EVN erhöht im September die Preise, viele können den Strom nicht mehr bezahlen. Aber wann sperrt die EVN den Strom und wer kann in Raten zahlen?
Im heißen August frösteln viele Menschen bereits vor dem nahenden Winter und den horrenden Strom- und Gasrechnungen, die Haushalte in Niederösterreich und Wien treffen werden. Denn kurz vor Beginn der Heizsaison erhöht die EVN die Preise; mehr Informationen dazu hier.
Die EVN hat Anfang der Woche rund die Hälfte ihrer 600.000 Strom- und 300.000 Gaskunden über die anstehende Preisanpassung angeschrieben. Einzige Ausnahmen waren Festzinskunden und Variabelzinskunden.
Aber der erste Teil des Schreibens besagt nur, dass die Preise von nun an statt nur einmal jährlich zweimal jährlich angepasst werden dürfen bzw. dürfen. Außerdem wurde über Ratenzahlungen und „bestimmte Änderungen“ des Vertragsgegenstandes gesprochen; mehr Informationen hier.
Bei den Gebühren folgte „Heute“ der EVN: „Wir werden bei Ratenzahlungen völlig flexibel sein. Noch flexibler als bisher“, verspricht Unternehmenssprecher Stefan Zach und betont: „Wir werden versuchen, in jedem Einzelfall eine gute Lösung zu finden.“
Kein Halt, sondern Reklamation
Schon vor dem Informationsschreiben musste sich der Energieriese mit der Arbeiterkammer Niederösterreich auseinandersetzen. „Wir haben uns schließlich auf eine Aussperrungsfreistellung für Privathaushalte vom 1. Dezember 2022 bis 31. März 2023 geeinigt“, erklärt Zach. Das bedeutet: Grundsätzlich sollten die meisten Menschen im Winter nicht frieren. Aber: Wer massiv mit Zahlungen im Rückstand ist, ist noch lange nicht aus dem Schneider. Da Zahlungsrückstände wohl nicht einfach beseitigt werden, werden sie zurückgerufen und ggf. eingeklagt.
Kein Strom im kalten April…
Und: Besonders hartnäckigen Nichtzahlern drohen im kalten November oder noch kalten April Stromausfälle. Die Heizperiode in Österreich dauert in der Regel vom 1. Oktober bis 30. April. Da die EVN die Preise jetzt zweimal im Jahr anpassen kann, ist die nächste Erhöhung im schlimmsten Fall der 1. April. Nur: 2022 wurde die Preiserhöhung – unsozial – bereits im September vorgezogen, obwohl die EVN Rekordumsätze erzielt hatte.
Eine Kilowattstunde Strom kostet mittlerweile satte 35 Cent bei 12 Monaten Preisgarantie, Gas etwa 15 Cent. Zum Vergleich: Letztes Jahr um diese Zeit kostete eine kWh Gas etwa 2 Cent, Strom weniger als 10 Cent.
“Halt die Klappe”
Die Wartezeiten am Servicetelefon der Energieversorger liegen derzeit bei ca. 2 Stunden und mehr. „Schon 100 Minuten anstehen, weil ich ein paar Informationen zum Tarif und zur Tariferhöhung brauche! Kann ein Megakonzern angesichts der deutlich steigenden Nachfrage nicht mehr Call-Center-Mitarbeiter einstellen? Wir haben einen langen Weg zurückgelegt. So zahlen Kunden jetzt folge, bezahle und sei still!” sagt Kundin Sabine F.
Nav-Account Lügenzeit09.08.2022, 19:16| Veranstaltung: 09.08.2022, 19:23