Die neuen Kontaktlinsen behandeln Glaukom direkt im Auge

Eine drahtlose Kontaktlinse überwacht den Augendruck und liefert bei Bedarf Medikamente. Der Tierversuch war erfolgreich.

Mehr als 90.000 Patienten in Österreich haben ein Glaukom. Der sogenannte „Glaukom“ ist hierzulande die häufigste Erblindungsursache und sollte nicht mit dem harmlosesten grauen Star verwechselt werden. Glaukom ist eine Augenkrankheit, die den Sehnerv schädigt und unbehandelt zur Erblindung führen kann. Es ist schmerzlos und bleibt oft unbemerkt. „Die zentrale Sehschärfe nimmt erst im Endstadium der Krankheit ab, wenn der größte Teil des Sehnervs bereits abgestorben ist. Dieser unbemerkte Fortschritt führt dazu, dass etwa 50 Prozent der Menschen mit Glaukom nicht einmal wissen, dass sie krank sind, und daher viele der Patienten wissen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose keine Sehbehinderung haben, da die Diagnose meist zufällig gestellt wird. Es gibt eine Vielzahl wirksamer Behandlungsmöglichkeiten. Regelmäßige Kontrollen können irreversible Schäden verhindern.

ACHTUNG: Das gefährliche Glaukom sollte nicht mit grauem Star verwechselt werden. Grauer Star ist eine sehr häufige Augenkrankheit, insbesondere bei Menschen über 60 Jahren. Die meisten Katarakte sind altersbedingt. Es ist eine trübe Linse, die zu Sehstörungen führt. Der optische Eindruck ist verschleiert und grau. Der Austausch der eingetrübten natürlichen Linse durch eine Kunstlinse kann erfolgreich behandelt werden.

Mehr als 90.000 haben ein Glaukom – es besteht die Gefahr der Erblindung!

Drucksensor und Applikator

Ein Glaukom wird normalerweise durch erhöhten Augeninnendruck verursacht, normalerweise aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen. Chinesische Forscher entwickelten einen Prototyp einer Kontaktlinse, die den Augendruck messen und bei Bedarf ein Glaukom-Medikament freisetzen kann. Die Wissenschaftsplattform „Sinexx“ erklärt den Aufbau der Linse: Der Sensor und der Wirkstoffapplikator sind zwischen zwei Schichten aus dem Kunststoff Polydimethylsiloxan eingebettet, der üblicherweise für weiche Kontaktlinsen verwendet wird. Der Kontaktlinsen-Augendrucksensor besteht aus einem hauchdünnen, mit Nickel und Gold beschichteten Kupferring mit sternförmig abstehenden Filamenten. Diese Verlängerungen reagieren auf kleine Verformungen der Hornhaut, die durch Änderungen des Augendrucks verursacht werden. Werden die Schweife ausgelenkt, verändert dies den Abstand zu einer leitfähigen Referenzschicht und erzeugt somit ein elektrisches Signal. Dies spiegelt den Augendruck wider.

Die zweite Komponente der Glaukom-Kontaktlinse ist ein Applikatormodul, das bei Bedarf den blutdrucksenkenden Wirkstoff Brimonidin an das Auge abgibt. Dazu werden zwei Dünnschichtelektroden in ein mit dem Medikament versetztes Hydrogel eingebettet. Erkennt der Sensor nun einen Anstieg des Augeninnendrucks, sendet er ein Signal an die Elektroden, die daraufhin eine leichte Spannung abgeben. Dadurch gibt das Hydrogel seine Wirkstoffladung an die Hornhaut ab. Dieses Design ermöglicht es, die notwendigen Komponenten in das Gerät zu integrieren, ohne die Sicht des Benutzers zu blockieren oder das Auge zu reizen.

Links die Konstruktion des Objektivs, rechts im Gange. Mitteilungen der Natur

Erfolgreich im Tierversuch

Bisher wurden Kontaktlinsen an Schweineaugen und lebenden Kaninchenaugen getestet, wenn auch mit kleineren Linsen. Es zeigt, dass das über die Linse verabreichte Medikament den Augeninnendruck über 30 Minuten allmählich um etwa ein Drittel senkt und dazu beiträgt, diese Werte über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, verglichen mit dem gleichen Medikament, das über Augentropfen verabreicht wird, bei denen der Druck schnell wieder ansteigt. Die Studie wurde im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht. Tests am Menschen stehen noch aus.

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Nav-Compte sp Hora24.05.2022, 15:43 | Akt: 24.05.2022, 15:43

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