1. Juni 2022 um 16:35 Uhr
Kampf gegen kriminelle Strukturen: Großflächige stadtweite Kontrollen gegen Duisburger Clans
12 Bilder Stadtweite Großkontrollen gegen die Duisburger Clans
Foto: Christoph Reichwein (erstellen)
Duisburg Die Duisburger Polizei geht seit dem Nachmittag mit Nachdruck gegen kriminelle Familienstrukturen vor. Die Hauptkontrollen finden fast im gesamten Stadtgebiet statt. Niederländische Beamte sind ebenfalls anwesend.
Es war am Mittwoch kurz nach 16 Uhr, als die Polizei Teile der Rheinbrücke in Duisburg-Rheinhausen für den Autoverkehr sperrte und eine großflächige Verkehrskontrolle einrichtete. Polizisten fahnden nach auffälligen Autos und Insassen, die dem Umfeld des Clans zugeordnet werden könnten. Gleichzeitig werden auf mehreren zentralen Straßen und Durchgangsstraßen in der Duisburger City Verkehrskontrollen durchgeführt. Nach Informationen unserer Redaktion richtet sich die Maßnahme gegen Clan-Kriminalität. Rund 150 Polizisten sollen im Einsatz sein, darunter hundert. Mit dabei sind auch die Stadt Duisburg sowie Polizisten der Bundespolizei und der Niederlande.
Die Polizei hält jede Minute Autos an. Kurz vor 17 Uhr zog die Polizei einen roten Mercedes-Sportwagen von der Duisburger Rheinbrücke der Solidarität in den Stau. Der Fahrer wird aufgefordert, sein Fahrzeug und seinen Führerschein vorzuzeigen. “Ich habe nichts gemacht. Warum halte ich an? Nur weil ich ein teures Auto fahre?”, fragt er. Die Bullen antworten nicht, aber überprüfen das Auto, seine Papiere und Details. Er stieg aus und nach 20 Minuten ließ ihn die Polizei fahren.
Ein Duisburger Polizeisprecher sagte: „Das Besondere an der Maßnahme ist, dass sie diesmal zeitgleich nördlich von Duisburg und südlich der Stadt durchgeführt wird.“ Die Maßnahme ist Teil der Null-Toleranz-Linie gegenüber kriminellen Familienstrukturen. „Wir suchen hochwertige Fahrzeuge und Führerscheininhaber und natürlich Medikamente“, sagte der Sprecher. Auch die Straßen des Duisburger Rotlichtviertels sind abgeschnitten. Die Duisburger Polizei geht auf diese Weise regelmäßig gegen Clans in ihrer Stadt vor. Der Schwerpunkt des Einsatzes soll nördlich von Duisburg um Marxloh und den Raum Hochfeld liegen. „Wir haben keine konkreten Haftbefehle, die wir durchsetzen wollen. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass wir sie beobachten und dass sie nicht ein paar ruhige Minuten vor sich haben“, sagte die Polizei.
Möglicherweise findet die Polizei während der Aktion auch weitere Hintergrundinformationen zu der Schießerei im Duisburger Norden. Vor wenigen Wochen wurden vier Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern noch an. Duisburg ist nach Essen die Hochburg der kriminellen Clans in Nordrhein-Westfalen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte den Kampf gegen diese Strukturen zur obersten Priorität erklärt. Seit der Polizeioffensive gegen die Clans wurden mehr als 2.000 Kontrollaktionen durchgeführt, bei denen mehr als 5.000 Objekte wie Shisha-Bars, Freizeitgalerien, Glücksspiel- und Friseurläden durchsucht wurden. Bis Ende 2021 hat die NRW-Polizei rund 2.900 Strafverfahren und 6.500 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten gegen Angehörige der kriminellen Sippe verfasst.
Neben der Polizei geht auch die Justiz massiv gegen die Duisburger Clans vor. Seine Maßnahmen spiegeln sich auch in den Anklagen wider. Seine Quote lag bei der Staatsanwaltschaft Duisburg im vergangenen Jahr bei 43,5 Prozent. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt lag bei rund 20 Prozent. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hat vor dreieinhalb Jahren die Spezialeinheit der Ermittler gegen die Clan-Kriminalität bei der Staatsanwaltschaft Duisburg eingerichtet. Staatsanwälte sind daher ein wichtiger Bestandteil der Null-Toleranz-Strategie der Landesregierung. Allein in Duisburg haben Staatsanwälte mehr als 100 arabische Familienclans identifiziert, die über die ganze Stadt verteilt sind, wobei die Aufmerksamkeit weiterhin nördlich von Duisburg auf Marxloh, Hamborn und Laar gerichtet ist.
Aber auch auf der linken Rheinseite, etwa in Hochheide und Rheinhausen, sind die Clans tief verwurzelt. Geforscht wird mittlerweile auch im Kreis Wesel, der direkt an der Stadt liegt, also in deutlich ländlicheren Strukturen. „Von Marxloh bis Dinslaken ist das ein mehr oder weniger großes Gebiet, in dem Clans die Umwelt dominieren“, sagt ein Forscher.
Auch im Duisburger Rotlichtviertel patrouilliert die Polizei. Vor den Etablissements und dem ehemaligen Hauptquartier der Rockgruppe Badidos wurde ein Straßeneinschnitt eingerichtet. Es gibt eine Reihe hochpreisiger Fahrzeuge, die die Polizei abgelehnt hat.
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(csch)