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Free & Virgin Shows waren bekannt für Kämpfe und brennende Clubs. Die Organisatoren holten Metal- und Punk-Legenden in die Schweiz, als die lokale Szene noch in den Kinderschuhen steckte, und leisteten Pionierarbeit.
Wer sich seit Mitte der 70er Jahre für knallharte Konzerte in der Schweiz interessierte, kam um einen Namen nicht herum: Free & Virgin. Hinter dem Oben-ohne-Nixen-Logo steckten zwei junge Männer namens Heinz Meier und Harry Sprenger.
Während der Platzhirsch und Konkurrent Goodnews bekannte Acts ins Hallenstadion holte, organisierte Free & Virgin Konzerte in kleineren Spielstätten wie dem Albisgüetli, dem Drahtschmidli (heute Dynamo) und vor allem dem Volkshaus.
Bildunterschrift: Stolze Metalheads: Harry Sprenger und Heinz Meier († 2021) in den Anfängen von Free & Virgin (1971 -2011). ZVG
Das Herz von Free & Virgin schlug für Rockmusik, obwohl der Veranstalter einen Riecher für zukünftige Trends hatte: So brachte er 1977 die Ramones und The Clash in die Schweiz, dazu zwei ganz junge Bands namens Die Toten Hosen und Die Ärzte. Zudem trat 1984 erstmals in Europa eine Band auf der Volkshausbühne auf, die später in die Musikgeschichte eingehen sollte: Metallica.
Metallica in der Umkleidekabine eingesperrt
Der Auftritt der Gruppe Ami soll legendär werden. Nicht nur, weil ihre Musik gut ankam: Wie Sprenger später in der Music-Night-Show sagte, „dekorierten“ Metallica aus purer Freude über ihren Erfolg den Schrank mit Essen.
Da sie mittellos waren und daher die Reinigung nicht bezahlen konnten, sperrte Sprenger die Metallica-Jungs schnell in den Schrank und stellte Sicherheit vor sie. Die Band debütierte erst, als ein Vertreter einer Plattenfirma kam und 200 Franken zum Abräumen auf den Tisch legte.
Die wilden Achtziger waren geprägt von gesellschaftlichen und musikalischen Umbrüchen. Free & Virgin hatten den Mut, die neuen Metal- und Punkbands in die Schweiz zu bringen. Sie haben die Underground-Musikszene maßgeblich geprägt.
Starker Anstieg, starker Abstieg
In den 1980er Jahren kam Stefan Matthey zu Free & Virgin. 1996 übernahm er gemeinsam mit Sprenger die Geschäftsführung. Da seien sie schon ein bisschen “als Scouts” unterwegs gewesen, sagt er.
Sein Alltag war „organisiertes Chaos“. Mit ihren zerknüllten Quittungen brachten sie den Buchhalter meist zur Verzweiflung.
Im Laufe der 1980er und 90er Jahre wurden die von Free & Virgin veranstalteten Shows immer größer. Als für das Sonisphere Festival in Basel 2011 statt der erwarteten 40’000 nur 21’000 Tickets verkauft wurden, musste der Veranstalter Konkurs anmelden.
Bildunterschrift: 2010 mussten sich Stefan Matthey (Mitte) und Harry Sprenger (rechts) bei einer Pressekonferenz verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, am Sonisphere Festival in Jonschwil unzureichende Sicherheitsmassnahmen getroffen zu haben. Keystone/Regina Kühne
Es folgte eine Anklageschrift des Obergerichts Zürich. Der Vorwurf: Misswirtschaft. Zudem seien die Angaben zu den verkauften Tickets gefälscht und damit die SUISA betrogen worden. 2018 sprach das Bundesgericht Sprenger von allen Anklagepunkten frei.
Früher war es mehr Rock ‘n’ Roll
“Die Organisation war früher Rock’n’Roll. Heute ist jedes Konzert ein Börsengang“, sagt Matthey, der inzwischen als CEO von Goodnews arbeitet. Da mit dem Verkauf von Schallplatten und CDs kaum noch Geld zu verdienen ist, sind Konzerte wichtiger geworden. Folglich jonglieren sie mittlerweile mit Zahlen als mit einer Single unabhängige Reiseveranstalter wie Free & Virgin konnten da nicht mehr mithalten.
Nahezu alle großen Outdoor-Festivals haben einen internationalen Konzern hinter sich. Das Konzertgeschäft ist zu einer global organisierten Industrie geworden: Eigenständiges Management ist nur noch im Kleinen möglich.
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Co-Gründer Heinz Meier begann 2020 ein Buch über seine Zeit bei Free & Virgin zu schreiben. Dazu kontaktierte er den Autor und Verleger Lurker Grand. Meier starb im April 2021 an einem Herzinfarkt, ohne das Buch fertigzustellen.
In der Gedenkausstellung und Publikation free & virgin – heinz meier «rock, chole & chaos» präsentiert Lurker Meiers Grand Fragments und Texte sowie eine Reihe eingeladener Beiträge.
Die Ausstellung “Rock, Chole & Chaos” findet vom 15. September 2022 bis 20. Oktober 2022 in der Photobastei Zürich statt.