Monkeypox: Ein Politiker wirft BAG vor, die Kampagne zu stigmatisieren

Gepostet am 1. Juni 2022, 13:02 Uhr

Schwule Männer stehen im Zentrum der Affenpocken-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit. Ein LPG-Landesrat hält die Kommunikation für fatal.

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Die BAG-Kampagne gegen Affenpocken wurde in den sozialen Medien kritisiert.

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„Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, scheinen derzeit ein zusätzliches Infektionsrisiko zu haben“, schreibt sie auf ihrer Website. Auch Schwule stehen im Fokus der Kampagne.

WHO / Nigeria Center for Disease Control

“Schade! Das BAG trägt dazu bei, dass Männer wieder stigmatisiert werden”, schrieb ein Facebook-Nutzer.

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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zielt mit seiner Kampagne darauf ab, Affenpocken bei schwulen Männern zu verhindern. „Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, scheinen derzeit ein zusätzliches Infektionsrisiko zu haben“, schreibt sie auf ihrer Website. Auch Schwule stehen im Fokus der Kampagne. In den Broschüren darunter drei Affen-Emojis: „Affenpocken: Aktuelle Empfehlungen für alle Männer, die Sex mit Männern haben.“ In den sozialen Medien gab es dafür Kritik.

“Schade! Das BAG trägt dazu bei, dass Männer wieder stigmatisiert werden”, schrieb ein Facebook-Nutzer. Mehrere User sprechen von „schade“. Ein Benutzer ist der Meinung, dass das Posten von Affenpocken verboten werden sollte. „Sie richtet sich an Randgruppen, ist diskriminierend und basiert auf keinerlei wissenschaftlichen Grundlagen.“ Auf Instagram äußerte sich ein Nutzer „dumm und traurig für diesen Beitrag“. Wir sind alle gleich. „Und so freue ich mich über einen Beitrag, der allen gefällt!“

Deshalb hat LPG-Nationalrätin Katja Christ einen Antrag mit dem Titel „Stigmatisierende Kommunikation durch das BAG“ eingebracht. Heute legen Politik und Gesellschaft großen Wert auf Gender und Gleichstellung, sagt er in 20 Minuten. “Ich fordere die Bundesregierung auf, bei diesen Themen viel sensibler zu sein.”

„Fazit an die gesamte Bevölkerungsgruppe“

Aktuell bestätigt das BAG vier Pockenfälle in der Schweiz. Christ will vom Bundesrat unter anderem wissen, warum er «nur aus der Denunziation von vier Fällen einer bestimmten Personengruppe» auf eine Risikoerhöhung für alle Menschen mit demselben Persönlichkeitsmerkmal geschlossen habe. Er fragt auch, wie die Bundesregierung ihre Kommunikation einordnet.

Die WHO sagte am Montag, dass die meisten bisher dokumentierten Fälle bei schwulen und bisexuellen Männern und ihren Sexualpartnern gefunden wurden. Für Katja Christ legitimiert das auch nicht den Ton der BAG-Kampagne. „Das BAG stellt in seiner Mitteilung nichts fest, sondern zieht aus den wenigen Affenpocken-Fällen Rückschlüsse auf eine ganze Bevölkerungsgruppe.“ Diese Kommunikation ist fatal. “Infolgedessen wollen die Infizierten nicht gehen, weil sie möglicherweise Schuldgefühle entwickeln, weil sie Pockentreiber des Affen sind.”

Außerdem könne die Übertragung laut Christ nicht von der sexuellen Orientierung abhängen. Angelo Barrile, SP-Nationalrat, Hausarzt und Vorstandsmitglied der Schwulenorganisation Pink Cross, zieht ein ähnliches Fazit. „Aus medizinischer Sicht gibt es keinen Grund, warum Pocken hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr von Mann zu Mann übertragen werden sollten“, sagte Pink Cross kürzlich in einer Pressemitteilung. In dieser Gruppe dürfte das Virus eher versehentlich übertragen worden sein.

“Geschlossene Gay-Saunen wären schlecht”

Das BAG hält an seiner Mitteilung fest. Vorhandene Daten und Informationen würden international ausgewertet, schreibt BAG-Mediensprecher Daniel Dauwalder auf Anfrage. Es gibt noch viele offene Fragen. „Allerdings ist ein Großteil der Pockenfälle in Europa bei Männern aufgetreten, die Sex mit Männern haben. Es ist noch unklar, ob dies ein Zufall ist.“

Wichtig sei es, so Dauwalder, dort anzusetzen, wo die Infektion stattgefunden habe, und die Betroffenen entsprechend zu sensibilisieren. «Dank unserer langjährigen Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz ist diese Zielgruppe schnell erreichbar.» Das BASP hat die Kommunikation in enger Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz entwickelt und beauftragt, weitere Informationen für diese Zielgruppe zu erarbeiten.

Pink Cross unterstützt die BAG-Aktion. Aufklärung und Prävention für diese Gruppe seien der richtige Weg, da Affenpocken derzeit hauptsächlich MSM betreffe, sagt CEO Roman Heggli. “Es wäre ein Fehler, wenn die Politik in Repression enden würde und zum Beispiel schwule Saunen geschlossen würden.” Die empörten Reaktionen auf die Kampagne sind jedoch ein verständliches Spiegelbild. “Früher wurden Schwule immer als krank abgestempelt.”

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