OMV Aufsichtsrat und Vorstand gegen Ex-Chef Seele

Explosionseffekt bei der Hauptversammlung des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns OMV am Freitag. Zu Beginn der AGA erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Mark Garrett, dass seit dem 1. Mai Ermittlungen zur Einhaltung der Regierungsregeln durch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Rainer Seele eingeleitet worden seien. Die Tests decken verschiedene Geschäftsfelder ab (KURIER hat bereits berichtet).

Insbesondere der Sponsorenvertrag mit Zenit St. Petersburg und Gaslieferverträge mit Gazprom Export.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse schlagen Aufsichtsrat und Vorstand jedoch vor, Seele nicht zu entlasten, wohl aber die übrigen Vorstandsmitglieder.

Vorstand und Aufsichtsrat betonen laut Garrett ausdrücklich, dass dies auf Basis des aktuellen Informationsstandes geschehe und greifen den Ergebnissen der Ermittlungen nicht vor. Natürlich kann sich die Mitgliederversammlung erneut mit dieser Frage befassen. Ursprünglich war der Download auch von Seele geplant, die App wurde jedoch kurz zuvor geändert.

Die Investoren-Interessenvertretung IVA hatte bereits vor der Hauptversammlung gefordert, Seele nicht zu entlassen.

Milliardenrisiko, fast kein Gewinn

OMV hat 2018 zwei Gaslieferverträge unter Seele abgeschlossen. Der Vertrag für Österreich wird bis 2040 verlängert und deckt 80 Prozent des Inlandsbedarfs ab. Der zweite Vertrag ist für Kunden in Deutschland und befristet bis 2032. Die OMV riskiert Milliardenverträge, aber fast keinen Gewinn. Der Umsatz liegt in der Größenordnung von 20 Millionen Euro, ein Minimum für OMV. Die Abnahme- bzw. Zahlungsklausel umfasst 96 Prozent der maximalen Liefermenge im österreichischen Vertrag und 80 Prozent im deutschen Vertrag.

Die OMV hat keine Ausschlussklausel und muss zahlen, auch wenn kein Gas vorhanden ist. Wenn die EU ein Gasembargo beschließt, sollte OMV den aktuellen Wert der Verträge senken. Experten gehen von rund 50 Milliarden Euro aus, die das Kapital von Österreichs größtem börsennotierten Industrieunternehmen gefährden würden.

Putins Lieblingsclub

Unter seinem Atem unterzeichnete die OMV einen mysteriösen Sponsorenvertrag mit Zenit St. Petersburg. Putins Lieblings-Fußballklub hat 25 Millionen Euro in fünf Jahren zugesagt. Mit Beginn des Ukrainekrieges hat die OMV in diesem Jahr die letzte geplante Jahresquote eingestellt.

Dagegen sponserte Gazprom die Wiener Austria im gleichen Umfang und für den gleichen Zeitraum. Die WKStA hatte das Sponsoring bereits aufgrund einer Meldung eines Whistleblowers untersucht, die Ermittlungen aber eingestellt.

“Nichts zu übersehen”

Rückblickend seien die Investitionen der OMV in Russland nach 2015 ein Fehler gewesen, sagte Garrett. Wenn die OMV allein im ersten Quartal 2022 zwei Milliarden Euro streichen würde, „müssen alle Beteiligten aufhören, ihre Entscheidungen zu verteidigen. Die Versorgungssicherheit in Österreich und anderen Teilen Österreichs erfordert die Einhaltung langfristiger Gasverträge.

Auch Seeles Nachfolger als Vorstandsvorsitzender Alfred Stern sagte vor der Hauptversammlung, dass die Risiken mit Russland unterschätzt worden seien und die Investitionen im Nachhinein ein Fehler gewesen seien.

In der Vergangenheit akzeptierten nicht alle Aufsichtsräte von Seele gesponserte Investitionen in Russland, und es gab durchaus Kritik. Auch die Ernennung der liebenden Seele Russlands zum Vorstandsvorsitzenden durch den Aufsichtsrat war nicht einstimmig.

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