Der Mindestlohn steigt zum 1. Oktober auf 12 Euro

Bundestag der Wirtschaft

Der Mindestlohn steigt zum 1. Oktober auf 12 Euro

Stand: 17:48 | Lesezeit: 4 Minuten

Der Bundestag billigt den Mindestlohn von 12 Euro

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland ist auf 12 Euro pro Stunde gestiegen. Dies gilt ab dem 1. Oktober. Olaf Scholz und die SPD lösen damit eines ihrer großen Wahlversprechen ein.

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Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland steigt zum 1. Oktober auf 12 Euro. Das hat der Bundestag am Freitag beschlossen. Davon profitieren laut Arbeitsminister Hubertus Heil rund sechs Millionen Menschen. Auch die Rentenerhöhung wurde vom Parlament genehmigt, die stärkste seit Jahrzehnten.

Der Bundestag hat beschlossen, den gesetzlichen Mindestlohn ab dem 1. Oktober auf zwölf Euro anzuheben. Für rund sechs Millionen Menschen sei das „der vielleicht größte Gehaltssprung von 22 Prozent ihres Lebens“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil. „Wer bisher 1.700 Euro brutto in Vollzeit auf Basis des Mindestlohns verdient hat, bekommt künftig 2.100 Euro“, sagte der Minister. „Das ist noch nicht die Welt, aber es macht sich im Portfolio bemerkbar.“

Das Mindestlohngesetz wurde mit den Stimmen der Koalition und der Linken verabschiedet. Die Abgeordneten von Union und AfD enthielten sich. Das Mindestbruttogehalt beträgt derzeit 9,82 Euro. Am 1. Juli steigt er wie geplant auf 10,45 Euro. Gleichzeitig wird die Grenze für Minijobs im Oktober von 450 auf 520 Euro angehoben.

Der Gesetzentwurf geht davon aus, dass es derzeit etwa 6,2 Millionen Beschäftigte mit einem Stundenlohn von weniger als 12 Euro gibt. Von der Erhöhung dürften Frauen und Menschen in Ostdeutschland überproportional profitieren, sagte Heil in der Debatte. Ohne Olaf Scholz als Kanzler werde der Mindestlohn nicht steigen, betonte Heil. Der SPD-Politiker hatte die Anhebung der unteren Gehaltsobergrenze zu einem Grundversprechen des Bundestagswahlkampfs gemacht.

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Mehrere Redner warnten davor, dass die aktuelle Preisexplosion für viele Menschen existenzbedrohend sei. Linken-Haushaltsexpertin Gesine Lötzsch sagte: „Eigentlich müssten es 13 Euro sein.“ Ein weiteres Hilfspaket wird benötigt.

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Heil hat auf die Entlastungen für Normal- und Geringverdiener verwiesen, die die Koalition auf den Weg bringt. Der grüne Sozialexperte Andreas Audretsch sagte, Vollzeitbeschäftigte dürften am Ende des Tages nicht armutsgefährdet sein. Auch die Anhebung des Mindestlohns erhöht die Kaufkraft.

CDU-Sozialexperte Hermann Gröhe warf der Koalition chaotische Stimmen vor, die massiven Preiserhöhungen einzudämmen. Würden mehr Preissprünge zugelassen, wäre ein höherer Mindestlohn nutzlos. Gröhe begründete die Nichtzulassung der Union damit, dass er keine “Entrechtung sozialer Akteure” erreichen wolle.

Die Koalition will die Inflation weiter bekämpfen

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Schmidt räumte ein: „Viele müssen sich fragen, ob das Geld noch reicht für Obst, den Ausflug zur Oma, den Schulausflug.“ Die Koalition wird die Inflation weiter bekämpfen. Außerdem warb Schmidt für das „Soziale Klimageld“, eine für das Jahr geplante Einmalzahlung, die Heil für 2023 angekündigt hatte. Schmidt bezeichnete die Anhebung des Mindestlohns als Akt der Notwehr gegen den Fall der Tarifverträge · Vorlesungen“.

Der AfD-Abgeordnete Norbert Kleinwaechter sagte, viele ausländische Arbeitnehmer in Deutschland hätten den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt gefördert und das Lohnniveau gesenkt. “Ein gesunder Markt bräuchte keinen Mindestlohn, weil er Regeln und Grenzen hat.”

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Die BDA hatte die Anhebung des Mindestlohns bereits im Vorfeld kritisiert. „Die Höhe des Mindestlohns interessiert uns nicht“, sagte Wirtschaftspräsident Rainer Dulger gegenüber WELT. „Die Bundesregierung hält sich nicht an die Vereinbarungen, die wir 2015 getroffen haben, als die Mindestlohnkommission mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns gegründet wurde.“

Der Bundestag beschließt zum 1. Juli die Erhöhung der Renten

Auch die Renten werden zum 1. Juli erhöht. Nach der Anhebung des Mindestlohns hat der Bundestag in diesem Jahr mit den Stimmen von Koalition, Union und AfD die Anhebung der Renten beschlossen. Demnach steigen die Rentenbezüge in knapp einem Monat in Westdeutschland um 5,35 Prozent und in Ostdeutschland um 6,12 Prozent.

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Hohe Zuwächse trotz Krise

Mit dem Gesetz führt die Regierung den Erholungsfaktor in der Rentenversicherung wieder ein. Dieser Faktor bremst den Rentenanstieg. Damit soll kompensiert werden, dass Rentner im vergangenen Jahr vor einem damals zu zahlenden Rentenminus gespart wurden. Eine Rentengarantie führte 2021 trotz negativer Auswirkungen der Corona-Krise auf Löhne und Gehälter zu einer Nullrunde.

Einer der Hauptgründe für den kräftigen Rentenanstieg trotz Erholungsfaktor ist die positive Lohnentwicklung aufgrund der guten Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland, wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) deutlich machte.

Schon vor der Nullrunde im vergangenen Jahr waren die Renten gestiegen, aber deutlich weniger als in diesem Jahr. 2020 gab es eine Rentenerhöhung von 3,45 Prozent im Westen und 4,20 Prozent im Osten. Zuletzt waren die Renten im Westen 1983 mit 5,59 Prozent höher als in diesem Jahr.

Am Freitag wurden auch Verbesserungen bei den Invaliditätsrenten beschlossen. Die drei Millionen Empfänger dieses Dienstes sollen bis 2024 bis zu 7,5 Prozent mehr Geld erhalten. Außerdem gibt es einen festen Zuschlag für bestimmte Gruppen.

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