Der Foto-Skandal vom WEF 2020 verfolgt Vanessa Nakate (25) immer noch. “Ich werde ständig danach gefragt”, sagt die afrikanische Klimaaktivistin gegenüber Blick.
Rückblende: Damals nahm der aus Uganda stammende Nakate mit seinen berühmten Kolleginnen Greta Thunberg (19) und Luisa Neubauer (26) und anderen an einem runden Tisch außerhalb des WEF teil. Doch die Fotoagentur AP nahm sie aus einem Gruppenfoto heraus und verkaufte das bearbeitete Bild weltweit nur mit den vier weißen Aktivisten.
Nakate machte via Twitter auf den rassistischen Vorfall aufmerksam: „Du hast nicht nur ein Foto gelöscht. Du hast einen Kontinent gelöscht.“ Die Agentur entschuldigte sich.
Zweieinhalb Jahre später kehrt Nakate in die Schweiz zurück. Während Thunberg und Neubauer abwesend sind, wird die ugandische Aktivistin am WEF 2022 an verschiedenen Fokusgruppen teilnehmen.
Nakate kritisiert das WEF für Ungleichgewicht
Der Vorfall mit dem bearbeiteten Foto zeigt sie als afrikanische Aktivistin: “Die Stimmen derjenigen, die bereits an vorderster Front der Klimakrise kämpfen, sollten hervorgehoben werden.”
Die mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit richtet sich jedoch vor allem auf berühmte Vertreter der Klimabewegung: „Jeder Aktivist hat eine Geschichte zu erzählen und kann Teil der Lösung sein.“
Nakate kritisierte das Weltwirtschaftsforum für die mangelnde Vertretung junger Menschen. Und er attackierte die Organisatoren unverblümt wegen eines ihrer Meinung nach unausgewogenen Programms: “Es ist sehr frustrierend.” In den Gesprächen ging es darum, den Gewinn zu steigern, nicht darum, die Umwelt zu schützen. „Niemand spricht über die Interessen des globalen Südens. Es geht immer darum, den Wohlstand des reichen Nordens zu sichern.“
Anders soll es beim Klimastreik am Donnerstag in Davos werden, an dem auch Nakate beteiligt ist. Klimastreikenden legen in diesem Jahr besonderen Wert darauf, Aktivisten aus Ländern, die bereits jetzt besonders vom Klimawandel betroffen sind – den sogenannten „Kartenaktivisten“ – eine Plattform zu bieten. Karte bedeutet Menschen und Gebiete, die am stärksten betroffen sind.
Aktivist fordert „echte Maßnahmen“ von der globalen Elite
„Ich bin hier, um über die Dringlichkeit der Klimakrise und ihre Auswirkungen auf den afrikanischen Kontinent zu sprechen“, sagte Nakate bei einem Auftritt beim Open Forum. Afrika ist in den letzten Jahrzehnten nur geringfügig für die Treibhausgasemissionen verantwortlich, leidet aber massiv unter der steigenden Zahl von Überschwemmungen, Dürren und anderen Naturkatastrophen, die durch die globale Erwärmung verursacht werden.
Er forderte die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, ihre Versprechen in „wirkliche Taten“ umzusetzen. Das heißt zunächst einmal: Hören Sie auf, in fossile Brennstoffe zu investieren. “Und wir brauchen einen fairen Übergang zu sauberer Energie.” Dies muss für Gemeinden an vorderster Front der Klimakrise verfügbar und erschwinglich sein.