DAX-Gewinne fallen wieder unter 14.500 Punkte

Marktbericht

Stand: 03.06.2022 16:16

Ein solider US-Arbeitsmarktbericht lässt schnell Zinssorgen aufkommen. Der DAX kann mit seinen Anfangsgewinnen nicht mithalten und kämpft mit seinem Schlusskurs.

Stärkere Anfangsgewinne kann der DAX nicht halten und kämpft derzeit mit seinem Schlusskurs, der gestern bei 14.485 Punkten lag. Nach guten internationalen Vorgaben war der deutsche Leitindex bereits auf 14.589 Punkte auf das Tageshoch gestiegen und zeigte damit auf die auch charttechnisch wichtigen 14.600 Punkte.

Aber die Euphorie der Anleger wird wahrscheinlich nicht bis zum Tag nach dem erneuten Ausbruch von Zinsängsten in den USA anhalten. Da die Londoner Börse aufgrund des Jubiläums von Queen Elizabeth II. heute geschlossen hat, fehlt es auch an Schwung und stärkeren Umsätzen.

US-Arbeitsmarktdaten dämpfen Arroganz

Ein unerwartet starker US-Arbeitsmarkt dämpft die Hoffnungen der Anleger auf einen Rückgang der US-Zinsen im Herbst. Im Mai wurden mehr Stellen geschaffen als erwartet.

390.000 neue Jobs wurden im vergangenen Monat geschaffen, wie die Regierung am frühen Nachmittag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten im Vorfeld nur mit 325.000 gerechnet. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote blieb im Mai bei 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, ein Niveau, das im Rahmen des zentralen Beschäftigungsziels der Fed liegen dürfte.

„Für den Arbeitsmarkt ist es toll, aber nicht für die Aktienmärkte und schon gar nicht für den Tech-Sektor“, sagte Salah-Eddine Bouhmidi vom IG-Broker. Denn die US-Notenbank sollte sich in ihrem Tempo bestätigt fühlen.

„Die Beschäftigungslücke hat sich geschlossen, die Löhne und die Inflation steigen stark, während das Wachstum im zweiten Quartal recht ordentlich ausfallen dürfte“, sagte VP Bank-Ökonom Thomas Gitzel. “Daher gibt es keinen Grund, im Zinserhöhungszyklus Zurückhaltung zu üben.”

Wirtschaftsupdate vom 03.06.2022

Stefan Wolff, Personal, 3.6.2022 · 09:48

Gemischte Konjunktursignale aus Deutschland

Den ganzen Vormittag über kamen aus fundamentaler Sicht widersprüchliche Konjunktursignale aus Deutschland. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im April deutlich weniger Aufträge erhalten als ein Jahr zuvor. Preisbereinigt lag der Auftragseingangswert laut Branchenverband VDMA um sieben Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Am Morgen hatten die deutschen Exporte für einen positiven Überraschungseffekt gesorgt: Die deutschen Exporte hatten sich im April nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine unerwartet stark erholt. Sie wuchsen aufgrund guter Geschäfte mit den USA und den Euro-Staaten gegenüber dem Vormonat um 4,4 Prozent auf 126,4 Milliarden Euro.

Wall Street und Minus

Die Wall Street ist auch mit Eröffnungskursen im Minus. Alle großen Aktienindizes fallen unter Führung der Nasdaq-Börse, der Leitindex Dow Jones verliert derzeit rund 0,5 Prozent. Der Nasdaq verlor etwa 1,4 Prozent und gab damit den größten Teil der gestrigen Gewinne auf.

Es wäre positiv gewesen, wenn die Belegungszahlen an den Aktienmärkten unter den Erwartungen lagen, sagte Rob Carnell, Chefökonom der ING Bank. “Denn im Moment wird alles, was auf langsamere Zinserhöhungen durch die Federal Reserve hindeutet, als günstig angesehen.”

Die neuen Daten weisen jedoch nicht in diese Richtung. Aber das sollte nicht wirklich überraschen. Denn an den angepassten Zinsen der Federal Reserve (Fed) kann kein Zweifel bestehen, zumindest solange die Inflation auf dem aktuell sehr hohen Niveau von rund acht Prozent bleibt.

Der stellvertretende Fed-Chef Lael Brainard fand gestern passende Worte. Er sagte gegenüber CNBC, er sehe wenig Grund für eine Pause bei den Zinserhöhungen im September. Andere Notenbanker hatten sich bereits entsprechend geäußert, allerdings gab es innerhalb der Fed zuletzt durchaus unterschiedliche Auffassungen über Geschwindigkeit und Ausmaß der Straffung der Geldpolitik.

Foto: Picture Alliance / AP-Foto

Gefallener Apfel

Unterdessen belasten skeptische Äußerungen von Morgan-Stanley-Experten über die Quartalsaussichten für Apples Dienstleistungsgeschäft das Handeln des iPhone-Herstellers. Das Schwergewicht des Index liegt bei knapp drei Prozent. Analysten des Instituts schreiben in einer neuen Studie, dass das schwächere Wachstum von Apples App Store im Mai im Vergleich zum Vorjahr Risiken für Quartalsschätzungen im Dienstleistungsgeschäft mit sich bringt. Sie belassen Apple-Aktien jedoch bei „Übergewichtung“ mit einem Kursziel von 195 US-Dollar.

Euro etwas schwächer

Laut US-Arbeitsmarktdaten hält die Gemeinschaftswährung ihre Position oberhalb von 1,07 US-Dollar, kann aber zunächst keine höheren Gewinne verbuchen. Aktuell notiert er etwas leichter bei 1,0731 US-Dollar.

Allerdings dürften der Mai-Arbeitsmarktbericht und der ebenfalls am Nachmittag anstehende ISM-Einkaufsmanagerindex für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe in den USA die Zinserwartungen der Fed nicht in Frage stellen, schrieb der Analyst der Landesbank Hessen- Thüringen. Der Greenback hatte zuletzt von hohen Zinserwartungen profitiert und gegenüber dem Euro und anderen Währungen deutlich an Boden gutgemacht.

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