Repression gegen Uiguren Xi verteidigt Chinas Menschenrechtspolitik

Stand: 25.05.2022 10:38 Uhr

Chinas Umgang mit Uiguren hat international Empörung ausgelöst. Präsident Xi weist die neuen Vorwürfe klar zurück. Für den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung sind die Konsequenzen jedoch zwingend notwendig.

Nach Enthüllungen im „Xinjiang Police Archives“ über Chinas Umgang mit der uigurischen Minderheit hat Präsident Xi Jinping Vorwürfe möglicher Menschenrechtsverletzungen zurückgewiesen.

Laut dem chinesischen Staatsfernsehen traf sich Xi mit der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet über eine Videoverbindung. Bachelet befindet sich derzeit in China. Zuvor war 17 Jahre lang kein UN-Menschenrechtsbeauftragter in die Volksrepublik gereist.

“Kein ‘Meister’ nötig”

Laut Staatsfernsehen wandte sich Xi klar gegen Kritik und Einmischung in seine eigene Videotelefonie-Politik: „Menschenrechtsfragen sollten nicht politisiert, ausgenutzt oder mit zweierlei Maß behandelt werden“, sagte er dem chinesischen Staat. „Die Entwicklung der Menschenrechte“ in China „passt sich an die nationalen Bedingungen an“, sagte Xi. “Menschenrechte haben einen historischen, spezifischen und praktischen Kontext.” Daher muss der unterschiedliche Umgang der einzelnen Länder mit Menschenrechten respektiert werden.

Der chinesische Präsident betonte, dass es in Menschenrechtsfragen keine „ideale Nation“ gebe. Deshalb sieht er “keine Notwendigkeit für einen ‘Meister’, um andere Länder um ihn herum zu befehlen”.

Bachelets Aussagen wurden auch im chinesischen Staatsfernsehen zitiert. Demnach soll er eine engere Zusammenarbeit zwischen seinem eigenen UN-Menschenrechtsbüro und der chinesischen Seite und „gemeinsame Anstrengungen“ versprochen haben, „um die Entwicklung der Menschenrechte weltweit voranzubringen“. Auch das Staatsfernsehen wiederholte Bachelets Lob für China: „Ich bewundere Chinas Bemühungen und Errungenschaften bei der Beseitigung der Armut, dem Schutz der Menschenrechte und dem Erreichen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung.“ Diese Zitate, die im Staatsfernsehen ausgestrahlt wurden, wurden bisher weder von der UNO noch von Bachelet selbst bestätigt.

Freier Zugang zu Xinjiang?

Bachelet will auf ihrer Reise auch Xinjiang besuchen, um sich selbst ein Bild von der Situation dort zu machen. Die überwiegend muslimischen türkischen Uiguren leben in der nordwestlichen Region Chinas. Von dort stammen auch die in den „Xinjiang Police Files“ enthaltenen Daten und Fotos der staatlichen Umerziehungslager. Die Aufnahmen zeigen die Unterdrückung der dort Inhaftierten sowie die Anwendung von Gewalt und angebliche Folter.

Allerdings bezweifeln Menschenrechtsorganisationen und die US-Regierung, dass Bachelet freien und uneingeschränkten Zugang zur Region oder gar zu dortigen Internierungslagern und Internierungslagern hat, um sich eine unabhängige und unbeeinflusste Meinung bilden zu können.

Menschenrechtskommissarin Amtsberg fordert ein Umdenken

Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg, bezweifelt in einem Interview des Deutschen Verlagsnetzwerks, dass die UN-Menschenrechtsbeauftragte freien Zugang zu Xinjiang hat. Bachelets Reise sei jedoch ein Schritt in die richtige Richtung, sie solle „den Beginn einer Untersuchung der Vorwürfe“ gegen China markieren.

Amtsberg forderte ein entschlosseneres Vorgehen gegen China, sowohl auf internationaler als auch auf bundespolitischer Ebene. Es ist ein Problem, dass China sich der internationalen Gerichtsbarkeit entzieht. Und es liegt auch an der Ampelregierung, den eigenen Umgang mit China zu überdenken. “Unsere bilateralen Beziehungen dürfen so nicht weitergehen”, warnte der Grünen-Politiker.

Wir brauchen eine offene Debatte über unsere wirtschaftliche Abhängigkeit von Staaten mit einer so schrecklichen Menschenrechtsbilanz.

Eine Wende ähnlich der russischen Politik?

Amtsberg zog Parallelen zu Deutschlands Schlussfolgerungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Ampelkoalition will nach Sanktionen gegen Russland die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Energieressourcen beenden.

Ähnlich äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen gegenüber der Augsburger Allgemeinen. „Wir haben Abhängigkeiten von China in strategischen Bereichen unserer Wirtschaft, die wir weiter intensivieren“, warnte er. Und auch Anton Hofreiter von den Grünen forderte den „Spiegel“ auf, das Geschäft mit China genauer unter die Lupe zu nehmen:

Der deutsche Wohlstand basiert, um es ganz deutlich zu sagen, darauf, dass wir in der einen Diktatur, in Russland, billige Rohstoffe kaufen, und dann hier Produkte herstellen, und diese dann an die andere Diktatur, China, verkaufen. Dies muss gestoppt werden.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat bereits angekündigt, die Abhängigkeit Deutschlands von China verringern zu wollen. „Der Schutz der Menschenrechte hat eine höhere Priorität“, sagte er laut Mitteilung seines Ministeriums. So müssen beispielsweise Anträge deutscher Unternehmen auf Investitionsgarantien des Bundes in China auch auf Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekte geprüft werden.

Es bedarf einer gründlichen Abklärung

Kurz nach der Veröffentlichung des „Xinjiang Police Archives“ stellten sich Vertreter der Ampelregierung und der Opposition klar gegen die angeblichen Menschenrechtsverletzungen Chinas und forderten eine gründliche Untersuchung. Bundesstaatssekretärin Annalena Baerbock sprach von „verstörenden und erschreckenden“ Bildern aus den Internierungslagern. China muss seine bisherige Position klarstellen, in der es behauptet, „dass es keine Menschenrechtsverletzungen gibt“.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Michael Roth, warnte das Handelsblatt: „Wir dürfen die Augen nicht vor dem unvorstellbaren Leid der Uiguren verschließen.“

„World Uyghur Congress“ spricht von Völkermord

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