane hatte in seiner ersten Saison in Leverkusen eine gute Position. Mit seinem respektablen Offensivfussball, der bereits für YB spielte, führte er die «Werkself» auf die beste Ligaposition seit der Saison 2015/16. Geschäftsführer Fernando Carro sprach gegenüber „Sport Bild“ über einen „hervorragenden Trainer, von dem wir hoffen, dass er noch lange in Leverkusen bleibt“.

Der Bundesliga-Dritte der vergangenen Saison spielt nun in der Champions League. Eine dreifache Aufladung wird es jedoch nicht geben. Am vergangenen Wochenende scheiterte Leverkusen im DFB-Pokal am Drittligisten Elversberg. Allerdings sei dies bereits vorgezeichnet, sagte Seoane der „Bild“. Leverkusen startet am Samstagabend in Dortmund in die Bundesliga-Saison.

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