Von Jörg Löbker, Frank Schneider, Nicole Biewald und Anne Losensky
Marcus R. (44) stellte sich seinen Eltern als netter Mann an seiner Seite vor und bot seine Dienste als Babysitter an. Als der Computerexperte mit den Kindern allein war, habe er sie oft missbraucht, sagen die Forscher.
Er filmte und fotografierte seine Taten und schickte die widerlichen Bilder an mindestens 73 weitere Pädophile.
Das Monster Wermelskirchen (35.000 Einwohner, NRW) sitzt seit Dezember in Haft. Das Ausmaß ihres Vorgehens gaben die Ermittler erst am Montag bekannt. „Ich habe nur einen kleinen Teil von dem angeschaut, was wir bekommen haben“, sagt Polizeipräsident Falk Schnabel (52).
Er fügte hinzu: „Ich habe noch nie ein Maß an unmenschlicher Brutalität und grausamer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden kleiner Kinder, dem Schmerz, ihren Schreien und ihrer offensichtlichen Angst erlebt.“
► Sie machten den 44-Jährigen ausfindig, der gegen einen seiner Chatpartner in Berlin ermittelte. Und das ist laut „Focus Online“ kein Geringerer als Sönke G. (28 Jahre alt), der Anfang Mai zu 12 Jahren Haft verurteilt wurde.
Sönke G. schloss in Berlin für immer
Sönke G. ist freiberuflich in der Berliner Kulturszene tätig und gab sich wie Marcus R. auch als Babysitter aus. Viele Jahre war er als ehrenamtlicher Verein mit beschränkter Haftung bei Berliner Familien vermittelt. Vor Gericht hat er alles gestanden, er ist voll schuldig.
Der Beweis? zermalmen. 95 Verbrechen, akribisch von ihm gefilmt. Mehr als die Hälfte von ihnen wird schwer misshandelt. Sieben Kinder erlitten unbeschreibliche Qualen.
Im Februar 2019 traf Sönke G. sogar Marcus R. in der Hauptstadt. G. soll dem Computerspezialisten im Zoo ein behindertes Kind geschenkt haben.
► Das LKA Berlin traf Marcus R., weil er mit dem Kinderschänder der Hauptstadt geplaudert hatte. Die Akten gingen nach Köln, die Telefone des Computerexperten wurden abgehört. Am 3. Dezember dominierte das SEK den 44-Jährigen zu Hause während einer Videokonferenz mit seinen Mitarbeitern.
Polizisten durchsuchten das Haus, in dem R. 17 Tage lang mit seiner Frau lebte. 30 Terabyte an Daten wurden beschlagnahmt – ein Terabyte entspricht einem 25 Kilometer hohen Papierstapel. Eine Festplatte enthielt fünf Millionen Daten, 3,5 Millionen Bilddateien und 1,5 Millionen Videos. „Wir haben 300 Beweismittel, davon 232 Datenträger“, sagte Kriminalhauptkommissar Jürgen Haese (57).
Marcus R. sammelt seit 1993 Kinderpornografie, tauscht Bilder und Videos mit Pädophilen aus ganz Deutschland aus. Laut “Focus” tauschte er sich mit anderen Männern darüber aus, Kinder ertrinken zu lassen.
Und er selbst hat Kinder missbraucht: Allein zwischen Anfang 2005 und Mitte 2019 können inzwischen 18 Missbräuche nachgewiesen werden. Die Opfer: zehn Jungen und zwei Mädchen zwischen einem Monat und 14 Jahren, einige sogar behindert. „Er kam unter anderem über Kleinanzeigen bei Ebay mit seinen Eltern in Kontakt“, sagt ein Forscher.
Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Untersuchungshaft beantragt werden kann, damit Marcus R. nie wieder freikommt.
Bietet anonyme und kostenlose Beratung
Haben Sie den Verdacht, dass ein Kind in Ihrem Umfeld missbraucht oder misshandelt wird? Haben Sie etwas gesehen, das Sie beunruhigt? Dann können Sie sich (anonym) an die Helpline Sexueller Missbrauch wenden: 0800 22 55 530.
Unter der Rufnummer 116 111 können missbrauchte Kinder und Jugendliche von Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr Hilfe erhalten. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Internet mit Beratern zu chatten.
Wer ein Gespür für pädophile Neigungen hat, findet im Projekt „Sei kein Täter“ der Berliner Charité Ansprechpartner. Kostenlose Informationen sind im Internet und unter 030 450 529 450 erhältlich. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht.