Sie setzen auf Online-Werbetools, weil Schmuggler auch online werben, sagt Karner, dessen „teils drastische Motive“ inzwischen in den Landessprachen von acht Herkunftsländern platziert werden. Nach dem ersten Training im Januar sei es nun “eine Kampagne aus einer Hand”, sagte Karner auf die Frage eines Reporters. Die als „unbedingt notwendig“ bezeichnete Kampagne läuft laut Tatzgern auf Instagram, Facebook und Google.
Die Kampagne kostet rund 260.000 Euro und wird in acht Ländern gestartet, darunter Tunesien, Marokko und Indien, deren Anteil an Asylanträgen hierzulande zuletzt deutlich gestiegen ist. Das seien Länder, “die ich weiterhin Urlaubsländer nenne” und für deren Bürger “so gut wie keine Chance auf Asyl” bestehe, wie Karner betonte.
APA/Klaus Titzer Tatzgern, Karner und Corti (von links nach rechts) bei der Präsentation der Anti-Schlepper-Kampagne
“Anti-Marketing”
Die zentrale Botschaft der Kampagne lautet: „Kein Weg, keine Chance“ für illegale Einwanderung. Man muss den Menschen klar machen, dass sie ihr Leben riskieren. Schmuggler würden auf internationale Phänomene wie Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine “äußerst professionell und sehr schnell” reagieren, sagte Karner. Sie hätten ihr Marketing geändert und würden verkünden, dass Europa offen und menschenfreundlich sei. Dafür braucht man jetzt “Anti-Marketing”. Sucht man künftig in Indien, Tunesien und Marokko bei Google nach günstigen Flügen nach Belgrad, erscheint das Innenministerium in der jeweiligen Landessprache mit einer Abmahnung.
ORF Eine der Präsentationsfolien der Kampagne gegen den Schmuggler
Corti, der Mitglied des Expertenrates für Integration ist, aus Syrien stammt und als Übersetzer für die Polizei arbeitet, sprach von einem “wirtschaftlichen Missbrauch des Asylrechts”. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Maghreb und in Ägypten würden die Schmuggler den Menschen falsche Hoffnungen machen, das „Eldorado Europa“ zu erreichen. Als Übersetzerin übersetzte sie tausende SMS und Sprachnachrichten von Menschenhändlern. Einige von ihnen sind besonders brutal und unmenschlich. Das Geschäft der Schmuggler, die nur aus Profitgier handelten, sei “sehr lukrativ”.
Laut Tatzgern machen Schmuggler “einen Profit auf Kosten von Migranten”. Ihre Kommunikation ist unmenschlich und beschreibt Menschen oft als „Waren“. „Waren sollen nicht verrotten“ ist gleichbedeutend mit „Migranten sollen nicht sterben“. „Wirf die Früchte weg“ bedeute so viel wie „Entferne die Leichen“, sagte Tatzgern. Auch bei Messenger-Diensten wie Telegram würden Schmuggler offensiv werben, etwa mit Kreuzfahrtschiffen für die Bootsfahrt nach Italien. „Deshalb ist negative Publicity unheimlich wichtig“, sagt Tatzgern, denn viele würden starten und wüssten gar nicht, was sie erwartet.
Statement von Gerhard Karner
Hinweis auf die Abschiebepraxis Dänemarks
Angesichts der fast 42.000 Asylanträge, die zwischen Januar und Juli dieses Jahres registriert wurden, schlug Karner weitere Maßnahmen vor. Es seien viele Räder zu drehen, sagte Karner, der neben Rückführungen als weiteren Punkt auch Asylverfahren in sicheren Drittstaaten nannte. „Mittelfristig“ werde man sich auch Gedanken machen, „wie wir Menschen nach Syrien und Afghanistan zurückbringen“. Aber das sei jetzt nicht das Problem, so Karner mit Blick auf Dänemark, wo bereits Menschen “freiwillig” nach Syrien zurückgebracht worden seien.
Auch hier ist die EU gefordert, wie das Innenministerium in einer Aussendung berichtet. Von der Kommission wird erwartet, dass sie „den Schwerpunkt auf Rückführungsabkommen legt“ und den Schutz der Außengrenzen verbessert. Auch “die Erfahrungen beispielsweise Dänemarks und Großbritanniens mit Asylverfahren in Drittstaaten” sollen laut Innenministerium “in europäische Regelungen einfließen”.