Mukoviszidose-Therapie: Früh üben

Mukoviszidose ist immer noch unheilbar. Neuer Behandlungsansatz: Eine Kombination von Medikamenten, die den zugrunde liegenden Defekt korrigiert. Eine Studie untersucht nun die Anwendung bei Kindern.

Mukoviszidose ist die häufigste tödlich verlaufende Erbkrankheit in Deutschland. Ein Defekt im CFTR-Ionenkanal auf der Oberfläche von Schleimhautzellen stört deren Transport von Salz und Wasser, wodurch sie zu zähflüssige Sekrete produzieren. Besonders betroffen ist die Lunge, die durch zähflüssigen Schleim verstopft und Krankheitserreger schlechter transportieren kann. Die Folgen sind chronische Infektionen und Entzündungen der Atemwege, die zu einem fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion und Atembeschwerden führen – im schlimmsten Fall erfordert dies eine Lungentransplantation. Während früher die Betroffenen starben, bevor sie das Erwachsenenalter erreichten, liegt die Lebenserwartung heute bei rund 55 Jahren. Dieser Erfolg ist vor allem auf eine bessere Behandlung der Symptome zurückzuführen.

CFTR-Modulatoren: die Geheimwaffe bei Mukoviszidose

CFTR-Modulatoren, Medikamente, die nicht nur die Symptome, sondern auch den ursächlichen Defekt angreifen, indem sie die Funktion der Ionenkanäle verbessern, gibt es erst seit wenigen Jahren. Bei fast 90 Prozent der Mukoviszidose-Patienten wird der Kanaldefekt durch einen spezifischen Fehler im CFTR-Gen, die sogenannte F508del-Mutation, ausgelöst.

Seit August 2020 ist in Europa eine Kombination aus drei CFTR-Modulatoren (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor) erhältlich, die die Ionenkanalfunktion bei Patienten mit einer Kopie dieser Mutation auf etwa 50 Prozent des Normalwerts steigern kann, also bemerkenswert. Verbesserung der Lungenfunktion und Lebensqualität. „Das war ein Meilenstein in der Behandlung der Mukoviszidose“, erklärt Professor Marcus Mall, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie und Leiter der Kinderklinik und des Christiane-Herzog-Centrums für Mukoviszidose der Charity. „Allerdings konnten bisher nur Betroffene ab 12 Jahren behandelt werden, weil neue Medikamente traditionell nur bei Erwachsenen getestet und zugelassen werden. Allerdings wollen wir die ursächliche Therapie so früh wie möglich im Krankheitsverlauf durchführen, um irreversible Lungenschäden gar nicht erst zu verhindern. Dazu müssen wir Patienten schon im Kindesalter behandeln. Dass dies für Grundschulkinder durchaus möglich und sehr effektiv ist, konnten wir nun zeigen.“

Neue Triple-Therapie auch für Kinder?

Zu diesem Zweck untersuchte Mall zusammen mit internationalen Partnern die Auswirkungen der Dreifachtherapie bei 121 Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren, die mindestens eine Kopie der F508del-Mutation in ihrem Genom aufwiesen. Die in zehn Ländern durchgeführte Studie war als randomisierte placebokontrollierte Studie angelegt, bei der etwa die Hälfte der Betroffenen die Wirkstoffkombination etwa sechs Monate lang erhielt. „Leider sind solche klinischen Studien in der Arzneimittelentwicklung für Kinder noch zu selten“, sagt Mall. „Bei Kindern werden häufig keine Kontrollgruppen untersucht, sondern aus Studien mit Erwachsenen Rückschlüsse auf die Wirkung bei Kindern gezogen. Kinder sind aber keine kleinen Erwachsenen, daher sind qualitativ hochwertige Studien sehr wichtig für die Entwicklung von sicheren und wirksamen Arzneimitteln.“

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Die aktuelle Studie zeigte, dass die Behandlung die Funktionalität des CFTR-Ionenkanals deutlich erhöhte und damit die Lungenfunktion und Lebensqualität der Kinder verbesserte. Insgesamt zeigte die Therapie ein gutes Sicherheitsprofil und wurde von den Kindern gut vertragen. Die Nebenwirkungen entsprachen denen, die bereits bei älteren Patienten beobachtet wurden. „Ich war überrascht und sehr glücklich zu sehen, dass die Kinder trotz des frühen Krankheitsstadiums und der kurzen Behandlungsdauer bereits einen positiven Effekt bemerkten“, sagt Mall. „Diese Ergebnisse haben dazu beigetragen, dass die Europäische Arzneimittelagentur Anfang des Jahres die Triple-Therapie für Kinder ab 6 Jahren zugelassen hat, sodass wir sie bereits ab diesem Alter einsetzen können. Ich hoffe, dass die jetzt mögliche frühere Behandlung des zugrunde liegenden Defekts die Gesundheit von Mukoviszidose-Patienten nachhaltig verbessern wird.”

Experten wollen noch früher ansetzen

Im nächsten Schritt will das Forscherteam prüfen, ob die Wirkstoffkombination auch für jüngere Kinder geeignet ist. Denn Mukoviszidose kann mittlerweile im Rahmen des Neugeborenenscreenings in den ersten Lebenswochen diagnostiziert werden. „Damit können wir Menschen mit Mukoviszidose jetzt schon bei Neugeborenen ursächlich behandeln und hoffentlich frühzeitige Schäden an der Lunge und möglicherweise anderen betroffenen Organen wie der Bauchspeicheldrüse verhindern. Wir nähern uns langsam diesem Alter. Aktuell prüfen wir die Sicherheit und Wirksamkeit von Triple-Therapie bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren”, erklärt Mall.

Dieser Artikel basiert auf einer Pressemitteilung der Charité Berlin. Wir haben hier und im Text auf die Studie verlinkt.

Bildnachweis: Ben Wicks, Unsplash

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