Brunner im Unterausschuss zum Vorarlberger Werbeskandal

Der Minister sagte während der mehr als fünfstündigen Befragung, dass er bei Veranstaltungen oder Geschäftsbesuchen des Vorarlberger Wirtschaftsbundes immer anwesend sei. Dort sei es aber seine Aufgabe, sich mit Unternehmern auszutauschen oder über bestimmte Vorhaben der Bundesregierung, etwa die Steuerreform, zu informieren. Dass das Anzeigenvolumen im Wirtschaftsbund-Blatt seit 2018 massiv zugenommen habe, habe er nicht mitbekommen. Die ganze Zeitung habe er auch selten gesehen, vor allem aber nur die Artikel digital zugeschickt bekommen, in denen er als Staatssekretär auftaucht. Er dachte nicht darüber nach, „wer Werbung macht und warum“.

Für entgeltliche Zahlungen an den Wirtschaftsbund (dessen Mitglied er ist und von 2002 bis 2005 Direktor des Österreichischen Wirtschaftsbundes war) und für die erworbenen redaktionellen Beiträge hat er keine Entgelte. Spenden des Wirtschaftsverbandes an ihn beschränkten sich auf Einladungen zum Essen oder ein “kleines Bierchen” bei Veranstaltungen. Jedenfalls habe er keine Zahlung oder geldwerten Vorteil erhalten. Möglich, dass er im Wahlkampf “Gummibären oder Manner-Törtchen” verteilt hat, gesponsert vom Wirtschaftsverein, Brunner sagt: “Das kann schon sein.” Einmal bezahlte der Wirtschaftsbund das Versenden einer E-Mail. Aus den Medien erfuhr er von der Selbstauskunft des Wirtschaftsbundes.

Neben der Tatsache, dass 2020 in 13 der 16 Ausgaben des Wirtschaftsbund-Blatts über ihn berichtet wurde, sagte Brunner, dies sei „logisch“, weil ein Vorarlberger mit ihm jahrelang in einer Regierung gearbeitet habe. „Ich habe es nicht selbst geschrieben“, sagte Brunner auf Nachfrage von FPÖ-Christian Hafenecker, der sagte, ein Bericht sage eher so, als hätte ihn das Ministerium oder ein Pressesprecher geschrieben.

Auch zu den Themen rund um den staatlichen Bergbaukonzern ABBAG und zu einer nachträglichen Prämie von 1,5 Millionen Euro für den damals bereits aus dem Amt ausgeschiedenen Vorstandsvorsitzenden der ABBAG, Michael Mendel, konnte der Finanzminister wenig beitragen – damals noch. unter der Verantwortung von Ex-Finanzminister Hand Jörg Schelling (ÖVP). 2016 verließ Mendel die für den Bankbetrieb zuständige ABBAG, mehr als acht Monate später wurde die Bonusvereinbarung geschlossen, durch die er 2020 1,5 Millionen erhielt. 579.000 Euro wurden laut Rechnungshof auch dem jetzigen Vorstandsvorsitzenden zugeteilt ABBAG, Bernhard Perner. Er habe über die Medien davon erfahren, sagt Brunner. Ich hatte jedenfalls keinen Grund, an der Rechtmäßigkeit des Bonus zu zweifeln, und ich würde es überprüfen.

Brunner betonte in seinem Eröffnungsstatement, dass ihm Transparenz und Aufklärung sehr wichtig seien und aus der Vergangenheit gelernt werden müsse. „Wenn es zu Fehlverhalten einzelner Personen gekommen ist, müssen diese aufgeklärt und Lehren daraus gezogen werden“, sagte er mit Blick auf Umfragen und Studien, die Sachverständige Sabine Beinschab im Vorfeld von Korruptionsermittlungen rund um die ÖVP durchgeführt hatte. Gleichzeitig bat er um Verständnis dafür, dass er von bestimmten Ereignissen vor seiner Amtszeit “fast keine Ahnung” habe – schließlich bekleide er sein Amt erst seit dem 6. Dezember des Vorjahres.

Das Finanzministerium habe jedenfalls seine Lehren gezogen, betonte er. „Nach Kenntnisnahme der Vorwürfe haben wir umgehend alle Studien und Aufträge bei den betroffenen Instituten eingestellt, sofern diese noch bestanden.“ Alle Umfragen und Studien würden auch veröffentlicht, „diesen Weg werden wir weitergehen“. Brunner verwies auch auf den Auftrag seines Vorgängers Gernot Blümel an die Interne Revision des Finanzministeriums, die Studien und Anordnungen „genau zu beobachten“.

Er selbst hatte im März eine Auswertung der Präsidialangelegenheiten im Ministerium in Auftrag gegeben, das Ergebnis liegt nun vor. Infolgedessen wird im Finanzministerium eine Umstrukturierung vorgenommen. Auch ein “Kulturwandel” sei nötig. Daher werden die jährlichen Kosten der Anzeigen gesenkt, was aber nicht bedeutet, dass es keine Anzeigen mehr geben wird, denn der Bund und einzelne Ressorts haben eine Auskunftspflicht.

Wie am Vortag mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) wurde Brunners Vernehmung von unzähligen Diskussionen über Geschäftsordnungen unterbrochen. Gleich zu Beginn der Befragung entbrannte ein teilweise emotionaler Streit. Auch hier ging es um die Frage, ob die Fragen zum Vorarlberger Wirtschaftsbund Gegenstand der Untersuchung waren. Die Diskussion eskalierte dermaßen, dass Präsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) die Sitzung unterbrach, „bis Sie sich alle beruhigt haben“. Am Nachmittag lautete die Bilanz: 18 Diskussionen über die von der ÖVP initiierte Verordnung und sechs Einstufungen.

Neben Brunner sind am Donnerstag ein Wirtschaftsprüfer des Finanzamtes sowie Finanzvorstand und Unternehmer Jürgen Rauch ins Hofburg Camineum geladen. Zu einem geplanten Vergeltungsantrag gegen den am Vortag angeklagten und krankheitsbedingt nicht erschienenen ehemaligen Wirtschaftsbund-Chef Jürgen Kessler soll es laut APA dann doch nicht kommen.

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