Schlesinger-Skandal beim RBB zieht weitere Kreise

Von der BZ-Redaktion

Der Schlesinger-Skandal beim RBB: Er wird immer breiter. Nicht nur, dass die Mitarbeiter sauer sind! Zwei weitere leitende Angestellte aus Schlesingers Kreis mussten am Dienstag gehen.

► Die Leiterin der Hauptabteilung, Verena Formen-Mohr, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher des öffentlich-rechtlichen Senders der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der “Spiegel” berichtet. Nähere Angaben zu den Gründen der Ausnahme machte der Sender nicht.

Verena Formen-Mohr beim ARD-Hauptstadttreffen Foto: picture alliance / AAPimages/

► Der in die Kritik geratene Aufsichtsratsvorsitzende der Messe Berlin, Wolf-Dieter Wolf, tritt zurück. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag: „Herr Wolf-Dieter Wolf hat heute dem Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Stephan Schwarz, sein Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Messe mitgeteilt Berlin und damit auch den Rücktritt des Aufsichtsrats mit sofortiger Wirkung zu präsidieren, um möglichen Schaden von der Messe Berlin GmbH abzuwenden und auch die laufenden Ermittlungen nicht zu belasten.”

Messe-Aufsichtsratsvorsitzender Wolf-Dieter Wolf legt sein Amt nieder Foto: picture alliance/dpa

Mitarbeiter sind sauer

Doch das reicht einigen RBB-Mitarbeitern nicht! Bei einer RBB-Digital-Betriebsversammlung am Dienstag gab es zudem klare Rücktrittsforderungen der gesamten Geschäftsführung! Hier haben die Teilnehmer berichtet. Etwa 1500 Mitarbeiter kamen.

Zu den Themen gehören den Angaben zufolge unter anderem die Kosten für Bauarbeiten am Haus und flexible Gehaltsbestandteile für Manager, sogenannte Bonuszahlungen.

Die Stimmung sei angespannt, hieß es. Es gibt eine Mischung aus Wut, Verzweiflung und Fassungslosigkeit.

Die Politik fordert Reformen

Unterdessen gehen die Rufe nach Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter. Die Linke in Berlin und Brandenburg forderte eine Rundfunkreformkommission, die sich mit Strukturen, Transparenz, Offenlegung von Beraterverträgen und anderen Themen befassen soll. Auch die Beschäftigten müssten sich einbringen, betonten die medienpolitischen Sprecher der Linksfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus und im brandenburgischen Landtag, Alexander King und Thomas Domres, am Dienstag in Potsdam.

Domres sagte, es dürfe kein Verbot geben, über anstehende Reformen nachzudenken. Auch die hohen Gehälter der großen Sender sollten auf den Prüfstand gestellt werden. Dazu soll die ARD eine unabhängige Kommission einsetzen, die Vorschläge für Intendanten- und Intendantengehälter vorlegen könnte. Bonussysteme mit Zuschlägen auf Managergehälter sind grundsätzlich nicht akzeptabel.

Bei der Aufklärung der Vorwürfe, die zu Schlesingers Rücktritt geführt haben, muss sich Wolf mehr konzentrieren. Zum Problemkomplex gehört auch die Doppelrolle als Immobilienunternehmer beim RBB und als Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Messe. Diese Fusionen sollten in Zukunft verworfen werden. Tritt Wolf nicht von seinem RBB-Amt zurück, soll ihn der Rundfunkrat abberufen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Hauptstadtregion sei trotz der aktuellen Krise unverzichtbar, sagte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Gegnern, die den Fall Schlesinger nun nutzen, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk anzugreifen, droht eine klare Absage.

Der Fall Schlesinger

Die Journalistin Patricia Schlesinger, die den RBB seit 2016 leitet, ist am Sonntagabend von ihrem Posten als Intendantin zurückgetreten. Zuvor hatte er den Vorsitz der ARD, den er seit Anfang des Jahres innehatte, niedergelegt.

Die bisher ungeklärten Vorwürfe reichen von fragwürdigen Beraterverträgen über ein nun auf Eis gelegtes RBB-Bauprojekt, eine satte Gehaltserhöhung für Schlesinger auf 300.000 Euro und ein zusätzliches Prämiensystem.

Dazu gibt es vom RBB bezahltes Essen mit „Multiplikatoren“ in der Privatwohnung und einen Luxus-Dienstwagen mit Massagesitzen, der stark vergünstigt gewesen sein soll.

Schlesingers Mann erhielt Aufträge von der staatlichen Messe Berlin, wo Wolf auch Chefinspektor ist. Auch die Chefetage soll für 650.000 Euro hochwertig ausgestattet worden sein, hieß es.

Unterdessen führt die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Schlesinger, ihren Mann und Wolf wegen des Verdachts der Untreue und Vorteilsannahme.

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