Angriff auf Darja Dugina: Was ist der Widerstand in Russland?

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Im eigenen Land wächst die Unzufriedenheit mit Kremlchef Putin.

Guido Felder

Der Angriff auf den Ukraine-Hasser Darya Dugina (†29) am Samstag in Moskau traf russische Nationalisten mitten ins Herz. Wer dahintersteckt, ist noch unklar. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass es sich um eine Aktion des Widerstands handelt.

Die russische Untergrundorganisation National Republican Army (NRA) hat sich jedenfalls zu dem Angriff bekannt. Dessen Sprecher, der russische Exilant Ilya Ponomarev (47), sagt in einem Videogeständnis: „Dieser Angriff schlägt eine neue Seite im russischen Widerstand gegen den Putinismus auf. Eine neue, aber nicht die letzte.“

Schmid zum Mord an Dugina: „Die republikanische Armee besteht aus ehemaligen Offizieren“ (03:17)

Professioneller Halt

Wächst jetzt in Ihrem Land der Widerstand gegen Putin? Darüber könne man nur spekulieren, sagen Schweizer Sicherheitsexperten, die sich gegenüber Blick nicht äußern wollen.

Der Russland-Experte Ulrich Schmid (56 Jahre) von der Universität St. Gallen ist ebenfalls vorsichtig. „Man kann sich nur auf die Aussagen der ANR verlassen. Sie wurde nach eigenen Angaben im April gegründet, um dem Krieg und Putin Widerstand zu leisten.“

Sie bestand aus ehemaligen Offizieren und Soldaten. „Der Angriff auf Darja Dugina ist jedenfalls sehr professionell durchgeführt worden“, sagt Schmid.

Er stimmte gegen die Annexion der Krim

Was ist über den Sprecher der ANR, Ponomarev, bekannt? Medienberichten zufolge diente der Computerunternehmer und Blogger zwei Dumaperioden für die nationalistische Linkspartei „Gerechtes Russland“. 2011 half er bei der Organisation von Protesten nach den Parlamentswahlen und 2014 stimmte er als einziges Mitglied der 450-köpfigen Duma gegen die Annexion der Krim.

2016 soll er in die USA geflohen sein. Grund: Ermittlungen gegen ihn wegen Unterschlagung im Innovationszentrum Skolkowo, Russlands Silicon Valley. Er ist auch der Gründer des kriegskritischen Senders February Morning. Er soll derzeit mit einem ukrainischen Pass in Kiew leben.

Seit Kriegsbeginn kommt es auch in Russland zu ungewöhnlichen Zugentgleisungen. Zwischen März und Juni entgleisten 63 Güterzüge. Die Behörden sprechen von technischen Fehlern. Aktivisten sprechen von Sabotageakten, die den Transport von Panzern und anderem Kriegsmaterial in die Ukraine verhindern sollen.

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Es wurden auch 23 Brände in Zentren gelegt, die Soldaten rekrutieren. Ein Video zeigt zum Beispiel einen vermummten Mann, der eine Reihe von Molotow-Cocktails auf den Eingang eines Gebäudes wirft.

Weitere Angriffe wurden angekündigt

Die NRA ist die einzige Widerstandsorganisation, die bisher öffentlich aufgetreten ist. “Ich kenne keine andere organisierte Widerstandsbewegung in Russland”, sagt Schmid. Kein Wunder: Die Widerstandskämpfer leben ein äußerst gefährliches Leben. Schmid: „Es gibt jetzt drakonische Sanktionen für Aktivitäten, die den Interessen des russischen Staates zuwiderlaufen.“ Kurz nach dem Krieg wurde ein Gesetz verabschiedet, das “Fake News” über das russische Militär mit bis zu 15 Jahren Gefängnis und hohen Geldstrafen ahndet.

Die NRA lässt sich davon nicht beirren. Ponomaryov deutete weitere Angriffe in den kommenden Monaten an, zum Beispiel gegen Regierungsbeamte und Mitglieder des Sicherheitsapparats, die Putins „Touch“ seien.

Allerdings gibt es auch Zweifel, ob die NRA tatsächlich als Widerstandsorganisation existiert. Der Moskauer „Welt“-Korrespondent Pavel Lokshin (37) schreibt, die NRA könne auch ein Projekt des russischen Geheimdienstes sein, mit dem man die Massenmobilisierung im Ukrainekrieg rechtfertigen könne.

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